The Significance of Cremations in Early Neolithic Communities in Central Europe

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-30056
http://hdl.handle.net/10900/49077
Dokumentart: Dissertation
Date: 2006
Language: English
Faculty: 7 Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Department: Ur- und Frühgeschichte
Advisor: Wahl, Joachim (Dr. PD)
Day of Oral Examination: 2007-02-16
DDC Classifikation: 930 - History of ancient world to ca. 499
Keywords: Brandgrab , Anthropologie , Neolithikum , Bandkeramik , Bestattung, Knochen
Other Keywords: Knochen , Gräberfeld , Totenritus , Schwetzingen , Wandersleben
Cremation , burial , palaeodemography , anthropology , methods
License: Publishing license including print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Das Ziel dieser Arbeit war bestimmte Tendenzen oder Muster zu identifizieren, die eine Erklärung dafür liefern, warum bestimmte Individuen in der LBK anderen Bestattungssitten unterlagen. Dazu wurden die bekannten Leichenbrände aus insgesamt sieben Gräberfeldern herangezogen. Die Leichenbrände aus Elsloo in den Niederlanden, Schwetzingen, Fellbach- Oeffingen, Wandersleben und Arnstadt in Deutschland wurden anthropologisch untersucht. Die Daten für die Leichenbrände aus Stuttgart-Mühlhausen und Aiterhofen-Ödmühle wurden aus der Literatur zitiert. Leichenbrände wurden für fünf weitere Gräberfelder in der Literatur zitiert, jedoch wurden diese entweder nicht erhalten oder der Materialumfang war so gering, dass sie nicht in dieser Arbeit berücksichtigt wurden. Daten zur Alters- und Geschlechtsbestimmung der unverbrannten Individuen aus den untersuchten Gräberfeldern wurden für Vergleichszwecke herangezogen. Anthropologische Methoden wie die morphometrische Analyse, die Zahnzementannulation und histologische Untersuchungen der Femurdünnschliffe wurden durchgeführt. Die Leichenverbrennung scheint in jedem der Gräberfelder und innerhalb der LBK ähnlich verlaufen zu sein. Ein ähnlicher Verbrennungsgrad, Färbung und Fragmentierung wurde in allen untersuchten Gräberfeldern beobachtet. Es gab wenig Variation zwischen den Gräberfeldern. Wandersleben war eine Ausnahme. In diesem Gräberfeld variierte der Verbrennungsgrad, mehrere Leichenbrände mit einem Teilverbrennungsgrad II oder III wurden beobachtet. Jedoch konnte der Großteil dieser Leichenbrände dem Verbrennungsgrad IV-V zugeordnet werden. Die Farbe der Leichenbrände war überwiegend alt-weiß bis beige mit einer weichen, kreideartigen Struktur. Die inneren Bereiche einiger Lang- und Schädelknochenfragmente blieben jedoch grau. Abweichungen von der Färbung alt-weiß bis beige werden durch das Milieu verursacht in dem die Knochen lagerten. Der Fragmentierungsgrad der Leichenbrandknochen in der LBK ist "sehr klein". Es wurden auch einige "klein"- und sehr wenige "medium"-große Knochenfragmente beobachtet. Das Gewicht der Leichenbrände variiert zwischen weniger als ein Gramm bis fast ein Kilogramm. Diese große Variationsbreite des Gewichts ist auf den Erhaltungszustand des Materials zurückzuführen und nicht auf eine Abweichung der Bestattungssitte. Die schweren Leichenbrände beinhalteten eine große Menge an Grus. Es wurden kraniale und postkraniale Skelettelemente identifiziert. Zusätzlich wurden auch kleine Fragmente wie Zähne, Handwurzel- und Fingerknochen geborgen. Diese kleinen Fragmente und das Vorhandensein von Knochen des ganzen Skelettes zeigen, das Menschen der LBK die Leichenbrandfragmente besonders vorsichtig und gründlich von dem Verbrennungsplatz geborgen haben. Eine pars pro toto Bestattung der Leichenbrände scheint nicht stattgefunden zu haben. In der Summe wurden in den untersuchten Gräberfeldern mehr Frauen identifiziert als Männer. In Schwetzingen, Fellbach-Oeffingen und Wandersleben konnten mehr Frauen identifiziert werden, in Elsloo und Aiterhofen-Ödmühle mehr Männer. Wenn die Frauen unter den geschlechtsbestimmten