Exzentrisches Erzählen. Techniken literarischer Positionierung am Beispiel von Karen Blixen und Gyrðir Elíasson

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-54591
http://hdl.handle.net/10900/46851
Dokumentart: Masterarbeit
Date: 2010
Language: German
Faculty: 5 Philosophische Fakultät
Department: Germanistik
DDC Classifikation: 800 - Literature and rhetoric
Keywords: Exzentrizität , Exzentrizität <Soziologie> , Heterotopie , Lotman, Jurij M. , Blixen, Tania / Seven gothic tales , Blixen, Tania / The monkey
Other Keywords: Exzentrisches Erzählen , Semiosphäre
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Inhaltszusammenfassung:

In dieser Arbeit soll versucht werden, Exzentrizität als ein literarisches Positionierungsverfahren nachzuweisen, das über Sprach- und Ländergrenzen hinweg funktioniert und sowohl von weiblichen als auch von männlichen Autoren verwendet wird. Die behandelten Texte stehen außerhalb des Kanons, obwohl sie aufgrund ihrer Qualität und ihrer Wirkung nicht als marginale Texte bezeichnet werden können. Sie positionieren sich sowohl innerhalb des literarischen Systems, als auch intratextuell exzentrisch. Jedes der drei Kapitel der Untersuchung erarbeitet sich – ausgehend von unterschiedlichen Konzepten – eine Zugangsweise zum Phänomen der exzentrischen Positionierung und erprobt dann diese Zugangsweise an ausgewählten Texten. Das erste Kapitel befasst sich mit Exzentrizität als literarischem Verfahren. Ausgehend von Jurij Lotmans Konzept der Semiosphäre und Ina Schaberts Aussagen zur „foot-off-the-ground“-Literatur wird der Unterschied zwischen a-zentrischen und ex-zentrischen Texten herausgearbeitet. Demnach bezieht sich a-zentrisch auf die Erzählstruktur eines Textes und bezeichnet eine Struktur ohne Zentrum. Die Ex-zentrizität eines Textes besteht hingegen in seinem Verhältnis zu einem Zentrum, das sowohl innerhalb des Textes – dann hat der Text eine exzentrische Struktur – oder außerhalb des Textes liegen kann – dann ist der Text im literarischen System exzentrisch positioniert. Diese exzentrische Positionierung eines Textes, die sowohl auf der inhaltlichen und auf der erzähltechnischen Ebene geschehen kann, als auch innerhalb der literarischen Semiosphäre wird anhand der Erzählungen von Karen Blixen demonstriert. Das zweite Kapitel befasst sich mit der Frage, wie diese exzentrischen Orte gestaltet sind und wie sie aus einer nicht exzentrischen Außenperspektive wahrgenommen werden. Mit Hilfe von Foucaults Konzept der Heterotopie soll gezeigt werden, wie sich in literarischen Texten an Orten der Heterotopie erzählte Exzentrizität und exzentrische Erzähltechnik verschränken. Mittels dieses Konzepts wird auch erklärt, warum Island und seine Einwohner so häufig als exzentrisch wahrgenommen werden, warum es aber gerade deswegen notwendig ist, einen genaueren Blick auf die Texte von Gyrðir Elíasson zu werfen, um zu überprüfen, ob sie sich auch selbst exzentrisch positionieren. Die exzentrische Bewegung in Zeit und Raum wird im dritten Kapitel demonstriert, das sich mit zwei Werken von Gyrðir Elíasson befasst. Gyrðir Elíassons Texte werden von dieser Bewegung angetrieben. Die Texte selbst wie auch ihre Protagonisten bewegen sich immer weiter vom Zentrum weg, wodurch sowohl beim Leser als auch im Protagonisten ein Gefühl der Leere, der Indifferenz und Gleichgültigkeit gegenüber Normen und gesetzten Werten entsteht, ohne dass dabei jedoch die für die Fortsetzung der Lektüre notwendige Spannung verloren geht. Diese Bewegung vollzieht sich jedoch auch in der Zeit, so dass zwar am Ende des „Schlafrads“ sich eine Umdrehung und damit ein Kreis zu schließen scheint, dass es sich aber um eine spiralförmige Bewegung handelt, die letztendlich nie abgeschlossen ist und die das Scheiternmüssen aufgrund der Zerrissenheit in der exzentrischen Positionalität symbolisiert. Die Arbeit will exzentrisches Erzählen als literarisches Verfahren näher definieren und mit einem Blick auf gemeinsame Phänomene – wie etwa das der Heterotopien – in Beziehung zu raumtheoretischen Überlegungen setzen. Es wird der Versuch unternommen, die Werke von Gyrðir Elíasson als exzentrische Texte zu klassifizieren. Karen Blixens Erzählungen dienen dabei als Referenztexte einer exzentrischen Erzählweise. Dabei soll es nicht darum gehen, ein Genre des exzentrischen Erzählens zu etablieren. Das wäre in letzter Konsequenz paradox, da sich die Texte, die hier als exzentrisch beschrieben werden, gerade nicht in herkömmliche Genres einordnen lassen. Die Texte entstammen verschiedenen Zeiten und Räumen und sind auch sonst völlig heterogen. Dennoch weisen sie in bestimmten Punkten große Ähnlichkeiten auf. Exzentrisches Erzählen wird in dieser Arbeit somit eher als eine Familienähnlichkeit nach Wittgenstein verstanden, denn als Genre. Vor dem Hintergrund verschiedener literaturtheoretischer und kultursemiotischer Konzepte und anhand der Ähnlichkeiten der Texte von Karen Blixen und Gyðir Elíasson soll am Ende der Untersuchung die Erarbeitung einer Theorie des exzentrischen Erzählens geleistet worden sein.

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