Retrospektive Analyse von Patienten mit Mehrfachmalignomen des Gastrointestinaltraktes

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-43400
http://hdl.handle.net/10900/45535
Dokumentart: Dissertation
Date: 2009
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Sonstige
Advisor: Bitzer, Michael (Prof. Dr. med.)
Day of Oral Examination: 2007-11-13
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Krebs <Medizin> , Mehrfachmalignom , Gastrointestinaler Tumor , Gastrointestinaltrakt
Other Keywords: Multiple Primärmalignome
Multiple primary malignancies , Multiple tumours , GI-tract , Cancer
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Inhaltszusammenfassung:

Mehrfachmalignome, allgemein definiert als multiple, autonom und voneinander unabhängig auftretende Tumoren im Körper eines individuellen Patienten, werden als eine relative Seltenheit angesehen. Durch sich ständig verbessernde diagnostische Methoden und neue Therapieansätze, welche dazu verhelfen, dass zunehmende Zahlen an Patienten die bedrohliche Erkrankung eines Malignoms durch eine kurative Therapie überleben, ist zu erwarten, dass die Inzidenzzahlen und die klinische Relevanz der Mehrfachmalignome an Wichtigkeit zunimmt. Aus der Datenbank des Tumorzentrums (Comprehensive Cancer Center) Tübingen wurden 348 Patienten identifiziert, bei denen innerhalb des Zeitraumes 1995-2005 Mehrfachmalignome diagnostiziert wurden und mindestens ein Malignom im Gastrointestinaltrakt lokalisiert war. Für die Definition der Mehrfachmalignome wurden die Kriterien von Waren und Gates60 angewandt. Aus der Datenbank und den Akten des Archivs der Universitätsklinik Tübingen wurden Daten zu Patientengeschlecht, -Alter, Malignomanzahl, Malignomlokalisation, Zeitintervalle zwischen den Diagnosestellungen der Mehrfachmalignome, Erkrankungsstadien, Familien-, Berufs- und Raucheranamnesen, sowie Überlebenszeiten der Patienten erhoben. Mit Hilfe des statistischen Programmes JMP wurde die statistische Analyse des Datenmaterials vorgenommen. Das Patientenprofil der gegebenen Gruppe und die klinischen Eigenschaften der Mehrfachmalignome in diesem Patientengut wurden beschrieben. In der gesamten Patientengruppe von 348 Mehrfachmalignomträgern wurden in 312 (89,7%) Fällen Doppelmalignome, in 28 (8,0%) Fällen Dreifachmalignome, in 7 (2,0%) Fällen Vierfachmalignome und in einem Fall (0,3%) ein Fünffachmalignom gefunden. 232 (66,7%) Patienten waren männlichen Geschlechts, 116 (33,3%) weiblichen Geschlechts. Es fanden sich 190 (54,6%) metachrone, 93 (26,7%) simultane und 65 (18,7%) synchrone Malignome in der gesamten Patientengruppe. Die Altersverteilung der Patientengruppe ergab annähernd eine Normalverteilung mit Höhepunkt bei der Altersgruppe der 60-69-Jährigen. Im arithmetischen Mittel betrug das Patientenalter bei Erstdiagnose 63,4 Jahre. Die häufigsten Malignomlokalisationen der gesamten Patientengruppe waren Rektum (11,5%), Kolon (10,3%) und Pharynx (7,2%). Bei Frauen traten Malignome des Kolons (F=21,2% vs. M=14,2%), Rektums (F=18,3% vs. M=16,2%) und des Magens (F=7,1% vs. M=4,6%) etwas häufiger als bei den Männern auf. Bei Männern traten dagegen Malignome des Pharynx (M=14,6% vs. F=2,5%), Ösophagus (M=13,0% vs. F=3,7%) und der Leber (M=3,6% vs. F=0,8%) häufiger auf. Im Vergleich zu Erstmalignomen nahm bei Zweitmalignomen die Häufigkeit der Ösophagus- (4,0% vs. 11,3%), Magen- (3,5% vs. 8,9%) und Pankreasmalignome (0 vs. 4,5%) tendenziell zu. Die häufigste Lokalisationskombination bei Doppelmalignomen der gesamten Patientengruppe waren Ösophagus-Pharynx (11,5%) und Kolon-Rektum (8,7%). Bei Patienten der Raucher-Untergruppe waren am häufigsten Malignome des Pharynx (20,9%), Ösophagus (16,4%) und Rektums (11,2%) vertreten. Im Vergleich dazu waren bei der Nichtraucher-Untergruppe am häufigsten Kolon (20,8%), Rektum (18,8%) und Mamma (9,4%) betroffen. Bei 93 (37,7%) der Patienten mit synchronen und metachronen Malignomen wurde das Zweitmalignom innerhalb des ersten Jahres nach dem Indextumor diagnostiziert. Bei 31,2% dieser Fälle wurde das Zweitmalignom schon innerhalb der ersten 1,5 Monate nach dem Indextumor diagnostiziert. Das Zeitintervall zwischen Erst- und Zweitmalignomdiagnose betrug im Median 1,7 Jahre (Q1 0,5 Jahre; Q3 3,5 Jahre) bei den Männern und 2,0 Jahre (Q1 0,4 Jahre; Q3 3,6 Jahre) bei den Frauen. Die Mediane Überlebenszeit der Männer betrug 25,7 Monate (Spannweite 115,4 Monate; Q1 11,6 Monate; Q3 50,8 Monate) im Vergleich zu 39,4 Monaten (Spannweite 109,2 Monate; Q1 22,3 Monate; Q3 60,1 Monate) bei den Frauen. In unserer Patientengruppe wurden die meisten Erst- und Zweitmalignome in den Stadien T1 oder T2, N0 oder N1, M0 und G2 diagnostiziert. Es zeigte sich eine Tendenz zugunsten höherer Stadien der Zweit- im Vergleich zu Erstmalignomen. Das Auftreten von Mehrfachmalignomen stellt ein relevantes klinisches Problem dar. Kenntnisse über das Vorkommen und die klinischen Eigenschaften der Mehrfachmalignome werden zunehmend wichtiger für die richtige Diagnosestellung, sowie die Gewährleistung einer adäquaten Nachsorge krebskranker Patienten und die Prävention. Bei Betreuung von Mehrfachmalignom-Patienten sollten unter anderem deren anamnestisch bekannte Risikofaktoren sowie Geschlecht und möglicherweise die geographische Region in Betracht gezogen werden. Auch bei einer kurz zurückliegenden Diagnose eines Malignoms sollte bei neuen Symptomen nicht automatisch von Problemen des diagnostizierten Malignoms oder dessen möglichen Metastasen ausgegangen werden, sondern auch an die Möglichkeit der Entwicklung eines Zweit- bzw. Drittmalignoms gedacht werden.