Leichenbränden in allen Gräberfeldern in der Überzahl gewesen wären, dann hätte dies als ein mögliches Kriterium für die Leichenverbrennung interpretiert werden können. Jedoch variiert das Übergewicht der Geschlechter und im Vergleich mit der Gesamtverteilung der Geschlechter für alle bekannten Bestattungen in der LBK, inklusive der Massengräber- und Siedlungsbestattungen, wurden Frauen und Männer gleichermaßen identifiziert. Daher scheint das Geschlecht eines Individuums kein ausschlaggebender Faktor für die Leichenverbrennung gewesen zu sein. Alle Alterskategorien wurden unter den Leichenbränden der untersuchten Gräberfelder identifiziert. Wie zu erwarten, waren die sehr jungen Individuen unterrepräsentiert. Das jüngste Individuum aus allen Gräberfeldern war 2 bis 3 Jahre alt. Eine Erklärung für die geringe Anzahl an Kindern wäre, dass diese nicht verbrannt wurden sondern einer anderen Bestattungsform unterlagen. Es ist interessant zu beobachten, dass die Verteilung der subadulten und erwachsenen Individuen für die Leichenbrände und die Körpergräber fast identisch ist. Daher scheint die unterschiedliche Behandlung der Kinder und sub-adulten Individuen unabhängig von den Gründen die für eine Leichenverbrennung zu sein. Unter den Siedlungsbestattungen wurden 55% als sub-adult identifiziert. Es ist durchaus möglich, dass die Kinder nicht in den Gräberfeldern bestattet wurden sondern innerhalb den Siedlungsbegrenzungen behalten wurden. Die meisten der verbrannten Individuen starben zwischen einem Alter von 20 bis 40 Jahren. Die juvenilen und senilen Individuen waren aufgrund der Art der Altersbestimmung unter den Leichenbränden überrepräsentiert. Während unverbrannte Skelette normalerweise durch mehrere charakteristische Merkmale einer Alterskategorie oder einem Geschlecht zugewiesen werden können, sind für die Bestimmung von Leichenbränden häufig nur ein oder zwei Merkmale erhalten. Diese, zusammen mit der Robustheit und den Muskelmarken, müssen ausreichen. Leichenbrände können wichtige Informationen über das Alter und Geschlecht eines wichtigen Teils der LBK Bevölkerung liefern. Durch den hohen Grad der Fragmentierung und die schlechte Erhaltung war es jedoch häufig nur möglich eine Altersspanne, inklusive der Kategorie juvenile ohne eine Einschränkung nach oben, zu bestimmen. Leichenbrände sind die zweitwichtigste Bestattungsform nach den Körpergräbern in der LBK. Zehn Prozent aller Bestattungen waren Leichenbrände. Die Leichenverbrennung spielte höchstwahrscheinlich eine größere Rolle in den Bestattungssitten der LBK als bis heute angenommen wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine große Anzahl an Leichenbränden zerstört wurde. Die meisten Leichenbrände wurden relative nahe an der heutigen Oberfläche gefunden und können durch Erosion, Ackerbau oder Bauarbeiten zerstört werden. Die meisten wurden weniger als 80 cm tief gefunden. Dies ist innerhalb der Frostgrenze, ein weiterer Faktor der die Leichenbrände zerstört haben könnte. Verbrennungsplätze oder Scheiterhaufen wurden bislang noch nicht in Fundstellen der LBK gefunden. In einigen Gräbern wurden verbrannte Holzreste zusammen mit dem Leichenbrand gefunden, jedoch war dies nicht genug Holz um ein Individuum vollständig zu verbrennen. In ein paar wenigen Fällen wurde eine größere Menge Holzkohle und Pfostenlöcher in der direkten Umgebung der Leichenbrände gefunden. Diese wurden als Totenhütten interpretiert, die um den Toten herum gebaut und danach abgebrannt wurden. Jedoch stellen diese Totenhütten eine Ausnahme da, bisher fand man in ihnen keine Leichenbrandreste. Verziegelte Erde, durch die hohen Temperaturen während der Leichenverbrennung gebacken, wurde noch nicht identifiziert. Daher müssen die Leichenbrände an einem anderen Ort verbrannt und, wie schon beschrieben, vom Verbrennungsort aufgesammelt und bestattet worden sein. Vermutlich hielt man dafür