Patrimonial capitalism : Economic reform and economic order in the Arab world

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-19476
http://hdl.handle.net/10900/47408
Dokumentart: Dissertation
Date: 2004
Language: German
Faculty: 6 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Department: Sonstige - Sozial- und Verhaltenswissenschaften
Advisor: Pawelka, Peter
Day of Oral Examination: 2004-07-07
DDC Classifikation: 300 - Social sciences, sociology and anthropology
Keywords: Arabische Staaten , Wirtschaftsordnung , Strukturanpassung , Liberalisierung , Autoritärer Staat
Other Keywords: Patrimonialismus , Politische Ökonomie
Arab Countries , Economic Reform , Economic Order , Authoritarianism , Liberalization
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Diese Studie untersucht Prozess und Ergebnisse struktureller Wirtschaftsreformen in vier arabischen Ländern (Jordanien, Ägypten, Algerien und Vereinigte Arabische Emirate). Die Fälle wurden so ausgewählt, dass sie als repräsentativ für die arabische Welt insgesamt gelten können. Wirtschaftsreformen wurden dort mit dem Ziel initiiert, liberale Marktordnungen zu schaffen. Wie jedoch in den empirischen Kapiteln (6-10) gezeigt wird, sprechen die Indizien dafür, dass die Ergebnisse dieses Prozesses nicht den Intentionen der externen Akteure entsprechen, welche die Reformen unterstützten (v.a. Weltbank und Internationaler Währungsfond, daneben Europäische Union und bilaterale Geber). Angesichts der enormen Ressourcentransfers sowie internationaler und nationaler Bemühungen um ökonomische Transformation, und angesichts der daraus entstandenen unintendierten Outcomes des Prozesses, drängen sich zwei zentrale Fragen auf: A) Welche Faktoren führen dazu, dass der Weg ökonomischer Reformen im Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika 'verzerrt' verläuft und wettbewerbsbasierte Marktökonomien nicht entstanden? B) Was für Ökonomien, wenn nicht Marktordnungen, brachten die strukturellen Wirtschaftsreformen hervor? Wie können die Ergebnisse der Strukturanpassung in arabischen Ländern analytisch auf der Ebene von Wirtschaftsordnungen erfasst werden? Teil I präsentiert den analytischen Rahmen und diskutiert unterschiedliche theoretische Modelle, welche in den Sozialwissenschaften (Wirtschaftswissenschaften, politische Ökonomie, Politikwissenschaft, Soziologie) bisher benutzt wurden, um solche Reformprozesse zu analysieren. Die jeweiligen Leistungen dieser Ansätze reflektierend argumentiert vorliegende Studie, dass ein integrierter, inter-disziplinärer Ansatz die größte Erklärungskraft für die Analyse von Wirtschaftsreformen in Entwicklungsländern aufweist. Ein solcher Ansatz wird vorgestellt und in Teil II auf die vier Fälle angewandt. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass dem Reformprozess in der arabischen Welt nicht eine ökonomische Logik der Effizienzsteigerung und der Schaffung wettbewerbsbasierter Märkte zugrunde liegt, sondern vielmehr eine politische Logik des Machterhalts, auf deren Basis die Regime und ihre loyalen Eliten Wirtschaftsreformen bis heute durchgeführt haben. Internationale Geber zeigten während der ersten Dekade der Strukturreformen kaum Bewusstsein um diese Logik. Dadurch war es den lokalen Eliten nicht nur möglich, sich politisch an der Macht zu behaupten, sondern auch ihre politische Macht mit neu erworbener ökonomischer Macht zu vereinen. Aus der Perspektive der herrschenden Eliten stellen die Wirtschaftsreformen daher einen Erfolg dar: Autokratische Eliten verstanden es, ihre Macht auch in schwierigen Zeiten ökonomischer Krisen und gravierender Veränderungen zu konsolidieren und zu mehren. Was Frage (B) anbelangt, so sind die Charakteristika dieser neu entstehenden Wirtschaftsordnungen eine verstärkte Kombination von politischer und ökonomischer Macht in den Händen weniger Herrschender und ihrer Klientel. Dies widerspricht der (ökonomischen) Logik, welche den Politiken der internationalen Finanzinstitutionen zugrunde lag, die eine liberale ökonomische Transformation befürworteten. Dagegen zeigen sich die neuen arabischen Wirtschaftsordnungen durch intransparente Entscheidungsfindungsprozesse, durch rechtliche Rahmenbedingungen, welche marktwirtschaftlichen Wettbewerb oft verhindern, durch strukturelle Abwesenheit von Rechtsstaatlichkeit, hohe Transaktionskosten sowie die Dominanz informeller, personalisierter Interaktionsmuster über formale Regeln und Gesetze gekennzeichnet. Sozio-politische Strukturen, die sowohl in der Natur der Regime als auch in der Gesamtgesellschaft begründet liegen, haben so den Kurs und die Resultate von Strukturanpassung in dieser Region maßgeblich geprägt. Dieser Typus von Kapitalismus hat viele Attribute mit Marktordnungen gemein, unterscheidet sich jedoch grundlegend von ihnen, da die Kernelemente von Wettbewerbsordnungen, nämlich Wettbewerb und die Institutionen, die ihn garantieren, entweder nicht existieren oder abhängig von denjenigen Akteuren sind, die wirtschaftlichen Erfolg aufgrund ihrer politischen Macht garantieren können. Teil (III) schlägt eine 'Checkliste' von Merkmalen vor, die es dem Beobachter erlauben, solche Wirtschaftsordnungen zu erkennen, welche Strukturreformen nur teilweise oder selektiv implementiert haben. Er reflektiert zudem über Politikempfehlungen und zeigt die Relevanz des Phänomens für andere als arabische Länder auf. Der Typus von Wirtschaftsordnung wird hier als 'patrimonialer Kapitalismus' bezeichnet ? ein Begriff, der die Vorrangigkeit der nicht-marktkonformen politischen Logik des Machterhaltes signalisiert, welche sowohl den Reformprozess als auch, in der Folge, die neu entstehende Wirtschaftsordnung prägt.

