ÖGD-Initiative im Landkreis Reutlingen zum Impfen und zur medizinischen Versorgung von Flüchtlingen

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URI: http://hdl.handle.net/10900/82112
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-821126
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-23503
Dokumentart: Dissertation
Date: 2018-06
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Eichner, Martin (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2018-04-05
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Flüchtling , Gesundheit , Impfschutz , Versorgung , Asyl , Versorgungskonzept , Reutlingen , Gesundheitsamt , Öffentliches Gesundheitswesen
Other Keywords: Vorläufige Unterbringung
refugee
asylum seeker
vaccination
medical care
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund: Im Jahr 2015 kamen mehr als 400.000 Flüchtlinge nach Deutschland, um einen Antrag auf Asyl zu stellen. Für die Behörden ergaben sich bei der Aufnahme der Asylsuchenden große Herausforderungen. Um Masernausbrüche in Gemeinschafts-unterkünften zu verhindern, empfiehlt das Robert Koch Institut die frühzeitige Impfung von Asylsuchenden nach Ankunft in Deutschland. Weil es im Jahr 2015 noch kein ein-heitliches Vorgehen bei der medizinischen Versorgung von Asylsuchenden gab, entwi-ckelte das Kreisgesundheitsamt Reutlingen ein Versorgungskonzept für Asylsuchende in der vorläufigen Unterbringung des Landkreises. Ziel war es dabei, die Versorgung mit Impfungen zu verbessern und die Eingliederung der Asylsuchenden in die Regel-versorgung durch niedergelassene Ärzte zu erleichtern. Diese Arbeit soll einen Beitrag zur mäßigen Datenlage über die medizinische Versorgung von Asylsuchenden in Deutschland leisten. Dabei wurde untersucht, wie stark die Asylsuchenden von der Einführung des Versorgungskonzeptes profitierten und ob es einzelne Gruppen gab, die noch nicht genügend erreicht wurden. Material und Methoden: Für alle Asylsuchenden, die im Jahr 2015 in der vorläufigen Unterbringung des Landkreises Reutlingen registriert waren, wurden anhand von Ab-rechnungsscheinen alle Impfungen ermittelt, die im Laufe des Jahres erfolgten. Es wurde unterschieden, ob Impfungen im Rahmen des Impfkonzeptes oder davon unab-hängig von niedergelassenen Ärzten durchgeführt wurden. Aus der KVBW-Leistungsabrechnung, die dem Landratsamt Reutlingen alle Kosten für Arztbesuche von Asylsuchenden in der vorläufigen Unterbringung bei niedergelasse-nen Ärzten in Rechnung stellt, wurden für jeden Asylsuchenden die Arztbesuche im Jahr 2015 ermittelt. Ergebnisse: Über 90 % der getätigten Impfungen erfolgten im Rahmen des Impfkon-zeptes. Bei Asylsuchenden in Gemeinschaftsunterkünften, die bereits in das Konzept eingebunden waren, erreichte man deutlich höhere Impfraten als bei allen anderen. Es zeigte sich, dass bei einem ständig wachsenden Kollektiv eine Vielzahl von Impfungen erforderlich ist, um hohe Impfraten zu erreichen. Bei Kleinkindern unter sechs Jahren bestanden die größten Defizite. Unabhängig von Alter und Geschlecht gingen Asylsuchende im Mittel seltener zum Arzt als die deutsche Bevölkerung (6,5 vs. 8,7 Arztbesuche/Jahr). Dies fiel am stärks-ten bei Kindern und Jugendlichen von 7 bis 14 Jahren, sowie Männern und Frauen zwi-schen 40 und 49 Jahren auf. Über 60% der Arztbesuche erfolgten bei Allgemeinmedi-zinern, Gynäkologen und Pädiatern. Die Anfahrtswege für Arztbesuche von Asylsu-chenden unterschieden sich für verschiedene Gemeinden teils stark. In der Gemein-schaftsunterkunft, die im Rahmen des Versorgungskonzeptes von einer Ärztin betreut wurde, erfolgten mehr Arztbesuche als in allen anderen Einrichtungen, wohingegen in der Unterkunft, die von einer Gesundheitsfachkraft versorgt wurde, am wenigsten Arztbesuche beobachtet wurden. Schlussfolgerung: Projekte wie das im Jahr 2015 eingeführte Versorgungskonzept im Landkreis Reutlingen können die medizinische Versorgung von Asylsuchenden verbes-sern. Will man eine Vielzahl von Asylsuchenden mit Impfungen versorgen erscheint es sinnvoll die Regelversorgung durch ergänzende Maßnahmen wie das Impfkonzept zu unterstützten. Die niedrige Anzahl von Arztbesuchen bei Asylsuchenden könnte auf eine Unterversorgung hindeuten. Besonders Kinder und Kleinkinder wurden im Jahr 2015 noch nicht ausreichend vom Versorgungskonzept erreicht. Neue Ansätze wie die Sprechstunden durch Gesundheitsfachkräfte in Gemeinschaftsunterkünften können dazu beitragen, Asylsuchende effektiver in die Regelversorgung einzugliedern.

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