Sensorbasierte Ganganalyse bei Parkinsonpatienten mit Mutation im Glukozerebrosidase Gen

DSpace Repository


Dateien:

URI: http://hdl.handle.net/10900/71540
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-715404
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-12952
Dokumentart: Dissertation
Date: 2016
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Maetzler, Walter (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2016-07-07
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Gangstörung , Parkinson-Krankheit
License: Publishing license excluding print on demand
Show full item record

Inhaltszusammenfassung:

Das Parkinson-Syndrom ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Aufgrund der höheren Lebenserwartung ist in Zukunft mit einer erhöhten Prävalenz zu rechnen (Lees, Hardy et al. 2009). Neben dem Alter gibt es weitere Risikofaktoren für die Entstehung eines Parkinson-Syndroms, wie Mutationen in bestimmten Genabschnitten (Brockmann and Berg 2014). In dieser Arbeit wurden Patienten mit dem häufigsten genetischen Risikofaktor, i.e. einer Mutation im GBA-Gen, untersucht. GBA Parkinson-Patienten weisen, neben einem jüngeren Erkrankungsalter, vermehrt kognitive Defizite und nicht-motorische Symptome, wie Depression und autonome Dysfunktion auf (Neumann, Bras et al. 2009, Brockmann, Srulijes et al. 2011, McNeill, Duran et al. 2012, Sidransky and Lopez 2012). Beim Parkinson-Syndrom werden erste motorische Symptome ( z.B. Tremor) erst bei einem dopaminergen Zellverlust von etwa 60-80 % deutlich (Langston 1990). Im Krankheitsverlauf wird vermehrt auch eine Gangstörung deutlich, die in sogenannten Dual Task-Situationen, d.h. wenn 2 Aufgaben zur gleichen Zeit (z.B. Gehen und gleichzeitig subtrahieren) durchgeführt werden sollen, zunimmt (Yogev, Plotnik et al. 2007, Plotnik, Giladi et al. 2009, Mirelman, Gurevich et al. 2011, Panyakaew and Bhidayasiri 2013, Yogev-Seligmann, Giladi et al. 2013). Der Gang und vor allem das Verhalten in solchen Situationen sind gekoppelt mit kognitiven Fähigkeiten, insbesondere den Exekutivfunktionen und Aufmerksamkeitsleistungen (Yogev-Seligmann, Hausdorff et al. 2008). Diese Exekutivfunktionen sind essentiell, um in Dual Task-Situationen eine der beiden Aufgaben priorisieren zu können. In der Regel erfolgt dies nach dem Prinzip: maximale Sicherheit und maximales Vergnügen (Williams 2006). Die Exekutivfunktionen nehmen mit dem Alter und durch pathologische Prozesse ab (Yogev-Seligmann, Hausdorff et al. 2008). Anatomisch assoziiert sind sie vor allem mit dem präfrontalen Kortex, jedoch sind weitere Gehirnareale wie der supplementäre motorische Cortex oder der Gyrus cinguli sowie funktionelle Systeme, wie das limbische System oder die Basalganglien mit dem präfrontalen Kortex und den Exekutivfunktionen verbunden (Yogev-Seligmann, Hausdorff et al. 2008). Durch die Verbindung zu den Basalganglien (Dubois, Malapani et al. 1994) könnte es aufgrund von pathologischen Prozessen in diesen zu Defiziten der Exekutivfunktionen beim Parkinson-Syndrom kommen. Das Resultat könnte ein veränderter Gang und vor allem ein verändertes Verhalten in Dual Task-Situationen sein. In dieser Arbeit wurde das Gangverhalten bei GBA Parkinson-Patienten mittels körpergetragenen Sensors untersucht. Es konnten 2 Hypothesen bestätigt werden. Zum einen, dass GBA Parkinson-Patienten ein signifikant verändertes Gangverhalten in Single Task-Situationen im Vergleich zu sporadischen Parkinson-Patienten und gesunden Kontrollpersonen haben, und zum anderen, dass GBA Parkinson-Patienten ein signifikant verändertes Gangverhalten in Dual Task–Situationen, im Vergleich zu sporadischen Parkinson-Patienten und gesunden Kontrollpersonen, zeigen. Wie in der Vorläuferstudie (Brockmann, Srulijes et al. 2011) beschrieben, waren die BDI-II Werte in GBA Parkinson-Patienten höher als in den anderen beiden Gruppen als Zeichen einer stärkeren depressiven Symptomatik. Nach Dirnberger et al. kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Depression einen negativen Effekt auf die Exekutivfunktionen bzw. auf den Gang hat (Dirnberger and Jahanshahi 2013, Lord, Galna et al. 2013). Abschließend scheinen motorische als auch nicht motorische Defizite in GBA Parkinsonpatienten einen wichtigen Einfluss auf das Gehen auszuüben. Weitere Studien mit größerer Fallzahl sind nötig, um den zugrunde liegenden Mechanismus der Gangstörung bei GBA Parkinson-Patienten zu klären.

This item appears in the following Collection(s)