Behandlungsergebnisse polytraumatisierter Patienten der Chirurgischen Universitätsklinik Tübingen im Zeitraum 2002 / 03 unter besonderer Berücksichtung von Verletzungsschutz durch Airbag und Sicherheitsgurt

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-33873
http://hdl.handle.net/10900/45237
Dokumentart: Dissertation
Date: 2008
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Sonstige
Advisor: Domres, Bernd Prof. Dr. Dr.
Day of Oral Examination: 2008-04-25
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Polytrauma , Verkehrsunfall , Airbag , Sicherheitsgurt , Letalität
Other Keywords: PKW-Unfall
polytrauma , car accident , airbag , seatbelt , outcome assessment
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Inhaltszusammenfassung:

Diese Arbeit untersucht präklinische und klinische Aspekte bei Verkehrsunfallopfern. Im Rahmen des Qualitätsmanagements werden die Behandlungsergebnisse von in den Schockraum eingelieferten Patienten ermittelt und mit früheren Untersuchungen an der UKT und anderen Kliniken verglichen. Unter Berücksichtigung der zunehmenden Gurtnutzung, der serienmäßigen Pkw-Ausstat¬tung mit Airbag und ABS-Bremssystemen sowie Stabilisierungsprogrammen lassen sich Veränderungen von Verletzungsschwere, Verletzungsmustern und Outcome der verunfallten Fahrzeug¬insassen aufzeigen. Diese Studie erfasst retrospektiv insgesamt 834 Patienten, welche in den Jahren 2002 und 2003 in den Schockraum der Chirurgischen UKT eingeliefert wurden. Davon wurden 65 Pkw-Unfälle, in 20 Fällen auch unter Einsichtnahme der polizeilichen Unfalldokumentation, genauer aus¬gewertet. In 13 Fällen wurden kasuistisch Unfallhergang, Verletzungsschutz durch Sicherheitsgurt und Airbag, präklinische Versorgung und klinische Behandlung dargestellt. In den Monaten Mai bis Juli verunfallten im Jahresverlauf die meisten Menschen. Durchschnittlich wurden 35 Patienten pro Monat in den Schockraum eingeliefert (Max.: 56, Juli 2002 / Min.: 20, Januar 2003). An Freitagen und Samstagen sowie am späten Nachmittag (16-18 Uhr) fanden sich erhöhte Patientenzahlen. Mit 67% gegenüber 33% waren ca. zwei Drittel männliche Verletzte. Das Durch¬schnittsalter für 2002 betrug 39 (Max.: 91, Min.: <1), für 2003 52 Jahre (Max.: 98, Min.: < 1). Bei 74% der Patienten handelte es sich um Primär-, bei 26% um Sekundärtransporte. Mit 35% stellte der Pkw-Unfall die häufigste Unfallart dar, gefolgt von Stürzen mit 23% sowie Fahrrad- und Motorradunfall mit je 10%. Die Letalität betrug 18%, wobei mehr als die Hälfte der Verstorben ihren Verletzungen innerhalb der ersten 48 Stunden nach Verunfallung erlagen. Vergleiche mit früheren Studien an der UKT aus den Jahren 1979/80/81 und 1990/91 zeigen einen Trend hin zu älteren Patienten (> 75 Jahre) auf. Zudem konzentrieren sich die Einlieferungen auf die Sommermonate und die Wochenenden, während in Tages-, Alters- und Geschlechtsverteilung keine deutlichen Veränderungen festzustellen sind. Pkw-Unfälle sind heute wie auch in früheren Untersuchungen die häufigste Unfallart. Bei Pkw-Unfällen verunglücken etwa doppelt so viele Männer wie Frauen. Die 18-22 Jährigen waren mit 21% die größte Altersgruppe. Die durchschnittliche Anfahrtszeit des Notarztes (NA) betrug sieben Minuten (Max.: 27, Min.: 3). Mehr als die Hälfte der Patienten (61%) verunfallte als Fahrzeugführer, 25% als Beifahrer. Frontale Zusammenstöße waren die häufigsten Kollisionsart. 15% der Patienten standen zum Unfallzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol, eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit durch Drogen war in keinem der eingesehen Fälle dokumentiert. Den Beurteilungen des NA zufolge verblieben 54% der Patienten im Verlauf des Transportes in gleichem Vitalzustand, bei 46% wurde eine Verbesserung festgestellt. Der Vergleich der NA-Diagnosen am Unfallort mit den klinischen Befunden nach Abschluss der Diagnostik zeigt, dass Verletzungen aller Körperregionen vom NA eher überschätzt wurden. Bei Patienten nach Pkw-Unfall sind Kopf (75%) und Thorax (73%) am häufigsten betroffen. 25% der Patienten hatten abdominale Verletzungen, wobei Leberrupturen überwogen. Die Letalität bei Patienten nach Pkw-Unfall betrug 12%. Die Gurtanlegequote der eingelieferten Patienten lag bei lediglich 42%, was deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von über 90% ist. Anhand der am Unfallort durch den NA notierten Punktzahl nach Glasgow Coma Scale und auch eine Aufschlüsselung der Verletzungsmuster konnte ein effektiver Insassenschutz durch den angelegten Sicherheitsgurt belegt werden. In sechs Fällen lässt sich der Einsatz eines Airbag nachweisen. Dabei finden sich keine airbagspezifischen Verletzungsmuster wie Verbrennungen, Hörschäden oder Prellungen dokumentiert. Ein Verletzungsschutz durch Airbageinsatz konnte nicht nachgewiesen werden. Ein Grund dafür liegt in der durchweg erhöhten Unfallschwere bei Verkehrsunfällen mit Airbageinsatz, da die Sensoren des Pkw erst ab einer bestimmten kinetischen Energie und Dezeleration des Fahrzeugs eine Airbagauslösung bewirken. In den obigen Untersuchungsergebnissen bleibt offen, ob der Airbag trotz der hier nicht nachgewiesenen Wirksamkeit als Verletzungsschutz im Einzelfall dem Verunfallten das Leben gerettet hat. Der angelegte Sicherheitsgurt stellte sich in allen Erhebungen als effektivster Verletzungsschutz beim Pkw-Unfall heraus. Daher ist eine weitere Zunahme der Gurtanlegequote anzustreben.

