Inhaltszusammenfassung:
Das Konzept "abweichendes Verhalten" scheint innerhalb der Soziologie und der Kriminologie seinen einstmals zentralen Stellenwert bei der Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen und Regulation eingebüßt zu haben; an seine Stelle treten Begriffe wie "Risiko", "Risikoverhalten", "Problemverhalten" und "anti-social behaviour". Ausgehend von der US-amerikanischen Debatte um den "Tod abweichenden Verhaltens" werden hier die zentralen Argumente und Entwicklungslinien des Konzepts der Devianz vorgestellt und die begrifflichen Neuschöpfungen einer kritischen Analyse unterzogen. Die grundlegende Hypothese ist dabei, dass Normativität und damit abweichendes Verhalten auch der Thematisierung von Risiko und Risikoverhalten zugrunde liegt. Zwar lassen sich neue Formen der gesellschaftlichen Regulation und der sozialen Ordnungsbildung feststellen, die aber als Institutionen des gesellschaftlichen Umgangs mit unerwünschtem oder störendem Verhalten durchaus in der Perspektive von Normativität und Devianz zu interpretieren sind.