"Nationaler Reichtum allerersten Ranges" oder Umweltverschmutzer Nr. 1? Braunkohle in der DDR

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URI: http://hdl.handle.net/10900/77679
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-776794
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-19080
Dokumentart: Bachelor Thesis
Date: 2014-09
Language: German
Faculty: 5 Philosophische Fakultät
Department: Geschichte
DDC Classifikation: 333.7 - Natural resources and energy
943 - Central Europe; Germany
Keywords: Deutschland <DDR> , Ökologie , Energiepolitik , Braunkohle , Ruhr-Universität Bochum / Historisches Institut / Umweltgeschichte , Umwelt
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Inhaltszusammenfassung:

Gegenstand der Arbeit ist die politische Ökologie der Braunkohleindustrie der DDR und die mit ihr eng verbundenen Energiewirtschaft. Im ersten Teil werden die energiepolitischen Entwicklungen untersucht um herauszustellen, dass es der DDR in den vierzig Jahren ihres Bestehens nicht gelang, eine ernsthafte Alternative zur Braunkohle zu finden. Die Verantwortlichen waren sich der durch diesen schmutzigen Energieträger verursachten hohen Umweltbelastungen durchaus bewusst , die prekäre wirtschaftliche und politische Lage der DDR stand der Substitution fester Brennstoffe aber entgegen und verhinderte damit eine technische Weiterentwicklung der Energieerzeugung. Im Mittelpunkt des zweiten Teils steht die Braunkohleindustrie. Sie verschlang mit ihrem ausgreifenden Tagebau ganze Landstriche und ließ „Mondlandschaften“ entstehen. Auch wenn die damit verbundene Abraumproblematik immer wieder thematisiert wurde, verzichtete die SED-Führung auf eine umweltverträgliche Nachnutzung. Stattdessen verfüllte sie die gigantischen Gruben sowohl mit den anfallenden Boden- und Gesteinsschichten als auch mit schadstoffhaltigen Industrieabfälle und westeuropäischem Müll, um so dringend benötigte Devisengewinnen zu erzielen. In diesem zweiten Kapitel vergleicht der Verfasser die Entwicklungen in der DDR mit den Prozessen in anderen osteuropäischen Ländern. Darüber hinaus geht er auf die Diskussionen, Beschlüsse und Mechanismen des Rats für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) ein, der sich bemühte, die sozialistischen Volkswirtschaften besser miteinander zu koordinieren und gemeinsame Umweltprogramme auf den Weg zu bringen. Diese komparativen und transnationalen Zugänge erweitern nicht nur den Untersuchungshorizont, sondern ermöglichen es auch, die Entwicklungen in der DDR (und die auch im blockinternen Vergleich höchsten Schadstoffemissionen) stärker zu profilieren. Im letzten Kapitel stehen die Entwicklung nach der Wiedervereinigung im Mittelpunkt der Betrachtung: nur durch durch aufwendige Rekultivierungsmaßnahmen und neue ökonomische Nutzungen gelang es, die vom Tagebau zerstörten Regionen neu zu beleben. Insbesondere die Seenlandschaft um Leipzig und in der Lausitz zeigen, dass sich in den von Tagebau geprägten Landschaften sowohl durch touristische Attraktionen als auch durch besonders geförderte Gewerbeparks neue Arbeitsplätze schaffen lassen. Das vormals „Schwarze Dreieck“, das sich vom Süden der DDR aus mit seiner „dicken Luft“ länderübergreifend ausgebreitet hatte, ist im deutsch-tschechisch-polnische Dreiländereck längst Geschichte. Einige Optimisten sprechen sogar von einem „Grünen Dreieck“, weil hier in vorbildlicher Weise zu beobachten ist, dass „Mondlandschaften“ wieder in attraktive, ökologisch nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsräume transformiert werden können. Dieser Befund hat große politische Relevanz, weil auch heute in Deutschland weiter um die Bewertung von Nutzen und Schaden der Braunkohlegewinnung gerungen wird. Die Ausführungen unterstreichen aber immer wieder – ungeachtet vereinzelter guter Absichten – das mangelnde umweltpolitische Engagement des SED-Politbüros. Dessen Mitglieder ignorierten die eindringlichen Warnungen der Experten, Umweltbelange als ernsthafte Anliegen endlich mit der notwendigen Handlungsentschlossenheit anzugehen. Es wird deshalb darauf hingewiesen, dass die Protestbewegung gegen das SED-Regime sicher nicht ohne Grund im besonders von der „dicken Luft“ betroffenen Leipzig begann. Der Verfasser hält einen Zusammenhang zwischen der zugespitzten ökologischen Lage in der DDR und ihrem Ende durchaus für denkbar.

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