Abstract:

This retrospective study analyses preclinical and clinical data of 834 trauma patients that occurred between 2002 and 2003 and were treated at the Dept. of surgery and transplantation of the Tübingen University Hospital. For our quality management we analyzed treatment results of these patients and compared these with earlier researches. Under consideration of the increasing usage of seatbelts, airbags, breaking systems and stabilizing systems, we found a change in the grades and types of injuries and outcome assessment in car accidents. We used a database to examine the epidemiology, frequency, cause and therapy of these trauma cases. 65 cases of car accidents were evaluated more detailed under insight of police records. The average number of admitted patients was 35 per month, maximum between May and July on Fridays and Saturdays late afternoon. Among these patients were 65% male and 33% female. Causes of injury were car accidents, 23% falls and 10% accidents with cycles as well as motorcycles. The lethality rate was 18%. More than 50% died in the first 48 hours after trauma. Comparisons with other descriptive researches (1979/80/81 and 1990/91) at Tübingen University Hospital accentuate a development towards older patients >75 years. In epidemiology and gender there were no remarkable changes verified. In all analysis car accidents were most common. People between the age of 18 and 22 years represented the highest percentage in car accidents. More than half of the injured were drivers. Most frequent type of accidents was a frontal collision. 15% were under the influence of alcohol, no cases of drug usage were documented. The comparison of diagnoses by emergency physicians with finished clinical diagnosis showed that every kind of injury was overestimated. In total, head and thorax were mostly involved. 25% had abdominal traumas with mainly liverruptures. Lethality rate in car accidents was 12%. Among the examined cases the rate of seatbelt usage was only 42%, which is far under the average rate of 90% in Germany. As well as the grades (with Glasgow Coma Scale) and the types of the injuries the positive effect of seatbelts were demonstrated. A safety benefit with an airbag could not be verified. We found no injuries that were caused by the airbag like burnings or bruising. A reason for these issues is the higher deceleration force in accidents with airbag application because the sensors only activate under impact of a higher level of kinetic energy. Like in our study a high number of analyses describe a higher efficiency of seat belts than airbags. Still, we assume that airbags can improve the grade of injury and survival, even though it was not demonstrated in our study. Irrespective, a further increasing percentage of people using seatbelts has to be aspired.

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