Ergebnisse der DiabCheckOCTplus Studie - Epidemiologische und versorgungswissenschaftliche Fragestellungen der Ophthalmologie bei Diabetes mellitus unter Berücksichtigung der Patientenperspektive

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URI: http://hdl.handle.net/10900/97272
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-972723
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-38655
Dokumentart: Dissertation
Date: 2020-01-22
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Ziemssen, Focke (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2019-09-23
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Diabetes mellitus
Other Keywords: Diabetische Retinopathie
Versorgungsforschung
diabetic retinopathy
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Zu Eigenschaften, Häufigkeit und Wissen bezüglich der diabetischen Retinopathie (DR) wurden bisher in Deutschland keine Primärdaten für Patienten mit Diabetes erhoben, die außerhalb der augenärztlichen Versorgung anzutreffen sind. Die DiabCheckOCTplus-Studie sollte neben versorgungswissenschaftlichen Charakteristika auch die Patienten-perspektive abbilden. In diabetologischen Schwerpunktpraxen konnten 810 Patienten mit nachgewiesenem Diabetes mellitus (DM) charakterisiert werden. Relevante Parameter wurden aus der Karteikarte in eine Datenbank überführt. In der Kohorte zeigten 31,1% (62,8%) einen T1DM (T2DM) mit einem Durchschnittsalter von 47,3 (64,4) Jahren und einer mittleren Diabetesdauer von 23,3 (12,6) Jahren. Die Prävalenz der DR betrug für den T1DM 28,8% und für den T2DM 11,4%. 60,6% aller Patienten konnten ihren HbA1c-Wert korrekt erinnern. Der Gedächtnisfehler war im Vergleich zum tolerierten Labormessfehler 2,8x so hoch. In Bezug auf die DR beschrieben die Patienten den Augenarzt als wichtigste Informationsquelle. Eine Mehrheit von 74,3% präferierte shared decision-making für die Kommunikation therapeutischer Maßnahmen. Für das objektive Wissen okulärer Komplikationen zeigte sich ein Zusammenhang mit Alter, Vorliegen einer DR und Anzahl früherer Augenarztbesuche. Betroffene zeigten entsprechend eine höhere Selbsteinschätzung. Prädiktoren für die leitliniengerechten Umsetzung der Augenuntersuchung waren höheres Lebensalter, längere Diabetesdauer sowie weibliches Geschlecht. Die Wahrscheinlichkeit stieg zudem mit der subjektiven Selbsteinschätzung und dem Vertrauen in die Entscheidungskompetenz des Arztes. Angesichts der limitierten Zeit der augenärztlichen Konsultation legten die Patienten mit steigender Diabetesdauer mehr Gewicht auf die Diagnostik. Die Mehrheit fürchtete einen Verlust der Sehfunktion als größtes Problem, deutlich vor Demenz, Taubheit und Immobilität. Die Ergebnisse zeigen verschiedene mögliche Angriffspunkte auf, um die beobachteten Versorgungslücken, also auch unnötige Verzögerungen für die Therapie zu vermeiden. Mit den Menschen jüngeren Alters und männlichen Geschlechts wurde eine Subgruppe identifiziert, für die mit zielgerichteten Maßnahmen eine bessere Inanspruchnahme und Früherkennung erreicht werden kann bzw. muss. Wenn einer von drei Patienten die Güte der eigenen Stoffwechselkontrolle nicht erinnern kann, müssen Sicherheitsmaßnahmen diskutiert werden, um Wissen und Verständnis zu berücksichtigen. Mit Hilfe der Stufen des Therapiealgorithmus der nationalen Versorgungsleitlinie für T2DM, also dem Wissen der medikamentösen Therapie, könnte eine Risikoabschätzung für die DR möglich sein: Die Wahrscheinlichkeit für das Beobachten retinaler Veränderungen stieg pro Eskalationsstufe um den Faktor 2,8 an.

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