Beeinflussung der Gedächtnisgenauigkeit durch die anodale transkranielle Gleichstromstimulation über dem linken präfrontalen Cortex

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URI: http://hdl.handle.net/10900/65331
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-653312
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-6751
Dokumentart: Dissertation
Date: 2015
Source: Zwissler, B., Sperber, C., Aigeldinger, S., Schindler, S., Kissler, J., & Plewnia, C. (2014). Shaping memory accuracy by left prefrontal transcranial direct current stimulation. J Neurosci, 34(11), 4022-4026. doi: 10.1523/jneurosci.5407-13.2014
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Plewnia, Christian (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2015-07-13
DDC Classifikation: 150 - Psychology
Keywords: Psychiatrie , Gedächtnisleistung
Other Keywords: transkranielle Gleichstromstimulation
anodale Gleichstromstimulation
Gerichtetes Vergessen
präfrontaler Cortex
directed forgetting
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

In unserer Studie werden die Auswirkungen der anodalen Gleichstromstimulation über dem linken dorsolateralen präfrontalen Cortex auf die Gedächtnisleistung und das Gerichtete Vergessen überprüft. Zur Überprüfung der Gedächtniskontrolle wird in unserer Studie das Paradigma des Gerichteten Vergessens angewandt, welches verdeutlicht, dass Gedächtnisinhalte willentlich vergessen werden können. Den Probanden werden in unserer Studie 90 zu lernende Bilder präsentiert, die darauffolgend mit den Instruktionen „merke (R) oder vergesse (F) das Bild“ versehen sind. Zusätzlich haben wir in unserer Studie eine dritte, möglichst neutrale, Instruktion I mit dem Begriffsinhalt „der vorangegangene Reiz hat keine Bedeutung für dich“ hinzugefügt. In der nachfolgenden Wiedererkennungsphase werden die 90 alten Bilder aus der Lernphase und 90 neue ähnliche Bilder präsentiert. Die älteren Bilder sollen dabei, unabhängig von den Instruktionen, wiedererkannt werden. Insgesamt sind 42 Probanden in die Studienanalyse eingeschlossen von welchen 24 einer anodalen Stimulation mit 1 mA für 15 Minuten und 18 einer Scheinstimulation zugeführt werden. Die anodale Gleichstromstimulation ist eine nicht invasive Technik bei der es zu einer verstärkten Depolarisation in dem stimulierten Gehirnareal kommt. In unserer Studie werden drei Fragestellungen abgehandelt. Die erste Fragestellung überprüft das Paradigma des Gerichteten Vergessens, welches zeigt, dass Bilder mit der „Instruktion Vergessen“ schlechter erinnert werden können als Bilder mit der „Instruktion Merken“ (R>F). Dieses Ergebnis deutet daraufhin, dass die zu merkenden Bilder aktiv wiederholt werden, wohingegen die zu vergessenden Bilder in ihrer neuronalen Weiterverarbeitung und Kodierung aktiv inhibiert werden. Die zweite Fragestellung behandelt die Eingliederung der neuen Instruktion I in das Paradigma des Gerichteten Vergessens. In unserer Studie zeigt sich, dass die Genauigkeit der Gedächtnisleistung für die Instruktion I am niedrigsten ist (R>F>I). Erklärungsansätze hierfür sind die ironischen Prozesse, welche beschreiben, dass die aktiv zu verarbeitenden Instruktionen R und F die Aufmerksamkeit auf diese Bilder erhöhen und somit das zu vergessende Bild, das eigentlich verdrängt und vergessen werden sollte, durch die Alarmierung und ironischen Prozesse eine stärkere Präsenz hat, als das neutrale Bild. Weiterhin werden, im Gegensatz zu den zu vergessenden Bilder, für die zu merkenden sowie für die neutralen Bilder, vermehrt Erinnerungsverfälschungen erzeugt. Das bedeutet, dass die „Instruktion Vergessen“ zur Reduktion des Falschgedächtnisses führt und somit zur genaueren Enkodierung. Die dritte zentrale Fragestellung beschäftigt sich mit den Auswirkungen der anodalen Gleichstromstimulation über dem linken dorsolateralen präfrontalen Cortex auf die Gedächtnisleistung und das Gerichtete Vergessen. Die anodale Stimulation hat in unserer Studie nur Einfluss auf das Falschgedächtnis. Das Korrekte Erinnern sowie die Gedächtnisgenauigkeit werden hingegen nicht beeinflusst. Die anodale Stimulation führt zur reduzierten Inhibierung des PFC und dadurch zu verminderten Detaildiskrimination, wodurch die Gedächtnisinhalte vermehrt falsch erinnert werden. Betrachtet man den Effekt der anodalen tDCS auf das Falschgedächtnis genauer, ergibt sich ein Trend für die Beeinflussung des Falschen Erinnerns für die zu vergessenden und zu erinnernden, jedoch nicht für die neutralen Bilder. Die tDCS nimmt vermutlich Einfluss auf die Enkodierung vor allem der aktiv zu verarbeitenden Reize, was daraufhin hindeutet, dass die erhöhte Aktivierung den präfrontalen Cortex besonders empfindlich für die Beeinflussung der Gedächtnisleistung durch die anodale Gleichstromstimulation macht. Zusammenfassend erbringt unsere Studie einen Beweis für die Aktivitätsabhängigkeit der Gedächtnisleistung im DF-Paradigma, in dem es abhängig von der aktiven Weiterverarbeitung der Reize zur Beeinflussung der akkuraten Enkodierung durch die anodale tDCS über dem DLPFC kommt. Eine zentrale Erkenntnis unserer Studie ist die Beteiligung des PFC an der Entstehung des Falschgedächtnisses. Das Korrekte Erinnern oder die Gedächtnisgenauigkeit werden im Gegensatz zum Falschgedächtnis nicht durch die anodale tDCS beeinflusst.

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