Die zeitliche Abfolge der Entwicklungsstufen zum freien Gehen bei gesunden Kindern: Eine statistische Analyse von Längsschnittdaten

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-26130
http://hdl.handle.net/10900/44939
Dokumentart: Dissertation
Date: 2006
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Sonstige
Advisor: Dietz, Klaus
Day of Oral Examination: 2006-10-31
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Motorische Entwicklung , Kinderheilkunde , Gesell, Arnold , Längsschnitt , Statistische Analyse
Other Keywords: Entwicklungsstufen , Freies Gehen , Referenztabellen , gesund , Kinder
succession , motor development , healthy children , Gesell
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Inhaltszusammenfassung:

Ziele: Die vorliegende Arbeit versucht Regeln aufzufinden, nach denen sich die motorische Entwicklung bei Kindern bis zum freien Gehen vollzieht. Sie soll validierte Referenzbereiche ausgewählter Entwicklungsstufen für die kinderärztliche Diagnostik vorlegen und klären, ob von dem Eintrittsalter einer frühen motorischen Fertigkeit auf das Eintrittsalter späterer Fertigkeiten geschlossen werden kann. Neue – womöglich klärende – Ergebnisse sollen insbesondere einfließen in die immer noch aktuelle Auseinandersetzung zwischen der Gesellschen Theorie einer Entwicklungs-Normabfolge und der modernen entwicklungsneurologischen Auffassung, dass sich gesunde Entwicklung in unterschiedlichen Abfolgen motorischer Fertigkeiten verwirklicht. Methode: Die Längsschnittdaten zu den Eintrittszeiten zehn ausgewählter motorischer Entwicklungsstufen wurden von 157 Tübinger Babies (79 Jungen, 78 Mädchen) in der Zeit von 1991 bis 1993 erfasst. Die Daten wurden für die Gesamtheit und nach Mädchen und Jungen getrennt ausgewertet. Optimierte Zeitparameter- und eingehende Sequenz- und Korrelationsanalysen bilden die Ergebnisgrundlagen. Ergebnisse: Die Abfolge der betrachteten motorischen Fertigkeiten ist für jedes Kind sehr individuell, es gibt fast keine identischen Verläufe. Trotzdem lassen sich den einzelnen Entwicklungsstufen typische Lebensalter und allgemeine „Entwicklungsspurts“ bestimmten motorischen Fertigkeiten und Altersbereichen zuordnen, so dass sich die Einzigartigkeit jeder Motorikbiographie mit Regelhaftem verbindet. Die Entwicklung der Jungen eilt mit Erreichen der Aufrichte- und Fortbewegungsmotorik derjenigen der Mädchen um etwa zwei Wochen voraus, und es lassen sich besonders bei Jungen, aber auch bei Mädchen eindeutig Entwicklungstrends nachweisen. So lässt sich ausgehend von dem Eintrittszeitpunkt einer frühen motorischen Fertigkeit mit einiger Sicherheit voraussagen, in welchem Zeitraum mit der Ausbildung einer bestimmten späteren Fertigkeit zu rechnen ist. Die Arbeit legt hierzu prognostische Tabellenwerke vor. Schlussfolgerung: Die gesunde motorische Entwicklung ist eine höchst individuelle Angelegenheit, die trotz wirksamer allgemeiner Regeln in sehr unterschiedlichen Abfolgen stattfindet. Es gibt keinen Automatismus, der von der motorisch-neurologischen Reife zur motorischen Fertigkeit führt. Umwelteinflüsse und innere Motive lenken die konkrete Entwicklung auf dem Hintergrund physiologischer Reife und der den Kindern innewohnenden individuellen Entwicklungsgeschwindigkeit. Die Gesellsche Auffassung gesunder motorischer Entwicklung ist nach den vorliegenden Ergebnissen nicht mehr zu vertreten.

Abstract:

Objective: The paper tries to detect rules of motor development in children up to the stage of unsupported walk. It wants to provide validated statistic reference ranges of selected developmental stages for paediatrician diagnosis. It has to show, whether it is possible to predict the age at entry of later motor skills at the age at entry of earlier motor skills. New, clarifying results shall be contributed to the still ongoing discussion between Gesell’s theory of a standard succession in the development of healthy children and the modern view of developmental neurology stating that healthy motor development shows varying sequences of motor stages. Method: The longitudinal data of the time of entry of ten selected developmental motor stages were gathered from 157 babies in Tübingen, Germany (79 male, 78 female) from 1991 to 1993. The data was evaluated separately for both sexes. The results are based on an optimized analysis of time parameters and in-depth analysis of sequences and correlations. Results: The succession of achievement of the regarded motor skills is highly individual for each child: there are nearly no identical sequences. Nevertheless you can assign typical ages to each of the developmental stages and common “developmental sprints” to special motor skills and ages. This indicates that within each motor biography uniqueness goes along with common rules. The boys’ development precedes the girls’ by approximately two weeks when reaching the skills to erect and to move forward. Both sexes clearly show trends of development, especially the boys: the age at which a later motor ability will be reached can be predicted with good probability based on the age of acquisition of earlier motor skills. For this purpose the paper provides prognostic tables. Conclusion: The healthy motor development is a very individual matter following widely varying successions, although based on common rules. Motor-neurological maturity does not automatically lead to motor skills. Influences from the environment and inner motives guide the path of the individual development on the background of physiological maturity and the babies’ individual speed of development. Based on these results, Gesell’s theory of motor development can no longer be supported.

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