Geschlechterstereotype - Qualifikationsbarrieren von Frauen in der Fußballtrainerausbildung?

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-30472
http://hdl.handle.net/10900/47551
Dokumentart: Dissertation
Date: 2007
Language: German
Faculty: 6 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Department: Sportwissenschaft
Advisor: Thiel, Ansgar
Day of Oral Examination: 2007-09-18
DDC Classifikation: 796 - Athletic and outdoor sports and games
Keywords: Systemtheorie , Ausbildung , Geschlechterforschung , FIFA-Frauenfußball-Weltmeisterschaft , Fußballtrainer
Other Keywords: Trainerinnen , Trainerausbildung , Geschlechterstereotype , Frauenußball
Female coaches , education of coaches , gender stereotypes , system theory , women football (soccer)
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Inhaltszusammenfassung:

Eines der letzten fast vollständig männlichen dominierten Reservoirs des Sports ist der Trainerbereich. Vor dem Hintergrund dieser Einsicht setzt sich die Arbeit mit der Frage auseinander, weshalb Frauen erst gar keine Ausbildung zur Trainerin beginnen oder die begonnene Ausbildung wieder abbrechen. Dabei interessiert insbesondere die Bedeutung von Geschlechtsstereotypen bei der Ausgrenzung von Frauen aus oder der Benachteiligung während der Trainerausbildung. So fragt die Autorin danach, unter welchen Bedingungen z.B. Athletinnen eine Trainerausbildung aufnehmen bzw. die Trainerausbildung wieder abbrechen würden, darüber hinaus werden aber auch Ausbildungskonzepte auf potentiell exkludierende Wirkungen untersucht. Schließlich setzt sich die Arbeit mit den organisationalen Barrieren einer Trainertätigkeit von Frauen auseinander, wobei die Tiefenstrukturen der Sportorganisationen auf deren exkludierende Wirkungen hin beleuchtet werden. Die Dissertation ist in sechs Teile aufgegliedert. Nach einer Darstellung der Problemstellung wird der umfangreiche Literaturbestand zum Thema beleuchtet. Die daraus resultierenden Ergebnisse bilden den Ausgangspunkt für die Untersuchung, indem sie verdeutlichen, an welchen Stellen die Forschungsarbeit auf bereits vor-handenes Material rekurriert und wo neue Wege gesucht werden. Um das Phänomen der Trainerausbildung bzw. der Trainerinnenausbildung darzu-legen, gibt das nächste Kapitel einen Überblick über die Funktion der Trainerlizenzausbildung in Deutschland und speziell im Sächsischen Fußball-Verband. Im Anschluss daran wird die Situation der Trainerinnen im Frauenfußball dargestellt. Hier wird ein besonderes Augenmerk auf die Lage der Trainerinnen im Sächsischen Fußball-Verband gelegt. Das dritte Kapitel skizziert die der Arbeit zugrunde liegenden theoretischen Konzepte. Neben der Systemtheorie Luhmanns stützt sich die Arbeit auch auf theoretische Debatten um Begriffe der Geschlechtsrollen und -stereotype. Dies ist die Grundlage für die anschließende Diskussion über die ex-kludierende Wirkung von Geschlechterstereotypen auf unterschiedlichen Ebenen sozialer Systeme. Die theoretische Diskussion wird hier um einen organisationssoziologischen Aspekt erweitert. Diese Analyse der Organisationsstrukturen macht es u.a. möglich festzustellen, in welchem Maße Entscheidungsprogramme, Hierarchien und Aufgabenverteilungen oder Prämissen der Personalrekrutierung überhaupt eine exkludierende Wirkung von Geschlechterstereotypen erlauben. Auf der Basis dieser theoretischen Überlegungen wird ein Erklärungsmodell, das die komplexen Mechanismen der Exklusion von Frauen aus dem Traineramt im Fußball veranschaulicht, entwickelt. Aus der theoretischen Reflexion heraus wird dann im nächsten Kapitel das Forschungsdesign der Arbeit näher erläutert. Basis der qualitativen Analyse, die der Dissertation zugrunde liegt, war eine Befragung von 27 Personen aus dem Bereich des Fußballs (hauptamtlich Angestellte, Funktionärinnen und Funktionäre, Trainerinnen und Trainer, Spielerinnen) mittels qualitativer Interviews. Die Untersuchungsergebnisse bestätigen die theoretisch hergeleiteten Erwartun-gen. So beginnt die Exklusion von Frauen aus dem Traineramt oft schon lange, bevor sich Frauen überhaupt bewusst Gedanken darüber machen, ob sie Trainerin werden sollen oder nicht. Doch auch wenn sie den Weg einschlagen, sind Frauen im Rahmen der Lizenzausbildung häufig Geschlechtsstereotypen ausgesetzt, die nicht unbedingt in direkt diskriminierender Weise geäußert werden, sondern scheinbar sachlich, wie z.B. in Form eines Hinweises auf die gegenüber den Män-nern deutlich geringere sportartspezifische bzw. sportpraktische Kompetenz der angehenden Trainerinnen. Die Studie zeigt auch ganz deutlich, dass Maßnahmen zur Förderung von weiblichem Trainernachwuchs, die grundsätzlich als positiv herausgestellt werden, durch die typischen Strukturen auf mikrosozialer Ebene im Fußball geradezu ausgehebelt werden. So wird zwar gewünscht, dass Frauen Trainerinnen werden, aber das Ausbildungspersonal scheint genauso wenig in die-ser Hinsicht geschult zu sein wie die männlichen Teilnehmer solcher Kurse. Und so wirken Geschlechtsstereotypen vollkommen unbehindert in der konkreten Interaktion von Männern und Frauen trotz vorgeblicher Integrationsmaßnahmen zur Förderung weiblicher Trainer. Die Ergebnisse der Studie liefern Denkanstösse für die Verbände, die ihre aus-schließlich auf Gleichbehandlungs- bzw. Gleichstellungsprogramme fokussierte Po-litik überdenken müssen, wobei, Gleichstellungsprogramme durchaus nicht in allen Sektoren des Fußballs vorhanden sind. Aber mit Gleichstellungsprogrammen alleine scheint es eben nicht getan zu sein, sondern wichtig ist es darüber hinaus, das Ausbildungspersonal zu schulen und spezifische Coachings anzubieten, die eine Integration von Frauen in den Trainerberuf fördern.

