Praktisches Jahr Allgemeinmedizin: Eine erste Evaluation aus Sicht der Studierenden an der Universität Tübingen

DSpace Repository


Dateien:
Aufrufstatistik

URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-60059
http://hdl.handle.net/10900/45942
Dokumentart: Dissertation
Date: 2012
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Sonstige
Advisor: Lorenz, Gernot (Prof. Dr.)
Day of Oral Examination: 2010-11-10
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Praktisches Jahr , Allgemeinmedizin , Evaluation , Medizinische Ausbildung , Lehre
Other Keywords:
Elective family medicine , Medical education , Family practice
License: Publishing license including print on demand
Order a printed copy: Print-on-Demand
Show full item record

Inhaltszusammenfassung:

Einleitung: Das Wahlfach Allgemeinmedizin (AM) kann nach der Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) seit 2003 im Praktischen Jahr (PJ) des Medizinstudiums belegt werden und stellt somit nach wie vor eine Neuheit in der Ausbildung an deutschen Hochschulen dar. Die ersten Studierenden absolvierten 2006 das PJ-Tertial AM und die Daten über die Lehrsituation sind eher spärlich. Mit dieser Arbeit wurde in Form eines Fragebogens ein semi-qualitatives Feedback der ersten Studierenden mit Wahlfach-Tertial (WFT) AM in Tübingen eingeholt, ihr Meinungsbild bezüglich ihres Lernzuwachses zu den in §28 der ÄAppO genannten Lerninhalten (Prüfungsinhalte des Zweiten Ärztlichen Staatsexamens) erhoben und geprüft, ob die vom Lehrbereich Allgemeinmedizin angestrebten Niveaustufen zu bestimmten Lernzielen mit den Einschätzungen der Studierenden vergleichbar sind. Methoden: Befragung der ersten 22 konsekutiven Tübinger Studierenden des PJ-Tertials AM und einer Kontrollgruppe (KG, n=22, mit unterschiedlichen Wahlfächern) anhand eines standardisierten Fragebogens nach dem jeweiligen WFT. Die Erhebung des semi-qualitativen Feedbacks erfolgte über 5 offene Fragen (zu positiven und negativen Eindrücken, zu Defiziten sowie zu bedeutsamen und weniger bedeutsamen Lerninhalten). Die Studierenden sollten ihre fünf wichtigsten Punkte in absteigender Wertigkeit zu jeder Frage nennen. Die Antworten wurden mit Punkten gewichtet und zu Clustern geordnet. Im zweiten Teil wurden beide Gruppen zu den 17 Lerninhalten nach §28 der ÄAppO und zu 9 zusätzlich formulierten Lerninhalten (z.B. „Epidemiologie“) mittels einer 10-stufigen Ordinalskala befragt. Verglichen wurden die Angaben durch den Wilcoxon-Rangsummen-Test. Im dritten Teil sollten nur Studierende mit WFT AM zu den vorgegebenen Lernzielen (allgemein-praktische Lernziele, Anamnese und Untersuchung bei häufigen Leitsymptomen und Diagnostik und Therapie bei häufigen Krankheitsbildern) eine Selbsteinschätzung gemäß Niveaustufen (modifiziert nach Miller) vornehmen. Diese wurden auf Übereinstimmung mit den vorformulierten Lernzielpräzisierungen des Lehrbereichs AM unter Anwendung von Perzentilen und des Wilcoxon-Vorzeichen-Rangsummen-Tests geprüft. Die Ergebnisse der Wilcoxon-Testungen wurden jeweils nach Bonferroni korrigiert. Ergebnisse: Die Feedbackerhebung ergab ein relativ homogenes Bild mit ähnlicher Clusterbildung (z.B. Fähigkeiten und Fertigkeiten) zu den einzelnen Fragen in beiden Gruppen, welche sich häufig auch in der Gewichtung ähnlich waren. Die PJ-Studierenden beider Gruppen bewerteten „Betreuung und Arbeitsbedingung“ als positiv. Im AM-Tertial wurde „Organisation“, von der KG „Aufgabenfeld“ negativ bewertet. Im zweiten Teil lernten die Studierenden mit WFT AM zu fast allen Lernzielen mehr dazu. Signifikante Unterschiede zeigten sich in den Bereichen „Prävention“, „Salutogenese", „Regeln des Rezeptierens" und „Gesundheitsökonomie". Signifikante Unterschiede bei den zusätzlich formulierten Lernzielen ergaben sich bei 4 der 9 Lerninhalte: „Heim- und Hausbesuch“, "Umgang mit häufigen Krankheiten", „ganzheitliche Betrachtungsweise" und "angrenzende Fachgebiete. Im Vergleich der Niveaustufeneinschätzung zwischen den Studierenden und dem Lehrbereich schätzten sich die Studierenden des WFT AM in allen Teilbereichen zu mehr als 60% der Lernziele gleich oder besser ein. Außerdem gab es in allen Teilbereichen sowohl signifikant bessere als auch signifikant schlechtere Einschätzungen. Nur in den Bereichen Untersuchung bei häufigen Leitsymptomen und Therapie bei häufigen Krankheiten gab es keine signifikant schlechteren Einschätzungen der Studierenden. Diskussion und Schlussfolgerung: Der erste Teil des Fragebogens zeigt durch die wenig divergierende Clusterbildung das die Studierenden aller Wahlfächer ähnliche Dinge positiv wie negativ bewerten. Das Wahlfachtertial AM wurde tendenziell besser bewertet (mehr Punkte bei den positiv formulierten Fragen, eher weniger bei den negativ formulierten). Bei der Einschätzung zu den verschiedenen Lernzielen stuften sich die Studierenden mit AM-Tertial bezüglich aller Lernziele (nach §28 der ÄAppO und den zusätzlich formulierten des Lehrbereichs) nicht signifikant schlechter ein als Studierende der KG, sondern zu einigen sogar signifikant besser. Daher kann man vermuten, dass diese Lernziele (v.a. die das §28 der ÄAppO) im PJ-AM ebenso erreicht werden können wie in anderen Wahlfächern. Der dritten Teil zeigt auf, dass die Einschätzung der Studierenden im Vergleich zu den vom Lehrbereich AM angestrebten Niveaustufen noch in manchen Gebieten (z. B. allgemein-praktische Lernziele) abweichen.

