Retrospektive Analyse der chirurgischen Behandlungsergebnisse von Unterschenkelpseudarthrosen: Besondere Berücksichtigung der Lebensqualität und Behandlungsdauer

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URI: http://hdl.handle.net/10900/78520
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-785200
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-19918
Dokumentart: Dissertation
Date: 2017
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Ateschrang, Atesch (PD Dr.)
Day of Oral Examination: 2017-10-09
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Schienbein , Unterschenkel , Pseudarthrose
Other Keywords:
Tibia
Pseudarthrosis
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Mit Hilfe der Operationsbücher aus den Jahren 1996 bis 2005 der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Tübingen wurden 63 Patienten in diese Studie eingeschlossen, welche eine posttraumatische Pseudarthrose entwickelten. Davon waren 50 (79,4%) männlich und 13 (20,6%) weiblich. Das Durchschnittsalter betrug zum Zeitpunkt des Unfalls 38,3 Jahre, der letzten operativen Maßnahme 39,2 Jahre und zum Zeitpunkt der Nachuntersuchung 44,4 Jahre. Diese 63 Patienten wurden in folgende 7 Gruppen gemäß der zur Ausheilung führenden operativen Maßnahme unterteilt: Gruppe 1: additive Kompressionsplattenosteosynthese Gruppe 2: Fibula-pro-Tibia-Operation Gruppe 3: singuläre Plattenosteosynthese Gruppe 4: Aufgebohrte Austausch-/Marknagelung Gruppe 5: Segmenttransport Gruppe 6: Kompressionsosteosynthese mittels Charnley-Fixateur Gruppe 7: Konservativ mit Zuwarten Die Gruppen 4-7 wurden im Rahmen der statistischen Auswertung teilweise zusammengefasst. Die Auswertung erfolgte nach 3 Hauptkriterien: Heilungszeit, Bewegungseinschränkung und Lebensqualität. Das Ziel der Studie lag in der Untersuchung einzelner Parameter in Bezug auf die oben genannten 3 Hauptkriterien. Die Parameter beinhalteten die Abhängigkeit von der Operationsart, dem Alter zum Unfallzeitpunkt, dem Geschlecht, dem Risikofaktor „Rauchen“, Fraktur-Schwere, der Lokalisation, der Pseudarthrosenentität und der Erfahrung des Operateurs sowie der Operationszeit. Signifikante Zusammenhänge bzw. Risikofaktoren sollten identifiziert werden. Dies erfolgte durch Analyse der Nachuntersuchungsergebnisse unter Verwendung der Scores und Fragebögen sowie der gesamten ärztlichen Dokumentation und radiologischen Verlaufskontrollen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigten einerseits ein erfreuliches Resultat in Bezug auf die knöcherne Heilung der Pseudarthrosen, andererseits zeigten die Ergebnisse einen relevanten Verbesserungsbedarf. So konnte bei jedem der untersuchten Patienten eine knöcherne Ausheilung der Tibiaschaftpseudarthrose erzielt werden. Die ursprüngliche Schwere der Fraktur korrelierte dabei mit dem Behandlungsergebnis. Die jeweiligen Behandlungsmethoden zeigten allenfalls geringe Unterschiede. Signifikant war hauptsächlich die Frage nach der Art der Pseudarthrose. Hypertrophe Pseudarthrosen zeigten dabei einen signifikanten Prognose-Vorteil in Bezug auf die Ausheilung gegenüber atrophen Pseudarthrosen. Kein relevanter Unterschied in der Heilungszeit ergab sich im Hinblick auf die Erfahrung des Operateurs oder die Operationsdauer. Der subjektive Gesundheitszustand wurde von 23 Patienten (45%) mit über 80% angegeben, von 32 (63%) mit über 70%. Der Merchant und Dietz Score zeigte jedoch bei 18 Patienten (35%) ein schlechtes Ergebnis von unter 70%. Dies zeigte, dass die Patienten zwar einerseits zufrieden mit ihrem Gesundheitszustand waren, aber andererseits noch teils erhebliche Alltagsprobleme bzw. objektive Einschränkungen haben. Gleichzeitig ergab die Auswertung eine zum Teil deutlich verbliebene Bewegungseinschränkung des oberen Sprunggelenks. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Behandlungsergebnisse von Pseudarthrosen insbesondere in 2 Punkten verbessert werden müssen. Zum einen könnte in Zukunft bei der Wahl und Entwicklung von Behandlungsmethoden noch mehr Rücksicht auf die Entität der Pseudarthrose (atroph/hypertroph) genommen werden. Zum anderen scheint die Bewegungseinschränkung insbesondere im oberen Sprunggelenk entscheidend für eine schnellere und ein qualitativ besseres Rehabilitationsergebnis zu sein. Zukünftige Behandlungskonzepte sollten die Gelenkfunktionen daher schon früh besonders berücksichtigen. Die sozioökonomische Bedeutung der Tibiaschaftpseudarthrose stellt weiterhin eine besondere Herausforderung an die Unfallchirurgie und die fachübergreifenden Disziplinen dar.

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