Siedlungsarchäologie der Hallstatt- und Frühlatènezeit im Raum Heilbronn

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-40667
http://hdl.handle.net/10900/49309
Dokumentart: Dissertation
Date: 2002
Language: German
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Ur- und Frühgeschichte
Advisor: Eggert, Manfred K.H. (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2002-05-17
DDC Classifikation: 930 - History of ancient world to ca. 499
Keywords: Hallstattkultur , Latène-Zeit , Siedlungsarchäologie , Heilbronn
Other Keywords:
Hallstatt period , Latène period , settlements , burials
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Inhaltszusammenfassung:

Die Arbeit behandelt die Besiedlung von Heilbronn am Neckar (Baden-Württemberg) und seiner Umgebung in der Hallstatt- und Frühlatènezeit (8.-4.Jh.v.Chr.). Das Arbeitsgebiet umfaßt eine Fläche von ca. 30 x 40 km. Innerhalb dieses Raumes besteht ein deutlicher Kontrast zwischen der lößbedeckten Gäulandschaft mit dem Neckartal und seinen Seitentälern, und den umgebenden Keuperbergen mit Sandsteinhochflächen. Die beiden Teile des Arbeitsgebietes zeigen in Geologie, Bodenqualität und Klima deutliche Unterschiede. Bei den behandelten Funden handelt es sich größtenteils um Keramik. Die Metallfunde stammen vor allem aus Gräbern. Die Formen der Keramik werden beschrieben und mit den Funden aus den Nachbarregionen verglichen. Die Keramik der Arbeitsgebietes läßt sich in zwei deutlich unterscheidbare Gruppen aufteilen. Die erste Gruppe umfaßt die Alb-Hegau-Keramik und die mit ihr vergesellschaftete zeitgleiche Keramik. Diese Keramikformen werden in die Stufe HaC und den Anfang der Stufe HaD datiert. Diese Zeitspanne wird als HaC/D1 bezeichnet. Die zweite Gruppe umfaßt Formen, wie sie aus den jüngeren Perioden III-I der Heuneburg und aus frühlatènezeitlichen Siedlungen bekannt sind, und enthält noch einzelne Stücke stempelverzierter Frühlatènekeramik. Sie datiert von HaD2 bis zumindest an den Anfang von LtB. Diese Zeitspanne wird als Späthallstatt-/Frühlatènezeit (SHa/FLt) bezeichnet. Ein ausführlicher Abschnitt befaßt sich mit den zahlreichen Funden von Briquetage aus 51 Fundstellen im Heilbronner Raum. Als „Briquetage“ wird Keramik bezeichnet, die zum Versieden von Sole und zu Herstellung und Transport von Salzblöcken diente. Siedlungsbefunde sind im Arbeitsgebiet wegen der starken Erosion meist nur schlecht erhalten. Es sind 21 Grabhügel mit Bestattungen der Hallstatt- und Frühlatènezeit bekannt, dazu 59 nicht oder nicht genau datierbare Hügel. Flachgräber kommen in 21 Fundstellen der Späthallstatt-/Frühlatènezeit und einer Fundstelle der Stufe HaC/D1 vor. Außerdem sind 6 eindeutige und mehrere mögliche Siedlungsbestattungen bekannt. Die 21 Siedlungen der Stufe HaC/D1 sind klein und umfassen maximal 3 Befunde. Es handelt sich um Einzelsiedlungen aus einzelnen Gebäuden oder kleinen Gebäudegruppen. In der Stufe SHa/FLt sind die 170 bekannten Siedlungen größer und bestehen aus bis zu 25 Befunden. Es handelt sich um kleine Gruppensiedlungen, Weiler, mit soweit erkennbar unregelmäßigen Grundrissen und lockerer Bebauung in kleinen Gebäudegruppen. Keine Siedlung ist auffällig größer als die anderen. Dazu kommen 3 befestigte und 4 unbefestigte Höhensiedlungen. Das Neckartal mit seinen Seitentälern und die Gäulandschaften sind dicht besiedelt, dagegen sind die Höhenzüge und Hochflächen nahezu siedlungsleer. Die Siedlungen liegen überwiegend am Hang, nur selten auf Kuppen oder Flußterrassen. Ähnlich ist die Lage der Flachgräber. Die Grabhügel liegen überwiegend deutlicher sichtbar auf Kuppen. Die Siedlungen liegen vorwiegend in nach Süd bis Nordost exponierten Lagen, selten nach Südwest bis Nord. In allen Zeitstufen wird die Südostrichtung bevorzugt. Sie bietet Schutz vor der vorherrschenden Windrichtung aus Südwest. Eine Ausnahme sind die Höhensiedlungen, bei denen Schutzfunktion oder repräsentative Siedlungslage wichtiger waren als Wetterschutz oder Zugang zu Wasser und Ackerland. Die Entfernung zum nächsten Gewässer beträgt bei den Siedlungen 50 – 1000 m, im Durchschnitt ca. 300 m. Bei allen Siedlungsfundstellen handelt es sich soweit feststellbar um landwirtschaftliche Siedlungen. Es gibt nur wenige Hinweise auf handwerkliche Tätigkeiten, auch gibt es keine spezialisierten Handwerkersiedlungen und keine spezialisierten Teilbereiche für Handwerk oder Speicher innerhalb der Siedlungen. Eindeutige Zuordnungen von Siedlungen und Gräbern sind wegen der hohen Fundstellendichte nur selten möglich. Dabei kommen verschiedene Lagekombinationen vor. Die Entfernungen zwischen den einzelnen Siedlungen betragen in HaC/D1 meist mehrere Kilometer, in SHa/FLt nur wenige hundert Meter bis mehrere Kilometer. Beziehungen von Siedlungen untereinander sind nur schwer nachzuweisen, bereits das gleichzeitige Bestehen zweier Siedlungen ist mit archäologischen Mitteln nur selten feststellbar. Im Gegensatz zu den Siedlungen zeigen die Gräber der Stufe HaC/D1 deutliche Unterschiede in der Ausstattung der Bestatteten. Obwohl Heilbronn nur 30 km vom Hohenasperg und 90 km vom Würzburger Marienberg entfernt liegt, gibt es im Fundmaterial keine Hinweise auf Einflüsse dieser späthallstattzeitlichen „Fürstensitze“, im Gegensatz zu den zeitgleichen Siedlungen und Gräbern im Raum Ludwigsburg. Der Heilbronner Raum lag möglicherweise zwischen den Einflußbereichen der „Fürstensitze“. Die Siedlungsentwicklung verläuft von 25 Siedlungen der Späten Urnenfelderzeit über 21 Siedlungen der Stufe HaC/D1 und 170 Siedlungen der Stufe SHa/FLt bis zu 47 Siedlungen der Mittel- und Spätlatènezeit.

