Der Einfluss von Schlaf auf Erinnerungsverfälschungen über Langzeit

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URI: http://hdl.handle.net/10900/85952
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-859520
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-27341
Dokumentart: Dissertation
Date: 2019-01-31
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Born, Jan (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2018-12-17
DDC Classifikation: 150 - Psychology
500 - Natural sciences and mathematics
610 - Medicine and health
Keywords: Schlaf , Medizin , Psychologie
Other Keywords: Erinnerungsverfälschungen
Gist
Episodisches Gedächtnis
Gist-Abstraktion
gist abstraction
false memory
episodic memory
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Unser Gedächtnis stellt nach wie vor ein nicht völlig verstandenes Mysterium dar. Es muss Erinnerungen möglichst detailgetreu repräsentieren und trotzdem genügend Kapazität für die Aufnahme und Verarbeitung von neuen Informationen bieten. Ein Mechanismus dies zu gewährleisten, kann eine Abstraktion des Erlebten sein. Bestandteil dieser abstrakten Repräsentation ist die Gist, die Kerninformation des Erlebten. Gist Abstraktion kann durch Konsolidierungsprozesse im Schlaf unterstützt werden. Während diese Erinnerungsverarbeitung meistens Teil eines flexiblen Gedächtnisses ist, können im Verlauf auch Fehler, sogenannte Erinnerungsverfälschungen, entstehen: Wir meinen uns lebhaft an nie Erlebtes zu erinnern. In der vorliegenden Arbeit wurde untersucht, wie sich auf der Gist basierende Erinnerungsverfälschungen über multiple Konsolidierungsnächte verändern und ob eine Langzeitrepräsentation der Gist durch Schlaf beeinflusst wird. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildete ein Experiment, bei dem mittels eines visuellen, nonverbalen Figurenparadigmas der Einfluss von Schlaf auf Erinnerungsverfälschungen im Kurzzeit- (nach 20 Minuten und 10 Stunden) und im Langzeitabruf (nach einem Jahr) analysiert wurde. Im Kurzzeitabruf erkannten und „erinnerten“ Probanden der Schlafbedingung im Vergleich zur Wachbedingung subjektiv signifikant sicherer vorher enkodierte alte Figuren, was für ein stärkeres episodisches Gedächtnis der Schlafbedingung spricht. Zwischen der Wiedererkennungsrate von korrekt und sehr sicher erinnerten alten Figuren und REM-Schlaf bestand eine positive Korrelation. Außerdem erkannten nur Probanden der Schlaf-/Wachbedingung die Gist im Vergleich zu alten, gelernten Figuren signifikant häufiger wieder. Eine effektive Gist Abstraktion war somit erst nach 10 Stunden, aber noch nicht nach 20 Minuten feststellbar. Im Langzeitabruf wurde nur die Gist in der Schlafbedingung über Zufallsniveau wiedererkannt, was sich auch in den Eyetrackerdaten widerspiegelte. Die Ergebnisse sprechen für einen verstärkenden Kurzzeiteffekt von Schlaf auf episodisches Gedächtnis. Bereits nach 10 Stunden in der Schlaf-/Wachbedingung war eine Gist Abstraktion des Gelernten nachweisbar. Ein positiver Langzeiteffekt von Schlaf auf die Gist Abstraktion konnte noch nach einem Jahr nachgewiesen werden, wenn Schlaf zeitnah auf die Enkodierung folgte. Abschließend werden die Ergebnisse in den Kontext aktueller Forschungsergebnisse eingeordnet und vor diesem Hintergrund diskutiert. Die vorliegende Studie zeigt Hinweise auf einen positiven Langzeiteffekt von Schlaf auf die Gist Abstraktion. Um die Rolle von Schlaf in diesem Zusammenhang besser zu verstehen, ist jedoch noch weitere Forschungsarbeit nötig.

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