Kognitive Mechanismen der Blasenschwäche bei Morbus Parkinson

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URI: http://hdl.handle.net/10900/93862
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-938621
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-35246
Dokumentart: Dissertation
Date: 2019-10-24
Language: English
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Psychologie
Advisor: Liepelt-Scarfone, Inga (PD Dr.)
Day of Oral Examination: 2019-07-10
DDC Classifikation: 150 - Psychology
500 - Natural sciences and mathematics
Keywords: Parkinson-Krankheit , Demenz , Kognition , Harninkontinenz
Other Keywords: Blasenschwäche
Nicht motorische Symptome
Neuropsychologie
neurodegenerative Erkrankungen
Parkinson
dementia
cognition
urinary dysfunction
neuropsychology
neurodegeneration
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Inhaltszusammenfassung:

In der vorliegenden Dissertation wurde untersucht, ob Kognition sich auf die Entwicklung, oder Verschlechterung des vermehrten Harndrangs bei Morbus Parkinson auswirken kann. Die zweite Hauptfrage dieser Arbeit beschäftigte sich mit der Validierung eines Algorithmus, der für das Screening Tool-MoCA (Montreal Cognitive Assessment) entwickelt wurde. Der Morbus Parkinson ist die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung in Europa. Neben den motorischen Symptomen treten häufig nicht-motorische Symptome auf, die im Verlauf das Erkrankungsbild dominieren können, eine hohe Beeinträchtigung des Alltags verursachen und von Patienten als stark aversiv wahrgenommen werden. Besondere Beachtung fanden in den letzten Jahren sowohl autonome als auch kognitive Beeinträchtigungen. Zu den autonomen Störungen gehören unter anderem Blasensymptome, die bei bis zu 85% aller PD Patienten auftreten können. Die häufigste Störung der Blasenfunktion äußert sich durch einen vermehrten Harndrang (PD-UU), der das soziale Leben und den Alltag der Patienten beeinflusst und zur Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Die Ursache des Harndrangs bei PD ist sehr komplex. Die Zentrale Regelung des Miktionsreflexes setzt sich aus Bahnen zwischen Frontalhirn und Basalganglien zusammen, die sowohl die Kontrolle als auch die interozeptiven Prozesse modulieren. Dieser Regelkreis steuert das menschliche Verhalten und insbesondere die exekutiven Funktionen, wie Inhibition, Monitoring oder Update der wahrgenommenen Signale. Die Inzidenz des Harndrangs wird sowohl mit der Progression der motorischen Symptome, als auch der kognitiven Beeinträchtigungen in Zusammenhang gebracht. Kognitive Störungen betreffen bis zu 30% aller Patienten. Das Risiko an einer Demenz im Rahmen der PD zu erkranken ist 4 bis 6-fach erhöht im Vergleich zu einer gleichaltrigen gesunden Population. Kognitive Störungen können oft bereits bei der PD Diagnose nachgewiesen werden und 8 Jahre nach Erstdiagnose entwickeln 78% aller Patienten eine Demenz. Der Untersuchungsfokus dieser Dissertation lag darin den Zusammenhang zwischen der Kognition und PD-UU zu überprüfen. Die Ergebnisse der ersten Veröffentlichung, die in einer unselektierten Kohorte von PD Patienten durchgeführt wurde, bestätigten hohe Prävalenzrate der PD-UU: etwa 57% der eingeschlossenen Patienten berichteten von unspezifischen Blasenproblemen. Weiterhin, wurde das Auftreten von PD-UU mit der Beeinträchtigung des globalen kognitiven Status sowie visuo-konstruktiven Fähigkeiten und Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung assoziiert. Auch die schwere des Harndrangs korrelierte sowohl mit einem verschlechterten globalen kognitiven Status als auch mit der Performanz innerhalb der visuo-konstruktiven Aufgaben. Die zweite Studie baute auf den Ergebnissen der ersten Veröffentlichung auf, wobei die Limitationen aus der explorativen Analyse weitgehend behoben wurden. Die Forschungsfrage richtete ihren Fokus darauf, ob anhand von nicht-motorischen Merkmalen eine Identifizierung des prototypischen PD-UU Patienten möglich wäre. Diese Frage wurde innerhalb einer hochselektierten, nicht dementen Kohorte untersucht, wobei Patienten mit komorbiden Erkrankungen oder Medikation, die entweder mit der Kognition oder mit dem urogenitalen System interagieren könnten, ausgeschlossen wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass ein prototypischer PD-UU Patient Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen aufwies, eine hohe Anzahl an anderen nicht-motorischen Symptomen hatte und niedrige Werte auf der Skala der wahrgenommenen Lebensqualität bezogen auf Stigmatisierung durch die Erkrankung. Die Zuordnung der aufgezeigten Gruppenmerkmale wurde mithilfe einer Diskriminanzanalyse überprüft, deren Kombination mit einer hohen diagnostischen Genauigkeit von 72,4% einen PD-UU Patienten charakterisierte. Die zweite Hauptsäule der Studie betraf die Validierung eines Algorithmus, der für das kognitive Screening Tool- MoCA entwickelt wurde. In einer nicht dementen PD Kohorte validierten wir dessen Sensitivität und Spezifität in der Diagnose kognitiver Veränderungen. Obwohl der MoCA-Test ursprünglich als sensitives Tool für die Entdeckung leichter kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz bei Alzheimer Patienten konzipiert wurde, ist es zu einem der wichtigsten Screening Tools im Bereich der PD geworden. Ein neuartiger Gewichtungsalgorithmus zeigte einen diagnostischen Vorteil gegenüber dem ursprünglichen MoCA. Der neue Algorithmus zeigte mit einem Cut-Off von 2 Standardabweichung die größte Trennschärfe auf und identifizierte mit hoher Sensitivität PD-MCI Patienten mit einem erhöhten Demenzrisiko. Die nicht-motorischen Symptome stellen im klinischen Alltag eine Herausforderung dar. Die richtige Diagnose der autonomen Störung in PD und das genaue Erforschen seiner Genese bietet neue Therapiemöglichkeiten, die ergänzend zu den konservativen Maßnahmen eingesetzt werden können. Eine frühe Identifikation der kognitiven Störung in PD ist von hoher Bedeutung, da es das Vorstadium einer Demenz darstellen kann und Therapiemaßnahmen in einem neurodegenerativen Frühstadium am wirksamsten sind.

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