Identifying diachronic changes in ochre behaviours throughout the Upper Palaeolithic (ca. 44-12.5 kya) of Southwestern Germany

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/99758
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-997586
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-41139
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2020-05-31
Sprache: Englisch
Fakultät: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Fachbereich: Geographie, Geoökologie, Geowissenschaft
Gutachter: Conard, Nicholas J. (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2019-09-09
DDC-Klassifikation: 930 - Alte Geschichte, Archäologie
Schlagworte: Archäologie , Geochemie , Jungpaläolithikum , Ocker , Rötel , Hämatit
Freie Schlagwörter: Mineralpigmente
symbolisches Verhalten
Herkunftsanalyse
modernes Verhalten
Symbolic behaviours
Upper Palaeolithic
Provenance analysis
Ochre
Mineral Pigments
Behavioural modernity
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die archäologischen Inventare aus den jungpaläolithischen Schichten (ca. 44–14,5 kya) der Hohle Fels-Höhle im Südwesten Deutschlands sind zentrale Bestandteile unseres Verständnisses der Anfänge des anatomisch modernen Menschen (AMHs) in Europa und seines Verhaltens, einschließlich seiner Kapazität zur symbolischen Vermittlung. Die Verwendung und Manipulation von Mineralpigmenten wird als eine der frühesten symbolischen Ausdrucksformen verstanden und spielt eine entscheidende Rolle in unserem Verständnis modernen Verhaltens (behavioural modernity). Mineralische Pigmente auf Eisenoxid-Basis, die umgangssprachlich als „Ocker“ oder „Rötel“ bezeichnet werden, sind die ältesten und am weitesten verbreiteten Mineralpigmente, die weltweit an archäologischen Stätten gefunden werden. Das Verständnis ihrer Rolle im menschlichen Verhalten und der Komplexität der Beschaffung und Verarbeitung sowie der bleibende Eindruck, den diese Mineralien hinterlassen, sind daher von größter Bedeutung, um die Verhaltensentwicklung der Hominin-Linie zu untersuchen. Das Ziel meiner Dissertation ist es, mit einem ganzheitlichen Ansatz eine diachrone Untersuchung der Ocker- und Rötelinventare vom Hohle Fels durchzuführen. Letztendlich ist mein Ziel zu untersuchen, wie Menschen mit Ocker interagierten, um unser Verständnis der Komplexität ihres Verhaltensweisen am Beginn des Aurignacien (ca. 44 kya) zu erweitern und zu untersuchen, wie sich diese im Laufe der Zeit verändert haben. Da es sich bei Ocker um ein Material mit einer Vielzahl von Verwendungsmöglichkeiten handelt und es in verschiedenen geologischen Kontexten vorkommt, ist ein breit gefächerter Ansatz am besten geeignet, seinen Lebenszyklus und die Art und Weise, wie der Mensch durch die Wechselwirkung mit Ocker beeinflusst wurde, zu untersuchen. Ich lege die Ergebnisse meine Dissertation in drei Phasen vor, die durch drei Artikel repräsentiert werden oder eingereicht sind beziehungsweise sich im Review-Prozess durch Fachkollegen befinden. In der ersten Stufe wurden zuvor festgelegte kategoriale oder qualitative Methoden verwendet, um die Größe, die Art und das gesamte Vorhandensein von Ocker- und Rötelartefakten im Hohle Fels zu dokumentieren. Diese Untersuchung ermöglichte die Beobachtung von Mustern in visuellen und texturellen Merkmalen von Ocker im Lauf der Zeit. Es zeigte sich weiterhin, dass es größere Unterschiede bei den Ockertypen im Aurignacien (ca. 44-34 kya) als in späteren Zeiträumen gibt. Diese variieren in Farbtönen und Texturen viel stärker als in späteren Zeitabschnitten, wo es eine Präferenz für lilafarbenen, feinkörnigen und glimmerhaltigen Ocker im Gravettien (34-30,5 kya) und im Magdalénien (16,5-14,5 kya) gibt. Die Spuren des anthropogenen Gebrauchs in den beiden letzteren Zeitstufen entsprechen eher Spuren der Pigmentpulverproduktion, während in der Aurignacien nur ein stilisiertes Motiv vorhanden ist. Die zweite Phase umfasste die Durchführung einer Geländebegehung in der Nähe des Hohle Fels sowie in anderen, weiter entfernten Gebieten, um Eisenoxid-Quellen zu lokalisieren, die die Mineralische Pigmente hätten liefern können. Dies knüpft auch an die dritte Stufe an, die darauf abzielte, eine Auswahl von Ockerartefakten vom Hohle Fels mithilfe der Neutronenaktivierungsanalyse (NAA) geochemisch zu bestimmen und diese mit den aufgesammelten Materialproben zu vergleichen, um eine Herkunftsanalyse durchzuführen. Diese beiden Stadien ergaben, dass es mehrere Kompositionsgruppen im Ockerinventar gibt, die aus verschiedenen Quellen stammen, und von denen die meisten lokal vorkommen. Zwei Kompositionsgruppen zeigten jedoch, dass die Beschaffung von Ocker nicht nur auf lokale Gebiete beschränkt war, sondern dass Ocker im Aurignacien auch über große Entfernungen (ca. 300 km) transportiert wurde. Darüber hinaus wurde auf mehrere dieser Lagerstätten im Verlauf des gesamten Jungpaläolithikums zugegriffen, was zeigt, dass Gruppen von Menschen über Generationen hinweg Wissen austauschten und bestimmten Quellen von Ressourcen auch in einem sich stark verändernden Umfeld und Klima treu blieben. Der letzte Aspekt der dritten Stufe umfasste die Einbeziehung von Ocker- und Rötelartefakten aus den nahe gelegenen Höhlenstandorten Geißenklösterle und Vogelherd, um zu untersuchen, ob sich die Nutzung von Ocker innerhalb der verschiedenen Höhlenstationen veränderte . Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen tatsächlich auf dieselben Ockerquellen zurückgriffen; manche Ockersorten aber traten in bestimmten Gruppen exklusiv auf, wie dies bei einigen Ockersorten von Hohle Fels und Geißenklösterle der Fall ist. Die archäologischen und naturwissenschaftlichen Daten zu den Mineralische Pigmente sowie die Umwelt- und Klimadaten zeigen, dass sich die Menschen bei Bedarf anpassten und ihr Verhalten im Laufe der Zeit beibehielten. Insgesamt ermöglichte die Kombination all dieser Methoden und Techniken neue und einzigartige Einblicke in die Art und Weise, wie Menschen miteinander kommunizierten, mit ihrer Landschaft interagierten und auf welche Weise Ocker und Rötel einen Teil ihres Lebens im gesamten Jungpaläolithikum bildeten.