Abstract:

This dissertation covers the settlement history of the Heilbronn area (Baden-Württemberg, Germany) in the Hallstatt and Early Latène periods (8th to 4th century BC). The area covered measures approximately 30 by 40 km. It is divided by geology, soil types and climate into two contrasting parts: the loess covered land of the Neckar valley and its tributaries, and the surrounding marl and sandstone hills. The analyzed finds mainly consist of ceramic fragments. Most of the few metal objects were found at burial sites. The finds are described and compared to finds from neighbouring areas. Ceramic finds from the Heilbronn area can be divided into two clearly separate groups. The first group contains Alb-Hegau type pottery and associated materials, dating into the phases Hallstatt C and early Hallstatt D, summarized as HaC/D1. The second group contains forms known from Heuneburg periods III-I and from Early Latène period sites, including some stamp decorated Early Latène pottery, dating from Hallstatt D2 to the beginning of Latène B, summarized as SHa/FLt. One paragraph deals with numerous finds of briquetage from 51 settlement sites in the Heilbronn area. These are fragments of characteristic pottery vessels used for the boiling of brine to obtain salt and for the transport of salt blocks. Settlement structures are usually badly preserved because of large scale erosion. There are 21 burial sites with flat graves from the SHa/FLt Phase, and only one from the HaC/D1 phase. Additionally 21 barrows contain burials from the Hallstatt and Early Latène periods, 59 other barrows can not be securely dated. In six certain, and several other possible cases, people were buried inside the settlements. All known 21 settlement sites of the HaC/D1 phase are rather small, consisting of single buildings or small groups of no more than 3 structures. The 170 known settlement sites of the SHa/FLt phase are bigger, with up to 25 structures, forming hamlets made up by loosely arranged small groups of buildings. Additionally there are 3 fortified and 4 non fortified hilltop sites. The Neckar valley, its tributaries and the loess areas were densely settled throughout the covered periods. The hills and plateaus show only slight traces of occupation. Settlement sites are predominantly situated on slight slopes, rarely on hilltops or on fluvial terraces. The same holds true for burial sites, except for barrows, which mostly lie at better visible positions on hilltops. Most settlement sites show an exposure to south through northeast, exposure to southwest through north is rare. Exposure to southeast is preferred in all periods, offering protection from the prevailing southwest winds. Hilltop sites apparently follow different rules, preferring military protection and representative situation to protection from weather and easy access to water and arable land. Settlement sites are situated between 50 and 1000 m (average 300 m) from the next water source. All settlement sites apparently were predominantly agricultural settlements. There are no traces of specialized areas or separate settlements for the execution of specialized industries, and no separate storage areas. Due to the high density of sites it is rarely possible to link settlements and burials. During the HaC/D1 phase contemporary settlements are usually situated at a distance of several kilometers from each other. During the SHa/FLt phase the distance can vary between a few hundred meters and several kilometers. Contemporaneity of settlement and relations between different settlement sites are difficult to establish by archaeological means. Contrasting to the settlement sites, burial sites at least in HaC/D1 show signs of social stratification. The Heilbronn area is only 30 and 90 km distant from the Late Hallstatt “princely sites” at Hohenasperg and Würzburg-Marienberg, respectively. Nevertheless, the finds from the Heilbronn area don’t show any influences from the “princely sites”. Probably the area was situated in between their respective spheres of influence. The number of known settlements developed from 25 sites at the end of the Urnfield period and 21 sites in the HaC/D1 phase into 170 sites in the SHa/FLt phase and into 47 sites in the Middle and Late Latène period.

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