Inhaltszusammenfassung:
Hintergrund: Postpartale Dyspareunie, also Schmerz beim Geschlechtsverkehr, gehört zu
den häufigsten postpartalen sexuellen Beschwerden von Frauen und kann die Lebensqualität
von Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Gleichzeitig wird Sexualität in der Wochenbettbetreuung häufig wenig thematisiert, und sexuelle Probleme werden sowohl von betroffenen
Frauen als auch von Gesundheitsfachpersonen selten offen angesprochen.
Zielsetzung: Ziel dieser Arbeit ist es, den aktuellen Forschungsstand zum Umgang von
Frauen mit postpartaler Dyspareunie, insbesondere hinsichtlich ihres Hilfesuchverhaltens und
der Inanspruchnahme professioneller Unterstützung, zu skizzieren, und dadurch Implikationen
für die Hebammenarbeit abzuleiten.
Methodik: Zur Beantwortung der Forschungsfragen erfolgte im Rahmen eines Scoping Reviews eine systematische Literaturrecherche in den Datenbanken PubMed und CINAHL. Ergänzt wurde diese Suche durch eine Freihandsuche. Es konnten fünf Studien identifiziert werden, auf welche die zuvor festgelegten Ein- und Ausschlusskriterien zutreffen. Ergänzend erfolgte eine Bewertung der Studien mithilfe passender Bewertungsinstrumente.
Ergebnisse: Die Kartierung der Evidenz konnte zeigen, dass die vorhandenen Daten begrenzt
und methodisch heterogen sind, nur wenige Studien befassen sich explizit mit postpartaler
Dyspareunie. Die Ergebnisse geben allerdings kongruent Hinweise darauf, dass viele Frauen
trotz belastender Dyspareunie keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Wissenslücken,
Tabuisierung, Scham und Normalisierung scheinen das Hilfesuchverhalten betroffener Frauen
zu beeinflussen.
Diskussion: Die Befunde deuten auf einen „Kreislauf des Schweigens“ hin, in welchem individuelle, gesellschaftliche, strukturelle sowie professionelle Faktoren zusammenwirken und
die adäquate Versorgung postpartaler Dyspareunie erschweren.
Fazit und Implikationen: Es besteht ein deutlicher Bedarf an weiterer Forschung zu postpartaler Dyspareunie, insbesondere zu Einflussfaktoren auf Hilfesuchverhalten, Auswirkungen
negativer Versorgungserfahrungen und hebammenzentrierten Versorgungsmodellen. Hebammen können eine zentrale Rolle in Aufklärung, Früherkennung und Weiterleitung übernehmen,
benötigen dafür jedoch eine bessere evidenzbasierte Grundlage und entsprechende strukturelle Rahmenbedingungen.