Archäologische Sondagen und Prospektionen auf dem Ipf bei Bopfingen und ein zweiter späthallstattzeitlicher Rechteckhof bei Kirchheim-Osterholz, Ostalbkreis

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URI: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-opus-20774
http://hdl.handle.net/10900/44007
Dokumentart: (wissenschaftlicher) Artikel
Date: 2005
Language: German
Faculty: 9 Sonstige / Externe
Department: Sonstige/Externe
DDC Classifikation: 930 - History of ancient world to ca. 499
Keywords: Ipf
Other Keywords: Kirchheim-Osterholz , Rechteckhof , Fürstensitz , Palisadengräben , geomagnetische Prospektion , hallstattzeitliche Grabenanlage
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Inhaltszusammenfassung:

Die imposanten und mächtigen Befestigungsanlagen auf dem Ipf haben schon lange den Verdacht genährt, dass es sich um eine der Burgen der älteren Eisenzeit handelt, die wir unter dem Begriff "Fürstensitze" subsumieren. Die kleine Scherbe einer attischen Trinkschale aus der Zeit um 500 v. Chr. wurde bisher als Beleg für südliche Importgüter dahingehend gewertet, auf dem Berg das Machtzentrum einer sozialen Elite zu vermuten, die Kontakte mit dem mediterranen Süden pflegte. Dieser Verdacht hat nun seit dem Jahr 2000 durch spektakuläre Entdeckungen im Zuge der Luftbildprospektion und durch neue Ausgrabungen in der Umgebung des Ipf unerwartete Aktualität erfahren und die Bedeutung seiner Befestigungen sowie des Siedlungsumfeldes schlagartig erweitert. Im Rahmen des Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft werden seit 2004 neue Ausgrabungen auf dem Ipf und in Rechteckhöfen am Fuße des Berges durchgeführt. Die jüngsten Ausgrabungen galten einem frühkeltischen Rechteckhof, der zusammen mit weiteren Rechteckhöfen und Großgrabhügeln zu einem Außenbereich des Fürstensitzes auf dem Ipf zählen. Die Rechteckanlage war von einem Palisadenzaun umgeben und weist eine komplexe Innenbebauung aus rechteckigen Einhegungen und Hausgrundrissen auf. Ungewöhnlich sind großflächige Steinsetzungen oder Stein-pflasterungen, die zusammen mit mächtigen Pfostengruben einen großen repräsentativen Baukörper erkennen lassen. Viele Indizien weisen darauf hin, dass hier wahrscheinlich ein Kultbau oder Heiligtum nach seiner Aufgabe abgetragen und die Fläche anschließend durch Steinlagen versiegelt wurde. Vergleichbare Erscheinungen gibt es im mediterranen Raum, wo heilige Plätze oder Heiligtümer nach ihrer Aufgabe versiegelt wurden. Zusammen mit den zahlreichen mediterranen Importfunden wie griechischer Keramik und Amphoren, könnte diese Geisteshaltung und Umgang mit einem heiligen Platz aus dem Süden über die Alpen gelangt sein. Insgesamt zeichnet es sich deutlich ab, dass im Außenbereich des Ipf die soziale Elite Ihre Wohnplätze und vielleicht ein Heiligtum besaßen. Es dürfte sich um die Personengruppe oder Einzelpersonen handeln, die wir als frühkeltische Fürsten bezeichnen und die auf dem Ipf ihre repräsentative Burg besaßen. Die Ergebnisse beider Ausgrabungen übertrafen die gewünschten Erwartungen bei weitem. So erbrachten die kleinen Sondageschnitte auf dem Gipfelplateau in den anstehenden Fels gehauene Gräben mit hallstattzeitlichem Fundmaterial. Diese führen im Zusammenhang mit den aus dem Magnetogramm ableitbaren Gräbchenstrukturen und deren gute Vergleichbarkeit mit den Befunden auf dem Mont Lassois zu der Arbeitshypothese, dass diese Strukturen auf dem Ipf-Plateau in die späte Hallstattzeit datieren und in Zusammenhang mit Baustrukturen aus der Zeit des späthallstattzeitlichen Fürstensitzes zu sehen sind. Auch für die Unterburg lieferten die geomagnetischen Prospektionen erste wertvolle Erkenntnisse. Hier sind 60 mal 60m große Quadrate zu erkennen, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine Bebauung durch Rechteckhöfe hinweisen. Die genannten Befunde werden Ausgangspunkte für weitere Sondagen auf der Unterburg sein, um die geomagnetischen Anomalien verifizieren und einordnen zu können.

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