Abstract:

The field of coaching is one of the last areas of sport dominated almost entirely by male trainers. With this background, the paper elaborates on the question of why women abandon their coaching education or do not start it at all in the first place. Of great interest in particular is the importance of gender stereotypes for the marginalisation and disadvantaging of female participants during their coaching education. The author enquires under which conditions athletes, for instance, would take up a coaching education resp. would abandon it. Beyond this, education concepts are examined with regards to potentially excluding effects. Also, the paper explores the organisational barriers for female coaching by shining a light on the excluding effects of the deep structures of sports organisations. The dissertation consists of six parts. The description of the problem is followed by the dealing with the voluminous literature on the topic. The results of this form the basis of the exploration by showing at which points the research work resorts to already existing material and where it seeks for new ways. In order to illustrate the phenomenon of male and female coaching education, the next chapter gives an overview about the function of the coaching licence education in Germany and especially in the Saxon Football Association. This part is followed by depicting the situation of female coaches in women football with special regards to that in the Saxon Football Association. The third chapter outlines the theoretical concepts underlying this work. Beyond Luhmann’s system theory the paper also draws upon theoretical debates on terms of gender roles and stereotypes. This provides the basis for the discussion about the excluding effects of gender stereotypes at different levels of social systems. Here, the theoretical discussion is extended by an organisational sociological aspect. This analysis of organisation structure enables, for instance, to detect to which degree decision programmes, hierarchies and task contributions and premises at staff recruitment allow an excluding effect of gender stereotypes at all. On the basis of this theoretical exploration, a model to describe the complex mechanism of the exclusion of women from coaching positions in football is developed. This chapter of theoretical reflection is followed by the explication of the research design of the work. Background for the qualitative analysis of the dissertation are the interviews of 27 persons concerned with football (e.g. full-time staff, male and female officials, male and female coaches, female players). The theoretically derived expectations are confirmed by the research results. One of these is that the female exclusion from coaching positions often starts already long before the women themselves even consider becoming a coach. If they decide for such a job, women often face gender stereotypes in the frame of their licence education. These are not necessarily of directly discriminating nature but seemingly objective like, for instance, the remarks on the clearly less sport specific and sport practical competence of future female coaches in comparison to that of the male counterparts. The study also brings to light very obviously that the measures of promoting female coaching – which are basically considered as positive – are sheerly undermined by the typical structures in football at micro-social level. Although female coaches are desired for, neither the educational staff nor the male course participants seem to be prepared for these. Thus, the gender stereotypes act completely free in the specific interaction between men and women despite of the alleged integration measures for promoting female coaches. The results of the study gives thought-provoking impulses for those associations which have to reconsider their policy focussed exclusively on equal treatment and opportunities of which equal treatment programmes are absolutely not to be found in all sections of football. Yet, equal treatment programmes are not enough. Beyond these, it is of great importance to train the educational staff and to offer specific coaching which supports the integration of women into the coaching profession.

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