Inzidenz neuropathischer Schmerzen nach Orchidektomie und geschlechtsangleichender Operation

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URI: http://hdl.handle.net/10900/98191
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-981914
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-39572
Dokumentart: Dissertation
Date: 2020-02-19
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Grasshoff, Christian (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2020-02-03
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Schmerz , Hoden , Phantomschmerz
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Ziel unserer Untersuchung war es, die Häufigkeit von Phantomschmerzen des Hodens zwischen Patientinnen nach geschlechtsangleichender Chirurgie von Mann zu Frau und Männern nach Orchidektomie aufgrund eines malignen Hodentumors zu vergleichen. Die vollkommen unterschiedlichen physischen und psychischen Voraussetzungen des jeweiligen Eingriffes ließen uns eine höhere Inzidenz von Phantomschmerzen bei den Männern nach Tumororchidektomie vermuten. Die Studie wurde retrospektiv über einen modularen Fragebogen realisiert. Von insgesamt 265 kontaktierten Frauen nach Geschlechtsangleichung kamen 55 Fragebögen zur Auswertung (Rücklauf 20,75%). Von 158 angeschriebenen Männern nach Tumororchidektomie waren 54 Fragebögen auswertbar (Rücklauf 34,18%). Mit diesem Datensatz war die zuvor ermittelte, statistisch notwendige Stichprobengröße erreicht. Neben der Häufigkeit, Stärke und Charakter der Phantomschmerzen des Hodens erfragten wir auch (schmerzlose) Phantomsensationen im Genitalbereich, Phantomschmerzen des Penis nach geschlechtsangleichender Operation sowie nach chronischer Schmerzinzidenz bei beiden Gruppen. Auch die möglichen Einflussfaktoren auf Phantomschmerz und postoperativen Schmerz, wie eine perioperative Periduralanästhesie oder vorbestehende Schmerzen, wurden erhoben und verglichen. Ergänzend untersuchten wir auch die Kompetenz zur Schmerzverarbeitung, indem wir den „Fragebogen zur Erfassung der Schmerzverarbeitung“ (FESV) integrierten. Phantomschmerzen des Hodens waren nach Tumororchidektomie signifikant häufiger als nach Geschlechtsangleichung (p= 0,013), ebenso schmerzfreie Phantomsensationen des Hodens (p= 0,004). Dagegen unterschied sich die Inzidenz von chronischen postoperativen Schmerzen zwischen den Gruppen nicht (p=0,827). In unserem Kollektiv hatte eine Periduralanästhesie keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Phantomschmerzen und postoperativen chronischen Schmerzen, vorbestehende Schmerzen im Genitalbereich konnten nicht als Risikofaktor für Phantomschmerzen identifiziert werden, wohl aber signifikant für chronische postoperative Schmerzen in der Gruppe nach Tumororchidektomie (p= 0,004). Die durch den FESV erhobenen Werte zur Schmerzverarbeitung unterschieden sich bis auf das Item „mentale Ablenkung“ nicht signifikant zwischen den von uns untersuchten Gruppen. Bei transsexuellen Menschen scheint die zentrale Repräsentanz der nicht akzeptierten Geschlechtsorgane im somatosensorischen Kortex verändert und verkleinert zu sein. Berücksichtigt man die Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von kortikaler Reorganisation und Phantomschmerz, könnte das verkleinerte Repräsentationsareal zur niedrigeren Prävalenz von Phantomschmerzen des Hodens nach geschlechtsangleichender Operation beitragen.

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