Funktionelles Outcome nach radikaler Prostatektomie: Vergleich des retropubischen mit dem transurethralen Zugang bei Patienten über 70 Jahren mit Prostatakarzinom; eine retrospektive Studie

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URI: http://hdl.handle.net/10900/82923
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-829231
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-24314
Dokumentart: Dissertation
Date: 2018-07-02
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Schwentner, Christian (Prof. Dr. med.)
Day of Oral Examination: 2018-05-15
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Prostatakrebs , Kontinenz
Other Keywords: Urologie
Prostatakarzinom
TURPC
TURP
Potenz
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Das Prostatakarzinom (PCa) ist in Deutschland die häufigste maligne Tumorentität des Mannes und seine dritthäufigste Krebstodesursache. Die radikale retropubische Prostatektomie (RRP) gilt als kurativer Goldstandard bei organbegrenzten Karzinomen, verfehlt aber trotz Evolution der chirurgischen Techniken häufig die funktionellen Zielkriterien, nämlich Erhalt von Urinkontinenz und von erektiler Funktion. Hieraus resultiert eine starke und langanhaltende Beeinträchtigung der Lebensqualität. Deutlich seltener findet man diese Komplikationen nach der transurethralen Resektion der Prostata (TURP). Eine methodische Verwandte, die radikale transurethrale Prostatektomie bei PCa (TURPC), wird nur an wenigen Kliniken und darüber hinaus wenig evaluiert angewendet. Ein Kollektiv von 360 Männern, die sich zwischen 2002 und 2008 einer RRP (Urologische Klinik des Universitätsklinikums Tübingen) bzw. einer TURPC (Reuter-Klinik, Stuttgart) unterzogen und zum Operationszeitpunkt mindestens 70 Jahre alt waren, wurde retrospektiv untersucht. Primäre Endpunkte waren das Auftreten von postoperativer Urininkontinenz und erektiler Dysfunktion sowie Zufriedenheit mit dem OP-Ergebnis nach wenigstens fünfjährigem Follow-Up. Auch intra- und postoperative Parameter wurden verglichen. Datenakquise erfolgte durch Recherche in Klinikarchiven und bei niedergelassenen Urologen, Telefonate mit den Patienten und postalische Zusendung eines Fragebogens. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 81 Monaten. Das Alter der Patienten bei OP unterschied sich hochsignifikant (Median 71 bzw. 73 Jahre, RRP bzw. TURPC). Bezüglich BMI, präoperativem PSA-Level, bioptischem Gleason-Score und ASA-Status waren die Kollektive vergleichbar. Während bei beiden Gruppen meist T2 gestaged wurde, fanden sich T1-Karzinome ausschließlich im TURPC-Kollektiv, bei vergleichbarem N/M/R-Status. Die TURPC-Resektate wiesen signifikant höhere Gleason-Scores auf, die medianen Werte waren identisch. Etwa in der Hälfte der RRPs konnte bilateral nervenschonend operiert werden. Lymphadenektomien (LAE) wurden deutlich häufiger i.R. einer RRP durchgeführt; im Falle einer LAE war die Anzahl entnommener Lymphknoten vergleichbar. Trotz präoperativ vergleichbarer Prostatavolumina waren die TURPC-Resektate leichter - vermutlich wurde weniger Gewebe reseziert. Die favorisierten Narkosearten waren Intubationsnarkose bei RRP und Spinalanästhesie bei TURPC. Die Liegedauer (inkl. Re-OPs) nach war nach TURPC länger, die Prozedur an sich kürzer. Im Rahmen der TURPC sanken die Hb-Werte der Probanden weniger, Bluttransfusionen wurden seltener gegeben. Hinsichtlich Clavien-Klassifikationen wies die TURPC hochsignifikant mehr Grad-0-, aber auch mehr Grad-3-Verläufe auf (72,5% wurden mind. einmal reoperiert). Im Gegensatz zur RRP wurden keine Lymphozelen nach TURPC beobachtet, ebenso kein TUR-Syndrom. Die TURPC wies trotz älterer Patienten eine um ca. 20% geringere Urininkontinenz-(UI)-Rate auf (p = 0,0589) und eine ebenso stark reduzierte Notwendigkeit von Sicherheitsvorlagen (p = 0,0133). Im Falle einer UI verloren beide Gruppen in vier von fünf Fällen geringe Mengen, was zu sehr geringer Beeinträchtigung des Lebens führte, mit leichten Vorteilen der TURPC (p = 0,0680). Der ICIQ-UI-SF-Score betrug im Median 5 (RRP, Range 0-20) bzw. 3 (TURPC, Range 0-21) Punkte (p = 0,0460). Seitens erektiler Funktion ergab sich nicht ein signifikanter Unterschied zwischen den Verfahren. Postoperativ konnten etwa drei von vier Patienten keine Erektion erzielen und halten, was auch die Zuversicht auf Erektionen sehr gering hielt. Die Angaben zur sexuellen Aktivität schwankten stark. Die Erektionen waren meist insuffizient für Geschlechtsverkehr, wodurch dieser - mit Ausnahmen - selten befriedigend war. Der IIEF-5-Score lag bei beiden Verfahren im Median bei 2 (1-25) Punkten (p = 0,5372). Trotzdem zeigten sich beide Kollektive sehr zufrieden mit ihrem OP-Ergebnis. Zusammenfassend scheint die TURPC in funktioneller Hinsicht eine Alternative zur RRP darzustellen, ohne sich der TURP anzugleichen. Hinsichtlich Kontinenz könnten sogar Vorteile der TURPC postuliert werden. Diese Erkenntnis bedarf unbedingt der Validierung durch prospektive Studien mit Kontrollgruppe, auch um das onkologische Outcome besser beurteilen zu können - eine weitere wichtige Grundlage für eine mündige Entscheidung zwischen den Verfahren.

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