Befragung zu Sicherheit und Kriminalität in Niedersachsen. Abschlussbericht zur ersten Befragung im Frühjahr 2013

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URI: http://hdl.handle.net/10900/83862
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-838628
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-25252
Dokumentart: Report (Bericht)
Date: 2015-08
Language: German
Faculty: Das kriminologische Repository des <a href="http://www.fidkrim.de">Fachinformationsdienstes Kriminologie</a> enthält forschungs- und fachrelevante Literatur mit dem Schwerpunkt auf "graue Literatur" (Berichte von Ministerien, amtliche Statistiken etc.). Alle Dokumente werden auch in der kriminologischen Literaturdatenbank <a href="https://krimdok.uni-tuebingen.de">KrimDok</a> nachgewiesen.
Department: Kriminologie
DDC Classifikation: 360 - Social problems and services; associations
Keywords: Kriminalitätsfurcht , Polizei , Niedersachsen
Other Keywords: Kriminalitätsbelastung
Dunkelfeld
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Inhaltszusammenfassung:

Zum ersten Mal liegt eine repräsentative Dunkelfeldstudie für das Land Niedersachsen vor. Das Niedersächsische Ministerium für Inneres und Sport beauftragte im September 2012 das Landeskriminalamt Niedersachsen mit einer Befragungsstudie der Allgemeinbevölkerung dieses Bundeslandes, die in Ergänzung zur Polizeilichen Kriminalstatistik die Sicherheitslage unter einer zweiten Perspektive erfassen und so ein kompletteres Bild als Grundlage für strategische Entscheidungen und kriminalpolitische Initiativen liefern soll. Im Rahmen dieser Untersuchung wurden die Bürgerinnen und Bürger zu folgenden Themen befragt: (a) eigenen Opfererfahrungen im Jahr 2012, (b) Anzeigeverhalten, (c) Sicherheitsgefühl und Kriminalitätsfurcht und (d) Erfahrungen mit und Bewertung der Polizei. Diese Themenbereiche sind ebenso wie die Erhebung soziodemografischer Daten auf eine periodische Erhebung im 2-Jahres Turnus angelegt. Zusätzlich wurden in einem fünften Fragenmodul Informationen zur (e) Erfahrung mit Gewalt in der Paarbeziehung erhoben. Dieser Abschnitt der Befragung ist als Querschnittsuntersuchung angelegt und nicht Gegenstand dieses Forschungsberichtes, sondern eigenständiger Publikationen (vgl. Landeskriminalamt Niedersachsen 2014). Die Bürgerinnen und Bürger wollen in einem sicheren Umfeld und frei von der Angst vor Straftaten leben. Die Schaffung eines möglichst hohen Maßes an öffentlicher Sicherheit ist Aufgabe des Staates und damit auch Aufgabe der Polizei. Über ihre Arbeit im Bereich der Strafverfolgung wird die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) seit 1953 im Bund und in den Ländern geführt, dabei seit vielen Jahren nach vergleichbaren Standards und Zählregeln. Damit erlaubt sie langfristige Aussagen und Analysen zu Fällen, Tatverdächtigen und begrenzt auch zu Opfern, was die PKS über die Jahre zu der maßgeblichen Quelle für die Bewertung der Sicherheitslage machte. Allerdings bildet sie nur die Gesamtheit der bei der Polizei bearbeiteten Straftaten ab, das Hellfeld. Delikte, die aus irgendeinem Grunde nicht zur Anzeige gelangen, werden nicht erfasst und verbleiben im sogenannten Dunkelfeld. Das Wissen über die Höhe des Dunkelfeldes ist jedoch flankierend zu detaillierten Aussagen aus der PKS notwendig, um eine ganzheitliche Bewertung der Sicherheitslage anzustellen. Denn stützten sich Lagebeurteilungen ausschließlich auf die PKS, muss unklar bleiben, ob Veränderungen tatsächlich auf ein Mehr oder Weniger an Kriminalität eine Aufhellung oder Erweiterung des Dunkelfeldes oder erhöhte oder reduzierte Anzeigequoten zurückzuführen sind. Somit sollten für aussagekräftige Informationen über das Kriminalitätsaufkommen und damit über die Sicherheitslage Daten über das Dunkelfeld vorliegen und einbezogen werden (vgl. auch Landeskriminalamt Nordrhein- Westfalen 2006). Neben der objektiven Kriminalitätslage ist von kriminalpolitischer Bedeutung wie die Kriminalitätslage subjektiv bewertet wird, also in welchem Ausmaß sich die Bevölkerung durch Kriminalität bedroht fühlt – Kriminalitätsfurcht zeigt. Denn nicht nur die tatsächliche Schädigung, sondern auch das Gefühl geschädigt werden zu können, kann weitreichende individuelle Folgen haben, z.B. durch eine geringere Beteiligung am öffentlichen Leben oder durch das Meiden bestimmter Straßen und Plätze. Darüber hinaus hat Kriminalitätsfurcht gesellschaftliche Folgen, nicht nur weil „sie das Vertrauen der Bevölkerung in die Durchsetzungskraft des Rechtsstaats herabsetzen kann“ (Schwind et al. 2001: 216; vgl. auch Thome / Birkel 2007: 145ff.). Deshalb wurde das Ausmaß von Kriminalitätsfurcht in Niedersachsen erhoben, um eine Datengrundlage für gezielte Maßnahmen zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung bzw. bei bestimmten Bevölkerungsgruppe zu haben (vgl. z.B. Bundesministerium des Inneren 2006: 486ff.). Kriminalitätsfurcht ist ein subjektiver Indikator der inneren Sicherheit, der in kriminalpolitische und kriminalstrategische Überlegungen einbezogen werden muss. Die Arbeit der Polizei muss sich somit nicht nur an der Sicherheitslage, sondern auch am Sicherheitsgefühl orientieren. Kriminalitätsfurcht gilt deshalb als ein Indikator für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie die Bürgerorientierung der Polizei (Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen 2006: 1). Die Rolle und Akzeptanz der Polizei als die das staatliche Gewaltmonopol sichernde Instanz setzt voraus, dass ihr Handeln von den Bürgerinnen und Bürgern als legitim und wirksam erachtet wird. In der Bewertung der Polizei kommt dies zum Ausdruck (Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen 2006: 1). Auch eröffnet sich für die Polizei mit der Befragung die Möglichkeit der Selbstreflektion anhand der Rückmeldungen über Verhaltensweisen und Verfahren und bietet vom Einzelfall unabhängige Hinweise auf Handlungsbedarf.

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