Morbus Behcet und Sexuelle Dysfunktion – Gibt es Unterschiede bezüglich der Herkunft von Patienten? Die BESD-Studie

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URI: http://hdl.handle.net/10900/83034
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-830343
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-24425
Dokumentart: Dissertation
Date: 2018-07-13
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Henes, Jörg (PD Dr.)
Day of Oral Examination: 2017-12-07
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Depression , Psychosexuelle Störung , Behçet-Syndrom
Other Keywords: Morbus Behcet
Sexuelle Dysfunktion
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Inhaltszusammenfassung:

Unsere Studie diente primär zur Bestimmung der Prävalenz der SD und sekundär zur Erfassung epidemiologischer Daten zu Depressionen und klinischen Symptomen des MB aus einem Patientenkollektiv von 106 MB Patienten. Jeweils 50% der Patienten stammten aus den Mittelmeeranrainerstaaten oder waren kaukasischer Herkunft und hatten ein Durchschnittsalter von 40,5 Lebensjahren. Das Verhältnis von Frauen zu Männern lag bei 56,6% vs. 43,4%. Die Patienten wurden mithilfe der standardisierten Fragebögen FSFI und IIEF zur SD und mit Hilfe des BDI zu Depressionen befragt. Des weiteren wurde mit einem selbstentworfenen Fragebogen Items über Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildungsstand, eventuelle Schwangerschaften und vorhandene Kinder, Rauchgewohnheiten sowie Auswirkungen des Sexualverhaltens auf den Verlauf der Krankheit innerhalb der letzten 6 Monate erfragt. Da der IIEF für Männer keine Schmerzdomäne berücksichtigt, wurde diese in diesem Fragebogen zusätzlich mit einbezogen. Eine SD fand sich bei 24,5% der MB Patienten unserer Studie. Als Grund für fehlenden GV gaben 36,4% der Teilnehmer (n = 20) Beschwerden im Rahmen des MB an. Männer litten in unserer Studie zu 6,9% an einer SD, wobei hier 51,7% eine isolierte Erektionsstörung aufwiesen. Frauen zeigten insgesamt mit 50% signifikant häufiger eine SD als Männer (p < 0.001), wobei Mittelmeeranrainerinnen signifikant häufiger an einer SD litten als Kaukasierinnen (75% vs. 33,3%; p = 0.024). Aus unseren Daten konnten wir schließen, dass Depressionen mit 34,5% Prävalenz bei MB Patienten häufiger als in der Normalbevölkerung vorkommen. Unsere Beobachtungen zeigen außerdem, dass Mittelmeeranrainer mit 50% signifikant häufiger Zeichen einer Depression aufweisen, sowohl als Kaukasier in der Vergleichsgruppe, als auch Mittelmeeranrainer der Normalbevölkerung. Die Prävalenz einer SD bei Männern unserer Studie (6,9%) war im Vergleich zur Literatur plausibel, jedoch im Gegensatz zu anderen chronischen Erkrankungen bei MB Patienten nicht erhöht. Der Anteil der Männer, die eine eingeschränkte Fähigkeit haben eine Erektion zu bekommen oder Aufrecht zu erhalten, lag bei den MB Patienten jedoch deutlich höher als in der Normalbevölkerung. Dies deutete daraufhin, dass der MB auch einen negativen Einfluss auf die Erektionsfähigkeit und damit die körperliche Seite der Sexualfunktion hat. Insgesamt schien die SD bei MB Patientinnen häufiger vorzukommen als bei Frauen der Normalbevölkerung, jedoch ähnlich häufig oder seltener als bei Patientinnen mit anderen chronischen Erkrankungen (Krebs, Diabetes). Im Vergleich zu anderen rheumatologischen Erkrankungen wie Lupus erythematodes oder Antiphospholpid-Syndrom war eine SD bei MB Patientinnen insgesamt jedoch sehr viel häufiger. Die von uns gefundene Prävalenz der Depression bei MB Patienten (34,5%) lag deutlich über der Lebenszeitprävalenz, der 12-Monats-Prävalenz und der Punktprävalenz der Normalbevölkerung. Damit scheint der MB einen negativen Einfluss auf den psychischen Status der Betroffenen zu haben. Zusammengenommen weisen unsere Ergebnisse bezüglich Depressionen und der SD bei MB darauf hin, dass sich beide Symptomkomplexe in ihrer Schwere gegenseitig verstärken und synergistisch einen negativen Einfluss auf den Verlauf des MB ausüben. Sowohl Depressionen als auch sexuelle Dysfunktion stellen ein allgegenwärtiges Problem bei MB Patienten dar. Diesen Problemen sollte im Zuge der ärztlichen Behandlung frühestmöglich Sorge getragen werden, um eine adäquate Behandlung zu ermöglichen. Weiterhin soll diese Arbeit einen Beitrag zu einer erhöhten Sensibilität und Offenheit für die Themen Depression und Sexuelle Dysfunktion im Zuge chronischer Erkrankungen bei Patienten, Ärzten und in der öffentlichen Diskussion leisten. In diesem Sinne wäre weitere Forschungsarbeit notwendig und wünschenswert.

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