Herzklopfen im Anamnesegespräch: eine Erfassung von Stress in unterschiedlichen Gesprächssituationen

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URI: http://hdl.handle.net/10900/118788
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1187888
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-60162
Dokumentart: PhDThesis
Date: 2021-09-09
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Zipfel, Stephan (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2021-04-30
DDC Classifikation: 150 - Psychology
610 - Medicine and health
Keywords: Stress , Herzfrequenzvariabilität , Medizinstudium , Medizinstudent , Anamnese , Simulation , Szenario , Patient , State-trait-anxiety-inventory , Lehre
Other Keywords: Anamnesegespräch
Realitätsgrad
Gesprächsszenario
Gesprächssimulation
Stresslevel
Medizinische Lehrforschung
Lehrforschung
psychische Stresskomponente
physische Stresskomponente
HRV
history taking
medical education
medical student
medical studies
heart rate variability
STAI
License: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

In der medizinischen Ausbildung werden täglich Simulationen zum Erlernen von kommunikativen und praktischen Fähigkeiten eingesetzt und sind nicht mehr wegzudenken. Übungen mit unterschiedlichen Realitätsgraden und verschiedenen Gesprächspartner/-innen (Kommiliton/-innen, Schauspielpatient/ innen, echte Patient/-innen) werden zum Erlernen von Anamnesegesprächen eingesetzt, ohne in diesem Kontext etwas über den Stress von Medizinstudierenden zu wissen. Ziel der Studie war es, das Stresslevel von Medizinstudierenden während des Anamnesegesprächs bei Gesprächsszenarien unterschiedlichen Realitätsgrades mit psychischen und physischen Stressparametern zu erfassen und zu vergleichen. Hierfür wurden Medizinstudierende der Universität Tübingen im 2. Studienjahr (N = 128, Rücklaufquote: 76.6%) im Wintersemester 2018/19 zu der Studie eingeladen und zufällig auf eines von drei Gesprächsszenarien zur Übung der Anamnese verteilt. In den Gesprächsszenarien wurde entweder ein Anamnesegespräch mit Kommiliton/ innen (RS), mit Schauspielpatient/-innen (SP) oder mit echten Patient/-innen (EP) geführt. Die psychische Stresskomponente der Studierenden wurde mittels State-Trait-Angstinventar (STAI) in Ruhe und nach dem Anamnesegespräch gemessen. Die physische Stresskomponente wurde durch vier Parameter der Herzfrequenzvariabilität (HRV) (RMSSD, HF power, HF power (log), HF power (n.u.)) in Ruhe und während des Anamnesegesprächs erfasst. Die Anamnesegespräche verursachten bei den Medizinstudierenden im Vergleich zur Ruhesituation in den Gesprächsszenarien Stress (rpsych = .36 (p = .018) und rphys = .44 (p < .001)). Beim Vergleich des Stresslevels zwischen den drei Gesprächsszenarien, verhielten sich die psychische und die physische Stresskomponente bei zwei Szenarien entgegengesetzt: So zeigte sich im SP anhand des STAI signifikant mehr Stress als im EP (r = .33, p = .039). Das genau gegenteilige Bild zeigten die HRV Parameter; dort war EP mit signifikant mehr Stress verbunden als das SP (r = .28, p = .034). Die Erklärungsansätze hierfür sind mannigfaltig. Diese fundiert einzuordnen, ist jedoch aufgrund der limitierten Anzahl an Studien zu diesem Thema schwierig. Zwei vielversprechende Gründe könnten sein: (1.) Es gab eine zeitliche Verzögerung bei der Erhebung der psychischen Stresskomponente im EP. In dieser Zeit könnte das Stresslevel bereits wieder abgefallen sein. Und (2.) die positive Einschätzung im Kontakt mit echten Patient/-innen könnte zu einem Eustress geführt haben, welcher das subjektive Stresserleben günstig beeinflusste. Hier bedarf es weiterer Forschung um die Frage abschließend zu beantworten. Diesem Ergebnis entsprechend konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der psychischen und der physischen Stresskomponente während des Anamnesegesprächs aufgezeigt werden. Diese Arbeit soll zur Qualitätsoptimierung der Lehre im Medizinstudium beitragen, namentlich der Einübung des Anamnesegesprächs. Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse kann weitere Lehrforschung anschließen, um die Zusammenhänge von Stresslevel, Gesprächspartner/-in und Lernerfolg zu untersuchen. Davon würden sowohl die Medizinstudierenden als auch die Patient/-innen profitieren.

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