Fetale Mortalität und neonatale Morbidität von Mutter und Kind in den Jahren 2004 - 2009. Deskription und Analysen der Perinataldaten von Baden-Württemberg anhand von Einlingsgeburten ab der 38. Schwangerschaftswoche

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URI: http://hdl.handle.net/10900/57866
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-578661
Dokumentart: Dissertation
Date: 2014-11
Source: Arch Gynecol Obstet. 2014 Jan;289(1):79-84
Language:
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Eichner, Martin (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2014-10-23
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Intrauteriner Fruchttod , Schwangerschaft , Geburt , Risikogeburt
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund: Schwangerschaften, die den errechneten Geburtstermin von 280 SST überschreiten, sind mit einer Prävalenz in Baden-Württemberg von 44 % ein häufiges Ereignis. Handlungsempfehlungen zum Vorgehen in diesen Fällen basieren bisher auf wenigen älteren Studien, von welcher keine aus Deutschland stammt. Aufgrund der international unterschiedlich praktizierten Schwangerschaftsvorsorge besteht jedoch der Bedarf der Evaluation einer deutschen Datenbasis. Zielsetzung: Ziel dieser Studie war es retrospektiv anhand von 472.843 Einlingsgeburten zwischen der 38. und 45. SSW zu analysieren, inwiefern die pathophysiologischen Auswirkungen der Terminüberschreitung die fetale Mortalität und die fetale und maternale Morbidität erhöhen. Außerdem wurde untersucht inwiefern weitere Risikofaktoren wie ein erhöhtes maternales Alter (≥ 35 Jahre) oder die Primiparität die fetale Mortalität und Morbidität beeinflussen. Ebenso wurde untersucht inwiefern sich die fetale Mortalität und Morbidität bei männlichen und weiblichen Feten bzw. Lebendgeborenen unterscheidet. Die fetale Mortalität wurde anhand des wöchentlichen und restlichen Totgeburtenrisikos in der jeweiligen Gestationswoche berechnet. Die postpartale Morbidität des Lebendgeborenen wurde mittels des NApH und der Verlegungsrate in die Kinderklinik, die maternale Morbidität mittels der Rate von höhergradigen Geburtsverletzungen und der Rate an vaginal-operativen Entbindungen, objektiviert. Patienten und Methoden: Die Daten der vorliegenden retrospektiven Studie stammen von der Geschäftsstelle für Qualitätssicherung im Krankenhaus (GeQik) aus Stuttgart, es wurden 6 Jahrgänge (2004-2009) analysiert. Für jede in BW erfolgte Geburt werden hier die Einzelheiten erfasst. Es galten folgende Einschlusskriterien: Einlingsgeburten ab der 38. SSW mit sonografisch gesichertem Gestationsalter und Feten bzw. Lebendgeborenen ohne Fehlbildungen. Es verblieben als Studienkohorte 472.384 Lebendgeburten und 459 Totgeburten. Ergebnisse: Mit steigendem Gestationsalter kann sowohl eine Zunahme der fetalen Mortalität, als auch der fetalen und maternalen Morbidität beobachtet werden. Die wöchentliche Totgeburtenrate stieg von 0,22 ‰ in der 38. SSW auf 0,67 ‰ in der 43. SSW. Die postpartale Azidose-Rate der Lebendgeborenen stieg von 1,21 % in der 38. SSW auf 2,47 % in der 43. SSW. Der Anteil an höhergradigen Geburtsverletzungen stieg von 1,64 % in der 38. SSW auf 4,08 % in der 43. SSW und die vaginal-operative Entbindungsfrequenz stieg von 7,41 % in der 38. SSW auf 15,80 % in der 43. SSW. Wichtigster Risikofaktor für eine Totgeburt ist das erhöhte Alter der Gebärenden (≥ 35 Jahre). Die älteren Frauen haben in der 38. SSW ein restliches Totgeburtenrisiko von 1,24 ‰; das der jüngeren liegt hier bei 0,89 ‰. Ebenso ist die postpartale Verlegungsrate der Lebendgeborenen von älteren Müttern erhöht. Entgegen der Literatur haben in diesem Kollektiv die Multiparae ein höheres Totgeburtenrisiko als die Primiparae. Das restliche Totgeburtenrisiko der Multiparae lag in der 38. SSW bei 0,99 ‰ und das der Primiparae bei 0,95 ‰. Dahingegen sind die Lebendgeborenen der Primiparae (2,20 %) häufiger als die LG der Multiparae (1,16 %) von postpartalen Azidosen betroffen. Schlussfolgerungen: Die Betrachtung der internationalen Totgeburten-Raten zeigt, dass eine in Baden-Württemberg betreute Schwangerschaft ein vergleichsweise niedriges IUFT-Risiko aufweist. Demzufolge kann die in den meisten internationalen Leitlinien ausgesprochene generelle Empfehlung einer Geburtseinleitung mit Beginn der 42. SSW an das deutsche Risikoprofil angepasst werden. Bei fehlenden Risikofaktoren und pathologischen Befunden kann bei der in diesem Gestationsalter vorgesehenen engmaschigen Überwachung von Mutter und Fetus auch ein abwartendes Verhalten gewählt werden. Ab der 43. SSW bleibt die Einleitung oder Beendigung der Schwangerschaft aufgrund der erhöhten fetalen Mortalität und maternalen und fetalen Morbidität weiterhin bei allen Schwangeren indiziert.

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