Stiftung und Stifter im 15. Jahrhundert - Das Hôtel-Dieu in Beaune und das St. Nikolaus-Hospital in Cues

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-7372
http://hdl.handle.net/10900/46186
Dokumentart: Masterarbeit
Date: 1999
Language: German
Faculty: 5 Philosophische Fakultät
Department: Sonstige - Philosophie und Geschichte
DDC Classifikation: 900 - History
Keywords: Stiftung , Stifter , Mittelalter / Geschichte 1250-1500 , Hospital , Nikolaus <von Kues> , Krankenpflege , Beaune , Armenhaus , Burgund
Other Keywords: St. Nikolaus-Hospital , Hôtel-Dieu in Beaune , Nicolas Rolin , Mäzenatentum , Arme , Kranke
foundation , Nicolas Rolin , Nikolaus von Kues , Cusanus , Beaune , Hôtel-Dieu , hospital
License: xmlui.dri2xhtml.METS-1.0.item-dc-rights_value_ubt-nopod
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Inhaltszusammenfassung:

Burgund und das Moseltal haben mehr gemeinsam als nur den Weinanbau. In den beiden Regionen, die Luftlinie etwa 400 Kilometer voneinander entfernt liegen, wurden beinahe zur gleichen Zeit, nämlich 1443 und etwa 1450, zwei Hospitäler gestiftet, die bis zum heutigen Tag bestehen. Es handelt sich um das Hôtel-Dieu in Beaune und das St. Nikolaus-Hospital in Kues. Beide Anlagen waren von ihren Gönnern dazu gedacht, notleidenden Menschen kostenlos zu helfen. Die beiden Stifter scheinen einiges gemeinsam zu haben. Beide entstammten bürgerlichen Familien, studierten Recht und machten außerordentliche Karrieren: Nicolas Rolin wurde Kanzler von Burgund, Nikolaus von Kues erhielt die Kardinalswürde. Und nicht zuletzt stifteten beide Männer in fortgeschrittenem Alter ein Hospital in ihrer Heimat. Der Vergleich der beiden Hospitalstiftungen schien zunächst deren Ähnlichkeit immer mehr zu betonen. Vorgehensweise der Stifter, Ideen und selbst einige Details in der Ausführung fanden frappierende Entsprechungen in der jeweils anderen Anstalt. Doch bei der essentiellen Frage nach den Aufgaben und der Ideologie der Hospitäler ließen sich auffallende Unterschiede feststellen. Während das Hôtel-Dieu eine gemischtgeschlechtliche „Massenanstalt“ war, erschien das St. Nikolaus-Hospital als eine kleine religiöse Eliteanstalt, ausschließlich für alte Männer bestimmt. Heutzutage würde man das St. Nikolaus-Hospital, wie Cusanus es gestaltet hatte, als ein religiöses Alten- oder Pflegeheim für Männer bezeichnen. Das Hôtel-Dieu Rolins dagegen entspricht bereits in vielen Punkten der heutigen Vorstellung von einem Krankenhaus. Beide Männer hatten sehr viel Geld und Energie in ihre Hospitäler gesteckt, sie schienen denselben Traum vom Hospital in ihrer Heimat gehabt zu haben. Daß sich die tatsächlichen Ausführungen dann mehr voneinander unterschieden als die ursprüngliche Konzeption erwarten ließ, mag an ihren unterschiedlichen Biographien liegen. Die Antwort auf die Frage, weshalb die Stifter so viel Geld ausgerechnet in ein Hospital investierten, fällt für beide Männer in weiten Teilen gleich aus. Beide hatten private, religiöse und soziale Gründe für ihre Stiftungen, und lediglich die privaten Gründe unterschieden sich deutlich voneinander. Während Rolin den Familienruhm erfolgreich zu steigern versuchte, handelte Cusanus eher aus seiner persönlichen Einsicht in die Nichtigkeit des kirchlichen Reichtums heraus, die er nach seiner Niederlage von Brixen gewonnen hatte. Die religiöse Motivation war bei beiden Männern gleich: Sie sorgten sich angesichts ihres fortgeschrittenen Alters um ihr Seelenheil und wollten sich mit Hilfe der Hospitalstiftungen einen Platz im Paradies sichern. Die sozialen Gründe schließlich waren ähnlich, denn Not litt die Bevölkerung beider Regionen, und die Stifter versuchten auf ihre Weise, dem Abhilfe zu schaffen. Daß ihre Wahl ausgerechnet auf Hospitalstiftungen fiel, war kein Zufall. Es bestand großer Bedarf an Hospitälern. In Burgund gab es nach den Wirren des Hundertjährigen Krieges und dessen Folgen kaum mehr intakte Versorgungseinrichtungen. Im Reichsgebiet herrschte allgemein soziale Unsicherheit, die durch verschiedene Faktoren verursacht worden war. Der Kaiser war nicht mehr mächtig genug, um das Erstarken und damit auch das Konkurrieren kleinerer Fürstentümer lenken zu können, das Papstschisma hatte tiefe Verunsicherung in der Bevölkerung hervorgerufen, außerdem hatten die Menschen sehr unter den Pestepidemien gelitten. Im Volk herrschte nun Sehnsucht nach sozialer Absicherung, wie sie eine Einrichtung der Art des St. Nikolaus-Hospitals bieten konnte. Die Wahl der beiden Stifter war aber nicht nur aus uneigennützigen Gründen auf ein Hospital gefallen. Das Wohlwollen Gottes wurde bei einer Hospitalstiftung nicht nur durch die großzügige Schenkung gewonnen, sondern vor allem auch dadurch, daß Menschen geholfen wurde, die infolgedessen für die Vergebung der Sünden ihrer Gönner beteten. Die Stifter hatten damit bis in alle Ewigkeit Fürsprecher für ihr Seelenheil.

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