einen gesonderten Platz bereit, jedoch wurde ein Ort dieser Art noch nicht beobachtet. Ein solcher Ort würde jedoch daraufhin deuten, dass die Leichenbrände eine signifikantere Rolle in der LBK gespielt haben, als wir mit dem heutigen Material rekonstruieren können. Es macht keinen Sinn, dass solch ein Ort nur für eine kleine Gruppe in der Bevölkerung angelegt wurde. Daher sollte bei zukünftigen Ausgrabungen besondere Rücksicht darauf gelegt werden Leichenbrände und mögliche Orte an denen die Leichenverbrennung ausgeführt wurde zu erkennen. Wahrscheinlich war die Leichenverbrennung nicht ausschließlich auf eine bestimmte Gruppe innerhalb der LBK beschränkt. Die Leichenverbrennung war bestimmt nicht nur für Individuen mit einer höheren sozialen Stellung vorbehalten. Es ist außerdem unwahrscheinlich, dass sie nur für Individuen einer niedrigeren sozialen Schicht, für Kranke oder als Strafe eingesetzt wurde. Die Menge an Handelsgütern und importierten Rohmaterialien sind Beweise für die hohe Mobilität der Menschen in der LBK. Die Verbrennung von Verstorbenen erleichterte es, sie nach Hause zu transportieren. Jungs sind mit den Tierherden umhergereist, junge Männer und Frauen sind vielleicht in andere Siedlungen gezogen, um ein Handwerk zu erlernen, Frauen haben geheiratet und sind in das Dorf ihres Partners gezogen, Männer und Frauen sind als Händler gereist oder haben einfach Verwandte besucht. Die Menschen der LBK reisten entlang der Hauptwasserwege und verbreiteten ihre Kultur innerhalb von 300 Jahren in ganz Zentral- Europa. Aus welchem Grund sollte diese Abenteuer- und Reiselust abgeklungen sein nachdem eine Siedlung gegründet wurde? Der einfachere Transport von Verstorbenen war bestimmt nicht der einzige Grund für eine Leichenverbrennung und bestimmt nicht alle Reisenden wurden verbrannt. Eine Vielzahl der genannten Faktoren, wie unterschiedliche Todesursachen, können dazu geführt haben, dass ein Individuum verbrannt wurde. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass die verbrannten Individuen eine andere Kultureinheit innerhalb der LBK darstellten. Die Mesolithiker müssen nicht mit der Ankunft der Menschen der LBK ausgestorben sein. Es ist sehr viel wahrscheinlicher, dass es Interaktionen und möglicherweise auch Mischehen gegeben hat. Es ist möglich, dass die lokalen Mesolithiker und ihre Nachkommen versucht haben ihre eigene Identität durch eine Page 188 abweichende Bestattungssitte erhalten wollten. Jedoch ist es nicht möglich die unterschiedlichen Populationen nur anhand der traditionellen morphologischen und histologischen Methoden zu erkennen. Metrische Untersuchungen könnten einen Unterschied deutlich machen. Eine ausführliche Untersuchung und Vergleich mit bekannten mesolithischen Skeletten und denen der LBK ist dafür notwendig. Isotopen- und DNAAnalysen können auch eine Population von der anderen unterscheiden. Jedoch können diese Methoden im Moment nicht für Leichenbrand angewandt werden. Isotopen- und DNA-Untersuchungen schreiten immer weiter voran. In England wird versucht Strontium-Isotopen-Analysen anhand von Dentin in Zähnen durchzuführen. DNA -Analysen an verbrannten Knochen wurden in Tübingen durchgeführt, waren aber leider noch nicht erfolgreich. Die traditionellen morphologischen, metrischen und histologischen Methoden können für verbrannte Knochen verwendet werden und liefern zufriedenstellende Resultate. Leider sind epigenetische und pathologische Kriterien selten an Leichenbrand erhalten und machen daher eine Verwandtschaftsanalyse und eine Bestimmung der allgemeinen Gesundheit oder der Todesursache nahezu unmöglich. Die Weiterentwicklung der Isotopen- und DNA -Analyse Methoden könnten die Informationsquelle Leichenbrand noch aussagekräftiger machen. Sie könnten es möglich machen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen den verbrannten Individuen und den Körpergräbern zu erkennen.

