Anämie und Transfusion von Erythrozytenkonzentraten bei prolongiert mechanisch beatmeten, tracheotomierten Patienten - Korrelation mit Beatmungsdauer, nosokomialen Infektionen und nichtinfektiösen Komplikationen: eine retrospektive Studie

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/98487
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-984872
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-39868
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2020-03-03
Originalveröffentlichung: BMC Pulmonary Medicine 2019; 19(250)
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Kopp, Hans-Georg (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2020-02-14
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Anämie , Erythrozytenkonzentrat , Künstliche Beatmung
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_mit_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Die prolongierte Respiratorentwöhnung betrifft die invasiv beatmeten Patienten, die schon mindestens drei erfolglose Spontanatmungsversuche hatten oder länger als sieben Tage nach dem ersten erfolglosen Spontanatmungsversuch beatmet werden. Dieses Verfahren findet in spezialisierten Weaningzentren statt. Die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten wird in der Beatmungsmedizin bei anämischen Patienten eingesetzt. Diese Arbeit beschäftigte sich mit den Auswirkungen der Transfusion und dem optimalen Transfusionstrigger. In dem Weaningzentrum der Klinik Schillerhöhe wurden die Daten von 378 Patienten zwischen Dezember 2011 und Dezember 2016 in unserer retrospektiven Observationsstudie erhoben. Die Patientencharakteristika, die Morbidität, die transfusionsrelevanten Daten und mehrere Endpunkte wurden erfasst. Die Korrelation zwischen Transfusion und Endpunkten wurde analysiert. Die klinische Stabilität bei der Aufnahme in unserem Weaningzentrum, die von Intensivstationen abweichenden Apache-II-Score und Aufnahmehämoglobin zeigen, dass die Patienten im prolongierten Weaning ein spezielles Kollektiv aufweisen und prinzipiell gesondert bezüglich des Transfusionstriggers analysiert werden sollen. Die häufigste Ursache der akuten respiratorischen Insuffizienz war die Pneumonie mit 31% und die häufigste Vorerkrankung war die kardiale Erkrankung mit 42,3%. Der Weaningerfolg, definiert als Weaningkategorie 3a und 3b, konnte in 69,8% der Fälle erzielt werden und 50,5% aller Patienten wurden vom Respirator vollständig entwöhnt. Das Weaningversagen errechnete sich bei 30,2%. Die Weaningdauer betrug 23,0 (± 16,2) Tage. 41,8% der Patienten erlitten eine infektiöse Komplikation. Die häufigsten Infektionen waren die Harnwegsinfektion mit 28,1% und die Ventilator-assoziierte Tracheobronchitis mit 22,4%. Die Transfusion ergab sich in der Cox-Regressionsanalyse als der einzige unabhängige Risikofaktor für die Zeit bis zur ersten Infektion mit einer Hazard Ratio von 0,965 (p-Wert =0,001). Im Weaning-Zeitraum wurde 44,4% der Patienten transfundiert. Es ergaben sich im Weaning-Zeitraum im Durchschnitt 1,5 (±2,9) Erythrozytenkonzentrate pro Patient. Der Mittelwert des Prätransfusionshämoglobins im Weaning-Zeitraum betrug in unserer Studie 75,2 g/l (±5,2). Das mediane Hämoglobin und die Transfusion zeigten keine statistisch signifikante Korrelation mit dem erfolglosen Weaning. Die Transfusion korrelierte unabhängig mit der Weaningdauer. Die Krankenhausmortalität betrug in unserem Kollektiv 11,9% und bewegte sich auf dem gleichen Niveau wie in den Vergleichstudien. Die multivariate Analyse der Krankenhausmortalität ergab ein statistisch signifikantes Ergebnis für das Aufnahmehämoglobin und einen Trend für die Transfusion (OR=2,050, p-Wert=0,052). Das Aufnahmehämoglobin zeigte einen hohen negativen prädiktiven Wert für die Krankenhausmortalität. Die Korrelation der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten mit dem früheren Eintritt der ersten Infektion, sowie der Trend zu höherer Krankenhausmortalität unterstützen eine restriktive Transfusionsstrategie im prolongierten Weaning. Der optimale Transfusionstrigger im prolongierten Weaning sollte das Ziel zukünftiger randomisierten kontrollierten Studien sein.

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