Merkmale des Psychotherapieprozesses als Prädiktoren des Abbruchs einer ambulanten kognitiven Verhaltenstherapie für Patienten mit schizophrenen Störungen

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-57042
http://hdl.handle.net/10900/49545
Dokumentart: Dissertation
Date: 2011
Language: German
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Psychologie
Advisor: Klingberg, Stefan (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2011-05-20
DDC Classifikation: 150 - Psychology
Keywords: Therapieabbruch , Schizophrenie
Other Keywords: Psychotherapie-Prozess-Analyse , Therapeutische Beziehung , Patientenmitarbeit , Therapeutenkompetenz , Systematische Verhaltensbeobachtung
Treatment dropout , Psychotherapy process analysis , Therapeutic alliance , Systematic behaviour observation , Psychosis
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Das Ziel dieser Studie bestand darin, Merkmale des Psychotherapieprozesses zu identifizieren, anhand derer bereits früh in der Therapie ein erhöhtes Abbruchrisiko festgestellt werden kann. Methodik: Für die Untersuchung dieser Fragestellung wurde eine Stichprobe von 39 remittierten Patienten mit schizophrenen Störungen herangezogen, die im Rahmen einer Pychotherapiestudie an einem kognitiv-verhaltenstherapeutischen Interventionsprogramm teilgenommen hatten. Die Merkmale des Psychotherapieprozesses wurden sowohl anhand globaler Beurteilungen aus Sicht der Patienten, der Therapeuten und einer außenstehenden Beobachterin als auch anhand einer systematischen Verhaltensbeobachtung erfasst. Sämtliche Prozessmaße beziehen sich auf die dritte oder ersatzweise auf eine benachbarte Sitzung. Ergebnisse: Von den 39 Patienten wurden 20 als Completer und 19 als Abbrecher eingestuft. Wie erwartet unterscheiden sich die beiden Patientengruppen bei Therapiebeginn nicht hinsichtlich verschiedener soziodemografischer Merkmale oder Krankheitsmerkmale. Die Annahme, dass sich die Abbrecher und Completer in ihren Sitzungsbeurteilungen unterscheiden, ließ sich nicht bestätigen. Abbrecher beurteilten die Beziehung zum Therapeuten, die Unzufriedenheit mit diesem und den Sitzungsfortschritt nicht ungünstiger als die Completer. Aus Therapeutensicht fielen jedoch wie erwartet sämtliche untersuchten Aspekte in der Gruppe der Abbrecher ungünstiger aus. Aus Beobachtersicht waren bis auf die Kompetenz der Therapeuten beim Einsatz therapeutischer Strategien alle untersuchten Aspekte in der Gruppe der Abbrecher ungünstiger ausgeprägt. Entgegen der Erwartung erwies sich als stärkster Prädiktor aller untersuchten global beurteilen Prozessmaße die Wahrnehmung der therapeutischen Bindung aus Beobachtersicht. Bezüglich des konkreten Verhaltens der Patienten und Therapeuten in den Sitzungen zeigte sich wiederum, dass sich Abbrecher vor allem durch eine geringere Mitarbeit von den Completern unterscheiden. Für die Vorhersage der Abbrüche erwiesen sich insbesondere zwei Interaktionsmaße als relevant. Schließlich sollte in dieser Studie untersucht werden, ob sich globale Beurteilungen des Therapieprozesses und systematisch erhobene Verhaltensmaße in ihrer Vorhersagekraft unterscheiden. In einer multivariaten Analyse erwies sich eine Kombination aus der global beurteilten therapeutischen Bindung und zwei Interaktionsmaßen als optimaler Prädiktorsatz. Jedoch kann bereits anhand der therapeutischen Bindung aus Beobachterperspektive ein beträchtlicher Anteil der Patienten korrekt klassifiziert werden. Hierfür wurde anhand einer ROC-Analyse ein Trennwert bestimmt. Diskussion: In nachfolgenden Studien sollte gezielt untersucht werden, auf welche Weise das Entstehen einer vertrauensvollen Bindung zwischen Patienten und Therapeuten gefördert werden kann. Weiterhin ist von Interesse, unter welchen Bedingungen sich die Beurteilungen der Patienten als valide Prädiktoren eines Abbruchs erweisen.

Abstract:

The study aimed at identifying aspects of the psychotherapy process that are associated with patient dropout. Methods: The subjects were 39 outpatients with first episode psychotic disorders who took part in a psychotherapy trial and who were offered 28 sessions of a cognitive behavioural treatment programme. The characteristics of the psychotherapeutic process of the third treatment session were analysed in two ways. First, the global impression of the therapeutic relationship, in-session progress, patient cooperation and therapist competence was rated by the patients, the therapists and an independent observer. Second, the verbal behaviour of the patients and therapists in the treatment session was assessed by systematic observation. All observer ratings were performed on audio recordings of the treatment sessions. Results: Of the 39 patients, 20 were classified as completers and 19 as dropouts. There were no differences between the two groups with respect to sociodemographic and illness variables. The patient ratings were not associated with treatment dropout, whereas the therapist ratings and the observer ratings were significantly more favourable in the completer group. The results of the systematic observation indicate that the dropouts are less cooperative in the early treatment phase and that dropouts and completers differ in two patient-therapist interaction variables. Overall, the observer rated therapeutic bond was identified as the most powerful predictor of treatment dropout. Discussion: Further studies should concentrate on the preconditions of the development of a good and stable therapeutic relationship and on favourable therapeutic strategies. Another question to be answered is under which circumstances patient ratings can be expected to be valid predictors of their later dropping out of treatment.

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