Abstract:

The aim of this study was to identify trends or patterns that could explain why certain individuals in the LBK were subjected to different burial rites from the rest: Cremation. In order to do so, the known cremations from the seven cemeteries in this study, including Elsloo in the Netherlands, Schwetzingen, Fellbach-Oeffingen, Wandersleben and Arnstadt, all in Germany, were analyzed. The data from the literature for the cremations from Stuttgart-Mühlhausen and Aiterhofen-Ödmühle were also included in the study. Cremations are cited from five additional cemeteries, however, the remains were either not preserved or the sample size too small to have been included in the study. When available, data concerning age and sex of the unburned individuals from the respective cemeteries were included for comparison. Multiple anthropological methods including morpho-metric analyses, tooth cementum annulation and histological evaluation of thin sections of the femur were applied. The cremation ritual seems to have been consistent at each cemetery and throughout the LBK. The same burn stage, color and degree of fragmentation were observed throughout the cemeteries analyzed in this study. There was not a lot of variation within or between the cemeteries. Wandersleben is an exception. At this site, the burn stages varied and included a larger amount of cremations including burn stage II or III. However, the majority of the cremations could be classified as burn stage IV-V. The color of the cremations was predominantly white to beige with a smooth, chalky texture. The inside of some long bones and cranial fragments remained grey. The variation in color can be attributed to the milieu in which the bones were deposited. The degree of fragmentation throughout the LBK is "very small" with a few "small" and only a handful of "medium" sized fragments. The weight of the cremations varied from less than 1 g to nearly 1 kg. This large range of weights is attributed to the preservation of the material and not to a variation in burial practice. The heavier cremations include a large amount of Grus. Skeletal remains from the cranial and postcranial skeleton were recovered. Small fragments such as teeth, wrist bones and phalanges were also recovered. These small fragments and the presence of all portions of the skeleton show that the people of the LBK took great care when collecting the ashes from the funeral pyre. A pars pro toto deposition of the cremated remains does not seem likely in this case. Overall, the females predominate among the cremations, and body burials, from the cemeteries in this study. Among the individual cemeteries, females predominate in Schwetzingen, Fellbach-Oeffingen and Wandersleben, males in Elsloo and Aiterhofen. If the females had predominated among all cemeteries, then it could have been interpreted as a possible significant factor affecting whether an individual was cremated or not. However, the prevalence of the sexes varies and, compared with the overall distribution of the sexes for all of the known burials in the LBK, including the settlement burials and mass graves, is nearly equal. Therefore, the sex of an individual was not a determining factor for cremation. All age categories were present among the cremations from the analyzed cemeteries. As was to be expected, the very young individuals were under-represented. The youngest individual from all the cemeteries was 2 to 3 years old. An explanation for the low frequency of infant cremations could be that they were not cremated but received some other burial treatment. It is very interesting that the percentage of sub-adults and adults was nearly identical for the cremations and the body burials. Therefore, the different treatment of the children and sub-adults must have been independent of the reasons for cremation. The overview of burials from the settlements showed that 55% of these burials were sub-adults. It is possible that children were generally not interred in the cemetery but kept within the confines of the settlement. The life expectancy of the cremated individuals was early adulthood. The majority of the cremations died in the adult phase, between the age of 20 and 40. The juvenile and senile individuals were over-represented among the cremations due to the limitations of the age determination. While unburned skeletal material usually offers the possibility to determine the age or sex of an individual based on a number of characteristic traits, cremations usually only include one or two traits. These, coupled with robustness and muscle markings must suffice. Cremated material does deliver valuable information about the age and sex of a significant portion of the LBK population, however, due to the fragmentary nature of the material and the poor preservation, it was often only possible to identify an age range, usually including the juvenile individuals and without a maximum age determination. Cremations make up 10% of all known burials. It is very probable that a number of cremations were destroyed. The close proximity to the surface for the majority of the cremations could easily lead to their destruction through natural erosion, farming or construction. The majority of the cremations were buried less than 80 cm into the soil. This is within the frost margin, an additional factor that could lead to the destruction of the cremated bone. The cremated individuals did not represent only one specific group within the LBK and the cremation ritual was probably not limited to a group of individuals with a higher or lower social status. The people of the LBK were very mobile and it is logical that the cremation of a deceased individual who died while away from home helped ease transportation. This could include young boys herding the animals, young men and women who traveled to other villages to learn a trade, women who married and moved to their partner's village as well as individuals who traveled as traders or to visit relatives. Ease of transportation was probably also not the exclusive reason for cremation. Another explanation may be that the cremated individuals represented individuals of a separate cultural entity within the LBK. Interaction and, possibly, intermarriage between the Mesolithic and Neolithic populations seems likely and it is plausible that one of the groups and their descendants attempted to preserve their identity in death by practicing separate burial rites. Cremations have been classified as the second most important burial form, after unburned body burials, in the LBK. It is my opinion that cremations were even more significant in the LBK than we have previously assumed.

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