Abstract:

The archaeological assemblage from the Upper Palaeolithic levels (ca. 44-14.5 kya) of Hohle Fels cave in southwestern Germany is central to our understanding of the beginnings of anatomically modern humans (AMHs) in Europe and their behaviours, including the capacity for symbolic mediation. The use and manipulation of mineral pigments is understood to be one of the earliest forms of symbolic expression and plays a pivotal role in our understanding of behavioural modernity. Of the mineral pigments, a series of Fe-oxide based materials colloquially referred to as “ochre” are the oldest and most widespread pigment found at archaeological sites worldwide. Understanding its role in human behaviours, the intricacies surrounding its collection and use, and the lasting imprint it left is thus of utmost relevance in order to investigate the behavioural evolution of our hominin lineage. The goal of my dissertation is to use a holistic approach to conduct a diachronic study of the ochre assemblage from Hohle Fels cave in southwestern Germany. Ultimately, my aim is to investigate the ways in which humans interacted with ochre in order to expand our understanding of their behavioural complexity during the earliest onset of the Aurignacian (ca. 44kcal. BP) and how these changed over time. Since ochre is a multi-faceted item with a range of uses and occurs in a variety of geological contexts, a diverse approach is best suited to explore its life-cycle and in what ways humans shaped and were impacted by their interactions with ochre. I present my thesis results in three stages, represented by three papers that are either published or ready for peer-review publication. The first stage used previously established categorical or qualitative methods to document the size, types, and overall presence of ochre artefacts at Hohle Fels. This investigation allowed observation of temporal patterns in visual and textural characteristics of ochres. It furthermore demonstrated that there are significant differences in the types of ochre collected during the Aurignacian (ca. 44-34 kcal. BP) and later time periods, namely, that ochre colours and textures were more varied during the Aurignacian which narrowed to a preference for purple, silty and micaceous ochres during the Gravettian (34-30.5 kya) and Magdalenian (16.5-14.5 kya). The traces of anthropogenic use during the later time periods are more in line with pigment powder production, while in the Aurignacian only a stylised motif is present. The second stage involved conducting a survey nearby Hohle Fels as well as in other areas, in order to locate Fe-oxide sources which could have provided the ochre materials to cave inhabitants. This also ties into the third stage, which aimed to geochemically characterize a selection of ochre artefacts from Hohle Fels using neutron activation analysis (NAA) and compare these with the source materials to conduct a provenance-based analysis. These two stages revealed that there are several compositional groups acquired from different sources represented in the ochre assemblage, most of which were locally-based. However, two compositional groups showed that ochre acquisition was not only restricted to local areas, and even during the Aurignacian ochre was transported over great distances (ca. 300 km). Furthermore, several of these sources were accessed throughout the entire Upper Palaeolithic, showing that groups of people were sharing knowledge through generations and were remaining loyal to certain source areas during a vastly changing environment and climate. The last aspect of the third stage involved the incorporation of ochres from the nearby cave sites of Geißenklösterle and Vogelherd, in order to explore whether ochre behaviours were shared between the cave sites. The results showed that people were indeed sharing or accessing the same ochres, but some were kept exclusive to certain groups as is seen with the ochre from Hohle Fels and Geißenklösterle. The data on the ochre materials, both archaeological and modern, coupled with environmental and climatic data, revealed that people were adapting when necessary, but also maintaining behaviours over time. Overall, the combination of all of these methods and techniques allowed for new and unique insights into the ways that people communicated with each other, interacted with their landscape, and how ochre formed a part of their lives throughout the Upper Palaeolithic.

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