Studie zur Erhebung der Prävalenz des Fremdkindstillens bei Müttern in Lambaréné, Gabun

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-35925
http://hdl.handle.net/10900/45315
Dokumentart: Dissertation
Date: 2008
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Sonstige
Advisor: Klöpfer, Anna
Day of Oral Examination: 2007-11-21
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Stillen , Vertikale Übertragung , HIV , Muttermilch
Other Keywords: Fremdkindstillen
Shared breastfeeding , Breastfeeding , HIV , Vertical transmission
License: Publishing license including print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Internationale Richtlinien empfehlen Müttern mit gesunden Kindern das Vollstillen ohne Gabe von Zusatz von Wasser oder anderer Nahrung in den ersten 6 Monaten, danach sollte mit der Zufütterung begonnen werden. Stillen ist die optimale Ernährung für Neugeborene. Durch die ideale Zusammensetzung von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten gewährleistet Muttermilch eine gesunde und ausreichende Nahrungsquelle. Zudem fördert es nicht nur die Mutter Kind-Bindung, sondern bietet dem Neugeborenen einen Infektionsschutz. Besonders in Entwicklungsländern mit knappen Ressourcen ist das Stillen wichtig, um Neugeboren in den ersten Monaten eine gesunde Ernährung zu bieten. Es verhindert die Gabe von verunreinigtem Trinkwasser und schützt somit vor gefährlichen Infektionskrankheiten. Allerdings können beim Stillen auch bestimmte Krankheitserreger von der Mutter auf ihr Neugeborenes übertragen werden und somit eventuell ein Risiko für die Gesundheit des Kindes darstellen. Zu diesen Erregern zählt HIV-1. Die Übertragung von HIV-1 mit der Muttermilch wurde in unterschiedlichen Studien beschrieben und beträgt im Durchschnitt zwischen 14 und 29 %. Besonders in afrikanischen Ländern, welche am schwersten von der HIV-Pandemie betroffen sind, ist die Aufklärung der Mütter wichtig. Es müssen alle Vor- und Nachteile des Stillens sowie mögliche Risikofaktoren kenntlich gemacht werden, damit eine Mutter die beste Entscheidung im Sinne der Gesundheit ihres Kindes treffen kann. Die vorliegende Studie wurde in Lambaréné, Gabun, durchgeführt. 139 Frauen, die zu diesem Zeitpunkt ein Kind im Alter von 6-9 Monaten hatten und in Lambaréné ansässig waren, wurden in die Studie eingeschlossen. Die Studienteilnehmerinnen wurden dazu eingeladen, einen Fragebogen über die Ernährung ihres Kindes zu beantworten. Hierbei ging es vor allem um die Erfassung des ‚Fremdkindstillens’, ein Phänomen, welches bisher nicht wissenschaftlich untersucht wurde. ‚Fremdkindstillen’ bedeutet, dass eine Mutter hin und wieder zusätzlich zu ihrem eigenen Kind das Kind einer anderen Frau stillt. Die Studie zeigte, dass 40,3 % der stillenden Mütter mindestens ein weiteres Kind ‚fremdkindstillen’. Von diesen praktizieren 28,6 % das ‚Fremdkindstillen’ täglich, 25 % einmal pro Woche, 5,4 % einmal im Monat und 41,1 % gelegentlich. Die Häufigkeit hat hierbei Einfluss auf eine mögliche Übertragung von HIV in der Muttermilch. Zudem werden 39,6 % von den Kindern der Studienteilnehmerinnen von mindestens einer weiteren Frau ‚fremdgestillt’. 10,9 % von diesen Kindern werden täglich ‚fremdgestillt’, 27,3 % wöchentlich, 5,5 % einmal im Monat und 56,4 % gelegentlich. Die Studie zeigte jedoch auch, dass die Mütter über mangelnde medizinische Kenntnisse bezüglich einer möglichen Erregerübertragung in Muttermilch verfügen. 67 % der Mütter glauben zwar, dass eine Erregerübertragung auf ihr Kind stattfinden kann, genauere Angaben konnten allerdings nicht gemacht werden. 23 % sind der Meinung, dass keine Erregerübertragung stattfindet. Somit besteht in dieser Hinsicht zusätzlicher Aufklärungsbedarf, besonders in afrikanischen Ländern, in denen die HIV-Pandemie vorherrschend ist und hier das Risiko der Übertragung von HIV in Muttermilch besonders hoch ist. Doch auch andere Erreger können übertragen werden, hierzu zählen Tuberkulose, HTLV 1 und 2, HSV, Cytomegalie und Staphylokken. Hinsichtlich der Übertragung von Krankheitserregern mit der Muttermilch stellt das ‚Fremdkindstillen’ einen zusätzlichen Risikofaktor dar, der in Zukunft erfasst werden sollte. Aufgrund der ethnischen Vielfalt in dem Studienort und kultureller Ähnlichkeiten mit anderen zentralafrikanischen Gebieten ist anzunehmen, dass die Ergebnisse der Studie eine überregionale Bedeutung haben. Das ‚Fremdkindstillen’ sollte in Zukunft somit auch in internationalen Richtlinien für das Stillen sowie nationalen Gesundheitsprogrammen mit einbezogen werden. Zudem sollten weitere Studien stattfinden, um den Einfluss des ‚Fremdkindstillens’ auf die Übertragung von HIV und anderen Erregern mit der Muttermilch genauer abschätzen zu können.

