Die Hyperaktivität und ihre biologischen und psychischen Korrelate – ein Vergleich zwischen Anorexia Nervosa Patientinnen, Ausdauersportlerinnen und Kontrollprobandinnen

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-72355
http://hdl.handle.net/10900/46138
Dokumentart: Dissertation
Date: 2013
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Medizin
Advisor: Zipfel, S. (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2013-10-30
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Anorexia nervosa , Depression , Ausdauersport , Hyperkinese , Angst
Other Keywords: Hyperaktivität , Leptin
Hyperactivity , Endurance sport , Anxiety
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Inhaltszusammenfassung:

Die psychische Erkrankung Anorexia Nervosa (AN) spielt in der heutigen Zeit eine große Rolle, bedingt nicht nur durch das junge Erkrankungsalter, sondern besonders durch die Gefahr der chronischen Verläufe und der damit ebenfalls verbundenen erhöhten Mortalität. Lag das Augenmerk lange besonders auf der Essensvermeidung, rückt in letzter Zeit auch die Hyperaktivität, die bei vielen AN Patientinnen vorliegt, in den Mittelpunkt. Diese Hyperaktivität beschränkt sich nicht nur auf körperliche Aspekte, wie intensives Training und viele Spaziergänge, sondern auch auf psychische Aspekte, wie innere Unruhe und Nervosität. Besonders das Gesamtausmaß der körperlichen Hyperaktivität und die Analyse der unterschiedlich intensiven Parametern dieser, wurden bislang bei AN Patientinnen nicht detailliert erfasst. Ebenso liegen keine Ergebnisse vor, wie sich die Hyperaktivität und ihre Bedeutung für die AN Patientinnen im Laufe der Erkrankung entwickelt. Obwohl die Hyperaktivität unter anderem chronische Verläufe bedingt. Zudem wird das Proteohormon Leptin, produziert hauptsächlich von Adipozyten, als einflussreicher Faktor der Hyper-aktivität bei AN Patientinnen diskutiert. Das Ziel dieser Arbeit lag somit auf der exakten Erfassung der Hyperaktivität bei 17 AN Patientinnen und die mit ihr verbundenen psychischen und biologischen Eigenschaften. Im Vergleich dazu standen 17 Ausdauersportlerinnen, die ebenfalls eine hohe körperliche Aktivität aufweisen, und 16 Kontrollprobandinnen. Die Analyse der körperlichen Aktivität und der psychischen Eigenschaften sowie dem Essverhalten erfolgte über psychometrische Fragebögen, zusätzlich wurden über eine Bioimpedanzanalyse die Körperzusammensetzung und über eine Blutentnahme der Leptinspiegel bestimmt. Bereits die Betrachtung der körperlichen Aktivität zeigte, dass AN Patientinnen sich auf allen Ebenen mehr bewegen als die zwei Vergleichsgruppen, besonders beeindruckend ist dabei das erhöhte Trainingspensum gegenüber den Ausdauersportlerinnen. Insgesamt liegt die gesamte körperliche Aktivität bei fast sechs Stunden pro Tag. Dabei gilt zu beachten, in welchem physischen Zustand sich die AN Patientinnen befinden. Im Einklang mit der bisherigen Datenlage lässt sich vor allem das Schuldgefühl beim Nichtausüben des Sportes als wichtiger Unterscheidungsfaktor der AN Patientinnen zu den Ausdauersportlerinnen und ebenso zu den Kontrollprobandinnen finden. Zudem muss dem Gehen in Zukunft eine größere Bedeutung beigemessen werden. Bislang wurde das Gehen von AN Patientinnen als „nicht körperlich aktiv“ abgetan und von Ärzten und Therapeuten häufig nicht explizit erfragt. Zeigt sich doch, dass der Parameter „Gehen“ der einzige ist, der positiv bei AN Patientinnen mit der Depressivität und der Angst in Verbindung und zudem in Relation mit der persönlichen Bedeutung und dem pathologischen Ausmaß der ausgeübten körperlichen Aktivität steht. Somit scheint das einfache Gehen, nicht jedoch das Training oder die anstrengende körperliche Aktivität ein wesentliches Mittel zu sein, die Angst und Depressivität bei AN Patientinnen zu kompensieren. Die Bedeutung des Leptins im Zusammenhang mit der Hyperaktivität der AN Patientinnen konnte nicht bestätigt werden. Hervorzuheben ist, dass in der Gruppe der AN Patientinnen eine längere Erkrankungsdauer mit einem erhöhten Kalorienverbrauch durch körperliche Aktivität einhergeht. Es bedarf jedoch größerer Probandenzahlen und einer Längsschnittstudie um diesen Zusammenhang zu bestätigen. Kurzfristig gilt es, die Hyperaktivität der AN Patientinnen besser zu erfassen und zu verstehen, um diese langfristig noch effektiver in das Therapieschema der AN einzubauen.

Abstract:

Anorexia nervosa (AN) a serious mental disorder, which is characterized by a young age of first onset and especially by the risk of chronicity and thus associated increased mortality. Focused for a long time on the avoidance of food, now the hyperactivity is gaining more attention in research, which is present in many AN patients.This hyperactivity is not limited to physical aspects, such as intensive exercise and walkings, but also on psychological aspects as inner restlessness and nervousness. In particular the full extent of the physical hyperactivity and their analysis of the different parameters, have not been measured in detail in AN patients. Likewise, there are no results concerning the development of the hyperactivity and its impact on the course of disease. However hyperactivity is often associated with a chronic course. Besides, the proteohormone leptin, produced mainly by adipocytes, is under discussion as an important factor concerning the hyperactivity in AN. Therefore, the aim of this thesis was focused on an accurate assessment of the hyperactivity by 17 AN patients and the psychological und biological attributes associated with it. In comparison to 17 female endurance athletes who also show a high physical activity, and 16 control subjects. The analysis of physical activity and psychological attributes as well as the eating behaviour were carried out via psychometric questionnaires. In addition the body composition was assessed by a bioelectrical impedance analysis and the leptin levels by a blood taking. Already the analysis of physical activity revealed that AN patients show higher physical activity at all levels assessed as compared to both control groups, particularly impressive is the increased training workload compared to the endurance athletes. Total daily quantity of physical activity in AN patients was almost six hours. This is especially concerning taking the physical condition of the AN patients into account. According to the literature available, the feeling „guilt when not exercising" is an important distinguishing factor of AN patients and endurance athletes and also to the control subjects. Furthermore, more emphasis has to be ascribed to simply „walking“. Up to now the quantity of „walking“ by patients has been neglected as „not physically active“and has been not explicitly assessed by doctors and therapists. „Walking“ turned out to be the only parameter correlating positive in AN patients with depression and anxiety and in addition in relation to the personal importance and the pathological extent of the applied physical activity. Consequently the „walking“seems to be a strong approach to regulate depression and anxiety in AN patients. The importance of leptin in connection with hyperactivity of AN patients could not be confirmed. Noteworthy, longer duration of disease is associated with increased calorie expenditure through physical activity in the group of AN patients. However, greater sample of subjects of a longitudinal study is needed to confirm this relation. In the short term, we have to comprehend and understand mechanisms of hyperactivity in AN in order to integrate this knowledge more effectively in the treatment of affected patients.

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