Epilepsien mit generalisierten Anfällen im Kindes- und Jugendalter: Phänotypisierung und Komorbiditäten

DSpace Repository


Dateien:

URI: http://hdl.handle.net/10900/76889
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-768898
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-18291
Dokumentart: Dissertation
Date: 2017
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Krägeloh-Mann, Ingeborg (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2017-06-20
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Epilepsie , Ionenkanal , Krampfanfall
Other Keywords: idiopathisch generalisierte Epilepsie
ILAE-Klassifikation
Krampfanfälle
Ionenkanalerkrankungen
genetische Epilepsie
Phänotypisierung
License: Publishing license including print on demand
Order a printed copy: Print-on-Demand
Show full item record

Inhaltszusammenfassung:

Die idiopathisch generalisierten Epilepsien haben einen vorwiegend genetischen Hintergrund. Inzwischen sind mehrere Einzelgene identifiziert worden, die pathogenetisch Funktionsstörungen in neuronalen Ionenkanälen bewirken. Ionenkanalstörungen verursachen ihrerseits Störungen des ZNS und der Muskulatur, die mit unterschiedlichen klinischen – auch nicht-epileptischen – Symptomen einhergehen. Zum einen ist die genaue Phänotypisierung der Epilepsien mit Zuordnung zu einem definierten klinischen Syndrom, zum anderen das Erkennen weiterer Komorbiditäten, die auf Ionenkanalstörungen hinweisen können, für die Diagnose und das Verständnis der Genotyp-Phänotyp-Korrelation von großer Bedeutung. Die vorliegende Arbeit hat daher zum Ziel, die idiopathisch generalisierten Epilepsien des Kindes- und Jugendalters phänotypisch beziehungsweise syndromatologisch möglichst exakt zu klassifizieren. Dies ist wichtig zur besseren Planung der Therapie sowie zur Prognoseabschätzung und war im Rahmen des Gesamtkontextes der Studie bedeutsam als Grundlage für die Genotypisierung. Die Genotypisierung ist nur auf der Basis gut definierter Phänotypen sinnvoll. Weitere Hinweise auf mögliche genetische Ursachen der Epilepsien kann die Analyse von Komorbiditäten geben, die den Epilepsien pathophysiologisch ähnlich sind, wie zum Beispiel Ionenkanalerkrankungen oder Störungen des Glucose-Transports ins ZNS. In die vorliegende Studie eingeschlossen wurden Kinder und Jugendliche mit idiopathisch generalisierten Epilepsien, die in den Jahren 2009 und 2010 an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Tübingen in Behandlung waren. 172 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien, 132 Patienten nahmen an der Studie teil. Anhand standardisierter Fragebögen wurden Daten zur Epilepsie, der medikamentösen Therapie, der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie der Eigen- und Familienanamnese in Bezug auf verschiedene Kanalopathien aus Akten, EEGs und Patientenbefragungen erhoben. Zudem wurden DNA-Proben der Patienten gesammelt; diese Proben werden in einer separaten Studie ausgewertet. In dieser Studie waren 58 % der Epilepsien mit Hilfe der aktuellen ILAE Klassifikation phänotypisch klassifizierbar. Durch Einbeziehung weiterer, bislang nicht in der Klassifikation berücksichtigter Syndrome (frühkindliche Absence-Epilepsie, frühkindliche Grand mal Epilepsie sowie Syndrom der Lidmyoklonien mit Absencen) konnten weitere 32 % der Epilepsien klassifiziert werden, so dass lediglich 10 % der Epilepsien keinem Syndrom eindeutig zuzuordnen waren. Die drei zusätzlichen Epilepsiesyndrome unterscheiden sich phänotypisch eindeutig von den anderen Epilepsien und sollten daher in der klinischen Diagnostik und Therapie berücksichtigt werden. Die systematische Erhebung von – den Epilepsien pathophysiologisch verwandten – anderen paroxysmalen Störungen ergab in Einzelfällen auffällige Befunde, die auf gemeinsame Ursachen hinwiesen, wie zum Beispiel das Vorhandensein von Absencen sowie paroxysmalen Dyskinesien in einer Familie, bei der schließlich eine GLUT1-Defizienz genetisch diagnostiziert wurde. Die vorliegende Arbeit gibt Hinweise darauf, dass der exakten Phänotypisierung der Epilepsien sowie die gezielte Suche nach Komorbiditäten bei den Patienten und deren Familien in diagnostischer und therapeutischer Hinsicht eine große Bedeutung zukommt.

This item appears in the following Collection(s)