Mittel- und langfristige Ergebnisse nach operativer Versorgung von Acromioclaviculargelenksprengungen mittels Hakenplatte

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URI: http://hdl.handle.net/10900/87878
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-878786
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-29263
Dokumentart: Dissertation
Date: 2019-04-23
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Stöckle, Ulrich (Prof. Dr. med.)
Day of Oral Examination: 2019-03-05
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Unfallchirurgie , Orthopädie
Other Keywords: Acromioclaviculargelenksprengung
Hakenplatte
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Zur Therapie der akuten AC-Gelenksprengung stehen eine Vielzahl an Operationsverfahren zur Verfügung. Dennoch konnte bis jetzt noch kein Verfahren als Goldstandard etabliert werden. Auch eine konservative Versorgung bietet in manchen Fällen eine gleichwertige Behandlungsalternative. Die operative Stabilisierung mittels Hakenplatte ist eines der gängigsten operativen Verfahren. Diese Operationstechnik wurde im Rahmen einer retrospektiven Studie untersucht und bewertet. Ziel der Arbeit war das funktionelle und radiologische Ergebnis zu evaluieren und im Kontext der bestehenden Literatur zu vergleichen. Auch sollten die Auswirkungen der Therapie auf die Lebensqualität, sowie auf die sportliche und berufliche Belastbarkeit überprüft werden. Im Zeitraum vom 1.1.2012 bis zum 31.12.2014 erfüllten 99 Patienten die Einschlusskriterien der Studie. Alle Patienten wurden aufgrund einer höhergradigen AC-Gelenksprengung mit einer Hakenplatte versorgt. 69 dieser Patienten konnten, nach durchschnittlich 38 Monaten (22 – 58 Monate), nachuntersucht werden. Die Followup-Rate lag bei 69,7%. Die Beurteilung der funktionellen Ergebnisse erfolgte anhand des Constant-Murley-Scores, des Rowe-Scores, des DASH-Scores, einer klinischen Nachuntersuchung unter Berücksichtigung des Bewegungsumfangs und des Schmerzniveaus anhand einer visuellen Analogskala. Die Lebensqualität wurde mit Hilfe des EQ5D5L-Fragebogens erfasst. Eine Klassifizierung der Arbeitsbelastung erfolgte anhand der REFA-Klassifizierung und wurde in gering (REFA 0 – 1) und hoch (REFA 2 – 4) eingeteilt. 80% der nachuntersuchten Patienten hatten Verletzungen vom Grad Rockwood V, 4% vom Grad Rockwood IV und 16% vom Grad Rockwood III erlitten. Im Constant-Murley-Score wurde ein mittleres Ergebnis von 90,0 ± 1,4 Punkten (41 – 100 Punkte) erreicht, dieses war jedoch signifikant geringer als auf der gesunden Gegenseite (94,7 ± 0,9 Punkte, p = .000003). Der mittlere Rowe-Score lag bei 91,4 ± 1,2 Punkten (55 – 100 Punkte). Im DASH-Score lag das durchschnittliche Ergebnis bei 5,6 ± 1 Punkten (0 – 39 Punkte). 68% der Patienten erlangten nach der Operation seitengleich volle Beweglichkeit. In allen Ebenen kam es in unter 10% der Fälle zu einer Bewegungseinschränkung um mehr als 10% im Vergleich zur unverletzten Gegenseite. Lediglich 40,2% aller Patienten erreichten völlige Schmerzfreiheit. Initial erfolgte eine gute Reposition des AC-Gelenks. Nach der Entfernung des Implantats war jedoch nur in 64,3% ein Wiederansteigen unter 5 mm zu beobachten. In 25% der Fälle nahm der CC-Abstand zwischen 5 – 10 mm zu und in 10,7% der Fälle kam es zu einer Zunahme des CC-Abstands um mehr als 10 mm. Die Lebensqualität, gemessen anhand des EQ5D5L-Index, war nach der Therapie (Mittelwert: 0,938 ± 0,008, 0,780 – 1,000, Median 0,910) signifikant geringer als vor der Verletzung (Mittelwert: 0,976 ± 0,006, 0,780 – 1,000, Median: 1,000, p = .000011). Es konnte ein Zusammenhang zwischen der Lebensqualität und dem funktionellen Ergebnis festgestellt werden. Je geringer das funktionelle Ergebnis im CMS war, desto geringer war auch der EQ5D5L-Indexwert und umgekehrt (p = .000201). Im gesamten Kollektiv kam es zu einer signifikanten Abnahme der sportlichen Aktivität nach der Operation (p = .004668). Eine signifikante Abnahme der beruflichen Belastbarkeit konnte nicht beobachtet werden (p = .063318). Insgesamt erreichten 94,2% aller Patienten wieder ihr ursprüngliches berufliches Aktivitätsniveau. Alle Patienten mit hoher beruflicher und sportlicher Beanspruchung vor der Operation konnten zu diesen Aktivitäten zurückkehren. Es konnte gezeigt werden, dass sowohl die Arbeitsbelastung als auch der Unfallkontext signifikante Auswirkungen auf die stationäre Liegezeit und die Arbeitsunfähigkeitsdauer haben. Patienten mit hoher Arbeitsbelastung lagen länger stationär (Mediandifferenz: 1 Tag, p = 0,014157) und waren länger arbeitsunfähig (Mediandifferenz: 8 Wochen, p = 0,000039) als Patienten mit geringer Arbeitsbelastung. Ebenso lagen Patienten, bei denen ein Arbeitsunfall vorlag länger stationär (Mediandifferenz: 3,5 Tage, p = 0,000045) und waren länger arbeitsunfähig (Mediandifferenz: 5 Wochen, p = 0,033443) als Patienten, die sich in privatem Kontext verletzten. Bei 5 Patienten kam es zu Wundheilungsstörungen und in 2 Fällen trat eine sanierungsbedürftige Infektion auf. Ein Patient entwickelte postoperativ eine Armvenenthrombose. Ein Patient entwickelte im Verlauf eine revisionsbedürftige Ossifikation des AC-Gelenks und bei einem weiteren Patienten waren klinisch / radiologisch Arthrosebeschwerden zu diagnostizieren. Die operative Versorgung höhergradiger AC-Gelenkssprengungen mit Hilfe der Hakenplatte führte zu sehr guten funktionellen Ergebnissen bei vertretbar geringer Komplikationsrate von 10% und lieferte insgesamt im Vergleich zu alternativen Operationstechniken gleichwertige Ergebnisse. Die Operation stellte ein gutes Verfahren zur Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit dar. Es zeigte sich, dass in Zukunft auch bei höhergradigen AC-Gelenksverletzungen eine Selektion zur Operationsindikation, anhand der beruflichen und sportlichen Anforderungen, sinnvoll sein kann. Eine längere Materialverweildauer könnte zu stabileren Gelenkverhältnissen verhelfen und ein Wiederansteigen der Clavicula verhindern. Diese Punkte gilt es in weiteren klinischen Studien zu evaluieren.

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