Abstract:

Background: Since the revision of the medical licensure act (ÄAppO) 2003, family medicine (FM) has been installed as a four month lasting elective (eFM) in the final year of the medical school curriculum. The first students absolved the eFM in 2006 at the University of Tübingen. One purpose of this evaluation was to receive the feedback from the first students on the eFM at the University of Tübingen with an semi-qualitative Question form. An other aim of this study was to collect data on students self-assessment of features proved at the final exams which are defined in § 28 of the ÄAppO. A third goal was to compare the teachers education aim with the students opinion about the received education level: Defining a specific level for each goal and asking the students to define for themselves the designated level. Methods: Survey among the first 22 eFM students of the University of Tübingen and a control group (cg; n=22; other elective courses) valued at standardised questionnaire after the elective. The enquiry of the semi-qualitative Feedback occurred with 5 open questions (about positive/negative impressions, about deficits and about important/less important study contents). Naming the 5 most important answers of each question in the order of importance, the answers were given points, arranged in the order of precedence and rearranged into clusters. The second part of the evaluation contained questions about the 17 study contens named at §28 of the ÄAppO and 9 extra specific FM contents (like “Epidemiology”) by means of a 10-point ranking scale for self-assessment. Applying the Bonferroni method, the groups were analysed by means of the Wilcoxon rank-sum test. In the third part (which was exclusive for FM-students) there were specific study contents for self-assessment given (general-practice contents, medical history and examination, diagnostic investigation and therapy at common disease patterns). The results were compared with the pre-defined phrases of the FM department using Wilcoxon signed-rank test applying the Bonferroni method. Results: The results from the first questionnaire part showed a homogeneous pattern with the possibility to build similarly cluster to each question in both groups. "Supervision and work surrounding" was top-ranked in both groups. Students with eFM ranked low "organisation", from the cg was "scope of duties" low-ranked. Concerning students self-assessment of features proved at the final exams the medians of almost all features of § 28 of the ÄAppO were higher in the eFM group. Significant results in favour of the eFM group were obtained in terms of the features “health economy” (median [eGP/cg] 8 / 5, p < 0,0001), “Rules of drug prescription” (median 8 / 1, p < 0,0001), “Salutogenesis” (median 7 / 3, p = 0,001) and “prevention” (median 8 / 2,5, p = 0,001). Concerning the special-FM items we achieve 4 significant items out of 9: " home visit by the doctor"(8/0; p<0,0001), "often ocurring diseases" (8/7; p=0,004), "holistic medicine"(7,5/3,5; p<0,0001) and " interdisciplinary work" (7/4,5; p=0,002). Comparing the self-assesments with the aimed learning level of the FM faculty in the third part of the questionnaire the students rank themselfes in more then 60% of the items better or equal to the aimed score. For the items "examination" and "therapy" there is no significance in worse self-asessment of the students. Conclusion: The results provide further informative basic data on the learning and teaching situation of the eFM. The first questionnaire part shows with the homogeneouse clusters in all questiones and both groups that students of all disciplines evaluate similar things positively and negativly. There´s a drift to a better appraisal of the eFM (more points in the positive questions and less in the negative ones). The assessements of the features of §28 was for the cg students not significantly better then for the eFM students, quire the contrary in some cases. It is suggested that the features of § 28 can be achieved by the students during the eFM too. The third part shows that the achievement of the level of education aimed from the FM faculty is not yet fully accomplished. The results are also interesting interms of the discussion to introduce FM in the final year of medical school curriculum as a further required subject besides internal medicine and surgery. In a next step, it keeps to be evaluated whether the features of § 28 can actually be achieved by the students.

This item appears in the following Collection(s)