Metakognition, Lateralität und Psychopathologie bei Patienten mit Schizophrenie

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-17334
http://hdl.handle.net/10900/44651
Dokumentart: Dissertation
Date: 2005
Language: German
Faculty: 4 Medizinische Fakultät
Department: Sonstige
Advisor: Kircher, Tilo
Day of Oral Examination: 2005-05-10
DDC Classifikation: 610 - Medicine and health
Keywords: Schizophrenie , Metakognition , Selbsteinschätzung , Lateralität , Krankheitseinsicht
Other Keywords:
schizophrenia , metacognition , reflexitivity , laterality , insight
License: Publishing license excluding print on demand
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Inhaltszusammenfassung:

Der Grad der Krankheitseinsicht hat Bedeutung für die Selbstwahrnehmung wie auch für Behandlung und Prognose von Patienten mit Schizophrenie. Mit der vorliegenden Arbeit sollte untersucht werden, ob sich Patienten von gesunden Kontrollprobanden hinsichtlich metakognitiver und lateralitätsbezogener Fähigkeiten unterscheiden. Weiterhin stellte sich die Frage nach Korrelationen zwischen Krankheitseinsicht (sowie anderen psychopathologischen Variablen) und Metakognition bzw. Lateralitätsmaßen innerhalb der Patientengruppe. METHODIK: 27 Patienten mit Schizophrenie und 19 gesunde Kontrollprobanden nahmen an den Untersuchungen teil. Die beiden Gruppen unterschieden sich nicht hinsichtlich Geschlechterverteilung, Alter, Ausbildung, verbaler Intelligenz und Arbeitsgedächtnis. Insgesamt wurden 5 Versuche durchgeführt. Versuch I diente der Untersuchung der objektiven Gedächtnisleistung (Memory Accuracy) und der Einschätzung der eigenen Gedächtnisleistung (Confidence Level). Mit Versuch II wurde die Fähigkeit zur subjektiven Selbst- und Fremdeinschätzung untersucht, wobei die Probanden Adjektive, die Persönlichkeitseigenschaften beschreiben, verschiedenen Personen zuschreiben sollten. Die Versuche III-V befassten sich mit lateralitätsbezogenen Fähigkeiten und sollten Objektwahrnehmungsstörungen bzw. eine Störung der visuellen Daueraufmerksamkeit (Extinktion bei bilateral-simultaner Stimulation) untersuchen. Die Versuche wurden an einem Computer durchgeführt, wo die Stimuli am Bildschirm präsentiert wurden und die Probanden durch Tastendruck antworteten. Abhängige Variablen waren immer Reaktionszeit und Fehlerrate. ERGEBNISSE: Versuch 1: Es konnte gezeigt werden, dass zwischen Patienten und Kontrollen keine Unterschiede in der Gedächtnisleistung (Memory Accurracy) bestehen, die Selbsteinschätzung der Gedächtnisleistung (Confidence Level) bei den Patienten jedoch beeinträchtigt ist. Mit steigender Krankheitseinsicht nimmt die Anzahl der Erinnerungsfehler bei den Patienten ab. Versuch 2: Die Patienten weisen signifikant längere Reaktionszeiten zur Selbst- aber nicht zur Fremdeinschätzung im Vergleich zu Gesunden auf. Die relative Selbsteinschätzungszeit korreliert positiv mit der Krankheitseinsicht. Versuche III-V: Die Untersuchung lateralitätsbezogener Fähigkeiten konnte keine groben Defizite i.S. einer Neglectsymptomatik aufzeigen. Vielmehr zeigte der Versuch zur visuellen, lateralitätsspezifischen Daueraufmerksamkeit ein rechtshemisphärisches Verarbeitungsdefizit. Die Lateralitätsmaße korrelieren mit der Einsicht wie auch mit der Positivsymptomatik (formale Denkstörungen bzw. Misstrauen). SCHLUSSFOLGERUNG: Die adäquate Einschätzung der eigenen Gedächtnisleistung ist bei den Patienten beeinträchtigt. Die Beeinträchtigung der Selbsteinschätzung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Gedächtnisleistung, sondern betrifft die Selbsteinschätzung in einem globalen Sinn. Die relative Selbsteinschätzungszeit korreliert mit der Krankheitseinsicht, was damit zusammenhängen könnte, dass sich Patienten mit größerer Einsicht eher mit sich selbst und damit ihrer Krankheit auseinander setzen. Eine andere Erklärung wäre, dass das bisherige Selbstbild durch das Bewusstwerden der Krankheit stark verändert wird. Die im Extinktionsexperiment gefundenen Hinweise auf rechtshemisphärische Reizverarbeitungsstörungen weisen auf eine mögliche Beziehung zu anosognostischen Störungen hin, bei denen auch rechtshemisphärische Hirnläsionen für das Nichterkennen der eigenen Krankheit verantwortlich gemacht werden.

Abstract:

The degree of insight into illness is important for self reflexivity as well as for treatment and prognosis of patients with schizophrenia. The aim of this study was to investigate whether patients differ from healthy control persons in metacognitive and lateralized abilities. Possible correlates between insight (and other psychopathological variables) and metacognition as well as with measures of laterality within the patient group were also investigated. METHOD: 27 patients with schizophrenia and 19 healthy control persons were included in the study. Both groups did not differ in gender distribution, age, educational level, verbal intelligence and working memory. The study consisted of 5 different tasks. In task I, the objective memory performance (memory accuracy) and the judgement of the own memory performance (confidence level) was tested. In task II, the ability of making judgements about oneself and others was tested. Tasks III-V concerned laterality measures and investigated a possible impairment of spatial processing and extinction phenomenons in bilateral-simultaneous visual stimulation. RESULTS: Task I: there are no significant differences in memory accuracy between the patient and the control group, but one finding is an impairment of correctly judging the own memory performance (confidence level) within the patient group. Task II: the patients, in contrast to the control group, need significantly longer for self-characterization than for characterization of others. The relative self-assessment-time is positively correlated with the degree of insight. Tasks III-V: the investigation of laterality measures do not show any gross deficits like a neglect, but the results point towards a deficit in right-hemispheric processing. CONCLUSION: Adequate assessment of the own memory performance is impaired in patients with schizophrenia. Furthermore, impairment of self reflexivity is not limited to memory performance alone, but self reflexivity is impaired in a global sense. The relative self-assessment-time correlates with the degree of insight, what could be a result of a more intense self-reflection in patients with an increasing awareness of their illness. Another explanation could be that the previous self is altered by the awareness of being ill. The indications for right-hemispheric deficits in stimuli-processing as found in the extinction experiment point toward a possible relationship to anosognostic disorders, where also right-hemispheric lesion are considered to account for the pathophenomenon of dis-recognition of illness.

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