Abstract:

Multiple primary malignancies (MPMs) have been considered a relatively rare phenomenon. However, with improved diagnostic methods and therapeutic options that lead to a growing number of long-term cancer survivors, the incidence and importance of MPMs in clinical practice is expected to increase. In our study 348 patients with multiple primary malignancies were selected from the database of the Comprehensive Cancer Center Tübingen and their data retrospectively analyzed. All patients must have had at least one tumour originating from the gastrointestinal system and all diagnoses established between 1995 and 2005. The objective of the study was to describe patient profiles in our study group and to analyze the clinical characteristics of multiple primary malignancies in this patient population. Among the 348 patients, 312 (89.7%) had two primary tumours, 28 (8.0%) had three, 7 (2.0%) had four and one patient had five primary malignancies. One hundred and ninety (54.6%) cases were metachronous, 93 (26.7%) simultaneous and 65 (18.7%) synchronous cancers. Metachronous malignant tumours were more common in female patients, whereas simultaneous cancers occurred more often in males. The most common age group was that of 60-69 year-olds. Tumour localisations most frequently involved in MPMs of the digestive system were rectum (11.5%), colon (10.3%) and pharynx (7.2%). In female patients higher occurrences were observed compared to males in colon (21.2% vs.14.2%), rectum (18.3% vs 16.2%) and stomach (7.1% vs. 4.6% respectively). Conversely, male patients presented with a higher number of tumours of the pharynx (14.6% vs. 2.5%), esophagus (13.0% vs. 3.7%) and liver (3.6% vs. 0.8%) compared to females. Oesophageal, stomach and pancreatic cancers showed a slight increase in numbers as a second primary compared to the Indextumours (4.0% vs. 11.3%; 3.5% vs. 8.9% and 0 vs. 4.5% respectively). The most commonly associated non-gastrointestinal tumour types included skin (5.5%), breast (5.3%), prostate (5.1%) and hematopoietic system (3.2%). In 37.7% of patients with synchronous or metachronous cancers the second malignancy developed within one year of the first diagnosis. Interestingly, in nearly one third of those patients (31.2%) the second malignancy was diagnosed already within 6 weeks of the diagnosis of the first tumour. The median time interval between the first and the second MPM was 1.7 years in male and 2.0 years in female patients. The median time of survival for men was 25.7 months compared to women with 39.4 months. Most of the MPMs were diagnosed at the stage of T1 or T2, N0 or N1, M0 and G2. However, there was a tendency towards a higher stage in second primaries compared to Indextumours. Multiple primary malignancies pose a relevant problem to clinical medicine. Their early diagnosis is based on the awareness of the existing risk of a second or more primary tumour in cancer patients. Complemented with multidisciplinary treatment strategies as well as improved follow-up methods and preventive techniques using the known clinical characteristics and possible risk factors, the survival of these patients may substantially increase.

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