(Früh-) Start mit Musik? - Kurzzeitige Effekte pentatonischer Livemusik auf physiologische Parameter Früh- und Reifgeborener und auf die Ängstlichkeit ihrer Mütter

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URI: http://hdl.handle.net/10900/68041
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-680416
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-9460
Dokumentart: Dissertation
Date: 2016
Language: German
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Psychologie
Advisor: Hautzinger, Martin (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2016-01-21
DDC Classifikation: 150 - Psychology
Keywords: Neugeborenes , Frühgeborenes , Neonatologie , Musik , Mutter , Pentatonik , Angst , Reifgeborenes
Other Keywords: physiologische Parameter
preterm
neonatal intensive care unit
physiological parameters
music
pentatonic
maternal anxiety
newborn
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund. Die positiven Effekte von Musik auf Neugeborene, beispielsweise gemessen an physiologischen Parametern wie der Herzrate (HR) oder der Sauerstoffsättigung (SpO2), konnten vor allem bei Frühgeborenen gezeigt werden. Auch ihre Eltern können von musikbasierten Interventionen profitieren. Der Forschungsstand zur Wirkung von Musik auf reife Neugeborene ist bisher wenig umfassend. In der anthroposophischen Musiktherapie gilt die pentatonische Musik als besonders geeignet für kleine Kinder; ihre Wirkung wurde bisher jedoch selten untersucht. Methoden – Studie 1. In einem randomisierten, kontrollierten Crossover-Design wurden Frühgeborene (n = 21) in zwei Bedingungen untersucht. Eine Messung dauerte 2 h 15 Minuten, wobei in den mittleren 15 Minuten entweder Livemusik auf der pentatonisch gestimmten Kinderharfe gespielt wurde (Musikbedingung, MB) oder keine Musikintervention stattfand (Kontrollbedingung, KB). Während der gesamten Messdauer wurden die HR, die SpO2, die Atemfrequenz (AF), Entsättigungen sowie Brady- und Tachykardien aufgezeichnet. Des Weiteren wurden Parameter wie der Perfusionsindex (PI), die Pulswellenlatenz (PTT-W1) und verschiedene Parameter der Herzratenvariabilität (HRV: RMSSD, SDNN, pNN50, LF/HF) berechnet. Die Mütter bearbeiteten, soweit anwesend, zu verschiedenen Zeitpunkten das State-Trait-Angstinventar (STAI) und schätzten den Zustand des Kindes ein (Fragebogen zum Zustand des Kindes, FZK). Je nach Parameter sollte sich im Prä-Post-Vergleich in der MB eine Zu- oder Abnahme desselben zeigen. Ergebnisse – Studie 1. Der PI und der HRV-Parameter pNN50 nahmen in der MB signifikant zu. Die SDNN stieg in der MB marginal signifikant an. Bei den anderen physiologischen Parametern blieben die erwarteten Veränderungen aus. Insgesamt traten nur sehr wenige Ereignisse wie Entsättigungen, Brady- und Tachykardien auf und es konnte keine Abnahme durch die Musikintervention gezeigt werden. Die Zustandsangst der Mütter nahm in der MB signifikant ab; die Einschätzung des kindlichen Zustandes änderte sich nicht. Methoden – Studie 2. Weitestgehend dem Versuchsplan von Studie 1 entsprechend wurde die Wirkung von pentatonischer Livemusik auf reife Neugeborene (n = 20) in einem randomisierten, kontrollierten Crossover-Design untersucht. Die Messdauer betrug jedoch nur 45 Minuten, wobei wiederum in den mittleren 15 Minuten entweder eine Musikintervention stattfand (MB) oder keine Musik gespielt wurde (KB). Während der Messungen wurden dieselben Parameter erfasst wie für Studie 1 beschrieben, das Auftreten von Entsättigungen sowie Brady- und Tachykardien war jedoch nicht von Interesse. Die Mütter waren bei allen Messungen anwesend und füllten zu verschiedenen Zeitpunkten das STAI und den FZK aus. In der MB wurde eine Prä-Post-Veränderung der Parameter in Richtung weniger Stresserleben bzw. mehr Entspannung erwartet. Ergebnisse – Studie 2. Die PTT-W1 nahm sowohl in der MB als auch in der KB über die Zeit zu. Es zeigten sich keine den Hypothesen entsprechenden Veränderungen der physiologischen Parameter der Neugeborenen. Die mütterliche Zustandsangst nahm jedoch in der MB über die Zeit stark ab und die Mütter nahmen ihre Kinder nach der Musik ruhiger wahr. Diskussion. Der Einsatz pentatonischer Livemusik scheint ein vielversprechender Ansatz zu sein, um das Wohlbefinden von Müttern zu fördern. Die gefundenen Ergebnisse der physiologischen Parameter sprechen zumindest teilweise für eine entspannende Wirkung auf Neugeborene. Um herauszufinden, inwiefern sich ein längerfristiger Einsatz von Musik auf die Entwicklung Neugeborener auswirkt und inwiefern Mütter oder auch Väter von einem aktiveren Einbezug in die Musikintervention profitieren, bedarf es weiterer Forschung.

Abstract:

Background. The positive effects of music on physiological parameters such as heart rate (HR) and oxygen saturation (SpO2) have been shown in newborn infants, mainly in preterms. The benefits for their parents are also known. The effects of music in term born infants have been studied less often. In anthroposophic music therapy, pentatonic music is regarded as especially beneficial for young children, but studies in this area are lacking. Methods – Study 1. Preterms (n = 21) were studied under two conditions using a randomized controlled crossover design. A single measurement lasted 2 h 15 minutes. In the middle 15 minutes either live music was played on a pentatonically tuned children’s harp (music condition, MC) or no intervention took place (control condition, CC). During both conditions HR, SpO2, respiration rate (RR), desaturations as well as bradycardias and tachycardias were measured. Furthermore, parameters such as the perfusion index (PI), pulse transit time (PTT-W1) and parameters of heart rate variability (HRV: RMSSD, SDNN, pNN50, LF/HF) were calculated. If present, the mothers were asked to fill in the State-Trait Anxiety Inventory (STAI) and to rate their child’s state. Depending on the parameter, either an increase or a decrease was expected. Results – Study 1. The PI and the pNN50 showed a significant increase in the MC and the SDNN rose marginally significantly. For the other physiological parameters the expected changes failed to appear. Only few desaturations and brady- or tachycardias occurred. A decrease due to music could not be demonstrated. The mothers’ state anxiety was reduced significantly in the MC, the rating of the child’s state remained the same. Methods – Study 2. The effects of pentatonic live music on term born newborns (n = 20) was studied using mainly the randomized, controlled crossover design described for study 1. Measurements lasted only 45 minutes and music was played in the middle 15 minutes (MC) or not (CC). As in study 1, the same physiological parameters were measured or calculated, but desaturations or cardiac events were of no interest. The mothers were present during all measurements and were asked to answer the STAI and to rate the child’s state at different points of time. In the MC pre-post-changes were expected in terms of less stress and more relaxation respectively. Results – Study 2. Over time, PTT-W1 showed an increase both in the MC and in the CC. Concerning the physiological parameters of the term newborns, no result was consistent with the hypotheses. However, the mothers’ state anxiety was reduced strongly in the MC and the mothers perceived their child as more relaxed. Discussion. The use of pentatonic live music seems to be a promising approach to promote the well-being of mothers. At least partially, the results of the physiological parameters of the newborns demonstrated a relaxing effect. Exploring the effects of a long-term use of music on the development of neonates and finding out how parents could benefit from a more active participation in the music intervention seems to be a worthwhile area of research.

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