Abstract:

UNICEF currently recommends breastfeeding with no other foods or liquids for the first six months of life, followed by breastmilk plus solid or semi-solid foods for 18 months. Breastmilk alone contains all the nutrients, antibodies, hormones and antioxidants an infant needs to thrive. It protects babies from diarrhoea and acute respiratory infections, stimulates their immune systems and their response to vaccination. It contributes to bonding between mother and child, and, according to some studies, confers cognitive benefits to the infant. In many developing countries breastfeeding is also important for preventing exposure to contaminated water supplies. However, there are also potential risks associated with breastfeeding including transmission of infectious agents. One such agent is HIV-1 for which the rate of mother to child transmission is described in various studies with a mean range between 14 % and 29 %. Breastfeeding recommendations have become a pivotal issue in confronting the HIV pandemic in Africa where the benefits and risks associated with breastfeeding have to be balanced in each case to make the best decision for a child’s health. This cross-sectional survey was conducted in Lambaréné, Gabon. A total of 139 women, who had 6-9 month old babies and were residing in Lambaréné, agreed to participate in this study. The participants were asked to answer a questionnaire regarding the nutrition of their child. The main objective was to estimate the prevalence of shared beastfeeding, a phenomenon which has never been described before. Shared breastfeeding is a situation in which an infant is regularly breast fed by more than one woman, usually including the biological mother and it is therefore different from wet-nursing. In this study 40.3 % of lactating mothers reported that they were additionally breastfeeding at least one child other than their own. The frequency of shared breastfeeding, which effects the potential transmission of HIV in breastmilk, was 28.6 % daily, 25 % weekly, 5.4 % monthly and 41.1 % occasionally. In addition, 39.6 % of their own children were being breast-fed by at least one other woman. The frequency of this was 10.9 % daily, 27.3 % weekly, 5.5 % monthly, and 56.4 % occasionally. The study revealed that while these mothers had no knowledge of the magnitude of the risk of infectious agent transmission via mother's milk, 67 % of them understood that pathogens could be transmitted to their child by breastfeeding. Only 23 % of those interviewed expressed the opinion that pathogens could not be transmitted via breastfeeding. There is a need for further education in this area, particularly in African countries where there is a high prevalence of HIV and the concomitant high risk of transmission via breastfeeding. In addition to HIV, other pathogens including tuberculosis, human T lymphotropic viruses 1 and 2, herpes simplex virus, cytomegalovirus and staphylococcus may also be transmitted. Shared breastfeeding is a novel factor in determination of the risk of transmission of infectious agents. Due to the ethnic diversity of subjects within this study area and similarities between the study region and other areas in Central Africa, these findings have broad implications for the larger geographical region. The risks and benefits associated with shared breastfeeding must be addressed in international recommendations regarding breastfeeding and national educational programmes for expectant mothers. In addition, further research is needed on the prevalence of shared breastfeeding and its role in the transmission of HIV and other diseases in Gabon and neighboring countries.

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