Schlafphysiologie bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung und deren Einfluss auf die schlafabhängige Gedächtniskonsolidierung

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URI: http://hdl.handle.net/10900/87560
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-875607
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-28946
Dokumentart: Dissertation
Date: 2019-04-08
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Diekelmann, Susanne (PD Dr.)
Day of Oral Examination: 2019-03-21
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Schlaf
License: Publishing license including print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Schlaf fördert die Gedächtniskonsolidierung. Besonders bei Kindern könnte sich gestörter Nachtschlaf deshalb negativ auf die kognitive Entwicklung auswirken. Eine Autismus-Spektrum-Störung (ASS) geht häufig mit Schlafstörungen einher, die für einen Teil der kognitiven Veränderungen bei ASS verantwortlich sein könnten. Die vorliegende Studie hatte das Ziel zu untersuchen, ob die Schlafarchitektur und schlafphysiologische Marker der Gedächtniskonsolidierung (Spindeln, Slow Wave Activity) bei Kindern mit ASS verändert sind und ob diese Veränderungen mit Beeinträchtigungen der schlafabhängigen Gedächtniskonsolidierung einhergehen. Bei der Studie handelte es sich um ein within-subject-Design: 21 Kinder mit ASS zwischen 9 und 12 Jahren sowie 20 gesunde Kontrollkinder, gematcht nach Alter und IQ, alle männlich, absolvierten je eine nächtliche Schlaf- sowie eine tagsüber stattfindende Wachbedingung. Jede Bedingung bestand aus einer Enkodierphase, einem Retentionsintervall (Schlaf oder Wach) und einer Abrufphase. Für die Untersuchung der Gedächtniskonsolidierung wurden drei verschiedene Gedächtnisaufgaben eingesetzt, die vor allem auf die Abstraktion von Informationen abzielten. In dieser Arbeit wurde nur eine der Aufgaben ausgewertet: Der False Memory Task, welcher den Abruf korrekter sowie gist-basierter Erinnerungen beinhaltete. Während des Lernens hörten die Probanden Wortlisten, die semantisch eng mit jeweils einem nicht enthaltenen Schlüsselwort (False Memory) assoziiert waren. Beim Abruf wurden neben den korrekt erinnerten Wörtern zuverlässig diese False Memories als in der Liste enthalten erinnert. Dabei deuteten sowohl eine erhöhte Anzahl an korrekten Erinnerungen als auch an False Memories (gist-basierte Erinnerungen) auf vermehrte Konsolidierungsprozesse hin. Für die objektive Messung des Schlafes wurde eine Polysomnographie eingesetzt. Entgegen unserer Vermutung zeigte sich bei den Kindern mit ASS keine beeinträchtigte schlafabhängige Gedächtniskonsolidierung, sie erinnerten aber insgesamt weniger gelernte Inhalte als die Kontrollkinder. Interessanterweise zeigte sich bei den Kindern mit ASS jedoch ein schlafabhängiger Vorteil für den Abruf gist-basierter Erinnerungen, welcher bei den Kontrollkindern nicht zu beobachten war. Zwischen der Gesamtschlafdauer und der Gedächtnisleistung im False Memory Task fand sich keine Korrelation. Ein höherer Anteil an S2 am Gesamtschlaf korrelierte bei den Kindern mit ASS mit einer erhöhten Anzahl an False Memories, ein höherer relativer SWS-Anteil hingegen mit einer geringeren Anzahl an False Memories. Beide Korrelationen fanden sich nicht in der Kontrollgruppe. Bei den Kindern mit ASS korrelierte zudem eine höhere Dichte an Spindeln während des Non-REM-Schlafes mit einem besseren Ergebnis beim Adjusted Recall, bei den Kontrollkindern war dies nicht der Fall. Es fanden sich wider Erwarten keine Unterschiede der Schlafparameter zwischen den Kindern mit ASS und den gesunden Kontrollen. Trotz der insgesamt schlechteren Gedächtnisleistung der Kinder mit ASS im Vergleich zu den gesunden Kontrollen, scheinen die schlafabhängige Gedächtniskonsolidierung sowie Abstraktionsprozesse erhalten zu sein. Die Schlafphysiologie scheint ebenfalls nicht verändert zu sein. Es könnte sein, dass Schlaf bei den Kindern mit ASS eine kompensatorische Funktion erfüllt und somit eine wichtige Rolle für die kognitive Entwicklung einnimmt.

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