Inhaltszusammenfassung:
Hintergrund: Frauen mit geistiger Behinderung sind häufig von Stigmatisierung,
Diskriminierung und sozialer Isolation betroffen und weisen oftmals einen erhöhten
Unterstützungsbedarf auf. Ziel dieser Arbeit war es, die Unterstützungsbedarfe von Frauen
mit geistiger Behinderung während der Schwangerschaft sowie die daraus resultierenden
Herausforderungen und Chancen für die hebammengeleitete Beratung und Begleitung zu
untersuchen.
Methodik: Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein narratives Review durchgeführt.
Die Literaturrecherche erfolgte in der Datenbank PubMed, wobei insgesamt sieben qualitative
Interviewstudien eingeschlossen wurden. Als Bewertungsinstrument wurde die COREQCheckliste eingesetzt.
Ergebnisse: Die Ergebnisse zeigen verschiedene Unterstützungsbedarfe von Frauen mit
geistiger Behinderung während der Schwangerschaft, insbesondere emotionale, formelle
sowie informelle Unterstützung. Zudem bestehen Unterstützungsbedarfe bei der
Informationsvermittlung, bei Entscheidungsprozessen sowie beim Zugang zu geeigneten
Unterstützungsangeboten. Für Hebammen ergeben sich einige Herausforderungen,
insbesondere in Bezug auf die Kommunikation, die Wahrung der Autonomie und im Umgang
mit psychosozialen Belastungsfaktoren. Chancen zeigen sich vor allem durch eine angepasste
Informationsvermittlung, die Vermittlung von Gesundheits- und Selbstfürsorgewissen sowie
durch einen vertrauensvollen Beziehungsaufbau.
Diskussion: Die Ergebnisse der Studien bestätigen, dass neben den individuellen Faktoren
auch die strukturellen Rahmenbedingungen die Versorgung der Frauen beeinflussen. Zudem
verdeutlichen sie bestehende Versorgungslücken sowie die Bedeutung interdisziplinärer
Zusammenarbeit.
Fazit: Hebammen zählen zu den zentralen Ansprechpersonen für Frauen mit geistiger
Behinderung in der Schwangerschaft. Eine bedarfsgerechte, inklusive und interdisziplinäre
Versorgung kann die Selbstbestimmung und Teilhabe der Frauen während der
Schwangerschaft stärken.