Psychosomatik in der dermatologischen Onkologie: über die Relevanz des subjektiven psychoonkologischen Behandlungsbedarfs in der psychosomatischen Medizin

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URI: http://hdl.handle.net/10900/74105
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-741059
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-15511
Dokumentart: Dissertation
Date: 2017
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Teufel, Martin (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2017-01-10
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Psychosomatik , Psychoonkologie , Subjektivität , Dermatologie
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Die Ursprünge des Faches Psychosomatik reichen bis in die Antike. Subjektivität ist ein Bereich der Philosophie. Daher kann im psychosomatischen Kontext Subjektivität nicht losgelöst davon betrachtet werden. Die Psychoonkologie als Arbeitsgebiet der Psychosomatik beschäftigt sich mit den psychischen Komorbiditäten von Krebspatienten. Das Maligne Melanom ist als häufige Tumorentität von klinischer Relevanz, jedoch ist die Datenlage zur Psychoonkologie in der Dermatologie noch spärlich. Die Methoden der Studie waren das elektronische psychoonkologische Screening (ePOS), die einzelnen Screening-Fragebögen (HADS, HSI, DT), sowie die statistischen Analysen. Die psychoonkologischen Daten wurden mit dem Krebsregister zusammengeführt. Eine binär-logistische Regressionsanalyse wurde berechnet. Der Fokus der weiteren Analysen lag auf der Betrachtung des subjektiven psychoonkologischen Behandlungsbedarfs. Diese Arbeit hatte zum Ziel: (i) die explorative Untersuchung der Daten zur Ermittlung eines psychoonkologischen Behandlungsbedarfs bei Patienten in der ambulanten Melanomnachsorge anhand der eingesetzten Screening-Instrumente, (ii) die Untersuchung des subjektiven psychoonkologischen Behandlungsbedarfs, und (iii) die Ermittlung von Vulnerabilitätsfaktoren für einen psychoonkologischen Behandlungsbedarf bei Patienten mit Malignem Melanom. Resultate waren: (i) Bei rund 1/3 der Patienten war laut DT eine psychoonkologische Behandlung indiziert. Über 70% der Patienten litten an körperlichen Problemen. Knapp 30% der Patienten zeigten Angst (HADS-A) und 20% zeigten eine Depression (HADS-D). (ii) Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass Patienten mit einem subjektiven psychoonkologischen Behandlungsbedarf in jedem Screening-Instrument signifikant höhere Werte aufwiesen. Zwischen der Höhe der Screening- Werte und dem subjektiven Bedarf bestand eine moderate Korrelation. 
 (iii) Folgende Variablen zeigten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen psychoonkologischen Behandlungsbedarf: der subjektive Bedarf, ein Tumorprogress von Stadium I/II nach IV, Patienten mit einem PPP- Treatment und ein weibliches Geschlecht. Eine verringerte Wahrscheinlichkeit für einen psychoonkologischen Behandlungsbedarf zeigten die Variablen: zunehmendes Alter und zunehmende Krankheitsdauer, sowie Tumorprogress von Stadium III nach 
IV. 
 Die Hälfte der Patienten wies emotionale Probleme auf laut der Problemliste des Distress-Thermometers. Der subjektive psychoonkologische Behandlungsbedarf zeigte sich sowohl vom objektiv-statistischen Standpunkt, als auch vom subjektiv-philosophischen Standpunkt her als einflussreiche Variable. Vorliegende Ergebnisse weisen darauf hin, dass noch weitere Forschung notwendig ist, um ein Screening-Instrument für die Ermittlung eines psychoonkologischen Behandlungsbedarfs zu entwickeln, bei dem auch der subjektive psychoonkologische Behandlungsbedarf eine Rolle spielt. Darüber hinaus wurde in vorliegender Arbeit deutlich, wie breit das Fach Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aufgestellt ist. Vielleicht wird auch in Zukunft die Forschungswelt der psychosomatischen Medizin den revolutionären Errungenschaften Viktor von Weizsäckers Einzug gewähren, und dem Subjekt in der Medizin weiterhin Rechnung tragen. Durch die komplementäre Betrachtungsweise von Objektivität und Subjektivität kann der Mensch als Ganzes erfasst werden.

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