Abstract:

This study examines the process, politics, and results of structural economic reform in four Arab countries: Jordan, Egypt, Algeria and the United Arab Emirates. These four have been so selected as to be representative for the Arab world as a whole. Economic reforms, the study argues, have been implemented for the most part along the lines of the so-called 'Washington Consensus' with the aim of establishing liberal market orders. However, as is shown in the empirical chapters (6-10), there is strong empirical evidence that the results of this process do not match with the goals those external sponsors had in mind who promoted the reform process (the Bretton Woods Institutions, but also the European Union and bilateral donors). Given the enormous amount of resources and efforts spent on economic transformation in the Arab world, by both international and local actors, and seen in combination with the unintended outcomes of this process, the two core questions this book deals with are: A) What factors underlie the 'distorted' path of economic reform in the Middle East and the fact that reforms have not brought about competition-based liberal market economies? B) What, if not market economies, did in fact emerge, in terms of economic orders, out of the structural reform process? How can the results of reform be analytically grasped? Part I presents a theoretical frame and discusses various theoretical models social science disciplines have brought forth to analyse reform (economics, political economy, political science, sociology). Reflecting on the respective achievements of these various disciplines, the study suggests that the greatest explanatory power can be achieved through an integrated, inter-disciplinary approach to the analysis of economic reform in developing countries. Such an approach is presented in Chap. (3) and, in the empirical chapters (Part II) applied to the four cases. The findings indicate that it is not (primarily) the economic logic of enhancing efficiency and competitiveness, and of creating a market-promoting institutional setting that underlies the process of economic reform in Arab countries, but a political rationale of power maintenance which lies at the heart of the mode by which structural adjustment has been implemented by local political regimes and their loyal elites (and continues to be done so). International donors clearly lacked awareness of this logic during the first decade of structural economic reforms. Thereby, incumbent elites have not only been able to remain in power politically, but also to wed their political power, often through privatization and the creation of de facto monopolies for clients of the regimes, with a newly gained economic power. Thus, today's ruling elites in the Arab world, from their own perspective, have steered through economic reform successfully in that they managed to maintain and increase power and wealth in times of economic crises and difficult changes. As concerns question (B), the key characteristics of these newly emerging economic orders are the inter-marriage of political and economic power in the hands of the ruling few and their clients. This runs counter to the (economic) logic the international financial institutions assumed when promoting liberal economic transformation. By contrast, the new Arab economic orders are characterized by highly intransparent decision-making structures, legal bases that largely prevent competition-based market economic activity, a structural absence of the rule of law, high transaction costs, and the striking predominance of informal personalized interactions over formal rules and regulations. This means that socio-political structures, lying both in the nature of the regimes themselves and in society at large, have fundamentally shaped the outcomes of economic reform in this region. This specific type of capitalism shares many of its defining attributes with market economies, but differs profoundly from market orders in that the latter's core components, namely competition and the institutions which guarantee it, are for the most part either systematically absent or dependent on personalized connections to those who have the political power to guarantee (non-market) economic success. Part (III) presents a checklist of characteristics that enables the observer to recognize such economic orders that have implemented structural economic reforms in an only partial and/or selective fashion. Moreover, it reflects on policy recommendations and demonstrates the relevance of this phenomenon beyond the Arab region. The type of economic order discussed here is framed as 'patrimonial capitalism' - a term signalling the predominance of an anti-market political logic of power maintenance that shapes both the economic reform process and, subsequently, the emerging economic order.

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