Die Genese richterlicher Urteilsbildung und die Schichtverteilung der Kriminalität

DSpace Repositorium (Manakin basiert)


Dateien:

Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/184985
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1849857
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-126297
Dokumentart: Wissenschaftlicher Artikel
Erscheinungsdatum: 1970
Sprache: Deutsch
Fakultät: Kriminologisches Repository
Zur Langanzeige

Inhaltszusammenfassung:

Dieser Beitrag berichtet über einige Ergebnisse einer Forschungsarbeit über soziale Kontrolle. Er behandelt die Bedeutung richterlicher Definitionen 'typischer' und 'untypischer' Devianz im richterlichen Entscheidungsprozeß für die Schichtverteilung der offiziell sanktionierten Kriminalität. Die Ergebnisse einer kontrollierten Beobachtung von Gerichtsverhandlungen zum Delikt Diebstahl werden dargestellt. Die Bedingungen der Anwendung von gesetzlichen Definitionen auf Handlungssituationen und Handelnde (insbesondere ihre Motivation) im Entscheidungsprozeß werden untersucht und der Inhalt von Anwendungsregeln wird erläutert. Es kann gezeigt werden, daß der Richter eine Handlung eher als "ungeplant", als Ergebnis einer "besonderen Situation”, als eine Handlung "ohne großen Unrechtsgehalt" definiert, das Vorleben des Angeklagten und seine Prognose günstiger bewertet, eine Geldstrafe einer Freiheitsstrafe vorzieht und sich eher für ein generell milderes Urteil entscheidet, wenn der Angeklagte in "geordneten” sozialen Verhältnissen lebt, wenn er z.B. einen Beruf erlernt hat, regelmäßig arbeitet, ohne seine Arbeitsstelle zu wechseln, einen angemeldeten Wohnsitz hat und bei seiner Familie lebt. (Die Abhängigkeit der richterlichen Entscheidung von seiner Definition der sozialen Situation und des sozialen Typus des Angeklagten wird getestet, indem Variable wie 'Schwere der verhandelten Tat', 'Vorstrafen des Angeklagten', 'Ausmaß des Schadens' eingeführt werden.) Der Einfluß dieser Faktoren auf die Urteilstätigkeit wird an Hand typischer Abläufe des Entscheidungsvorgangs exemplarisch dargestellt.

Abstract:

This essay gives some research results concerning social control. It deals with the importance of judicial definition of 'typical' and 'untypical' deviance in judicial decision-making as related to the distribution of officially sanctioned crime by social class. The results of controlled observation of legal proceedings against thieves are described. The conditions of application of legal definitions to situations of action and to actors (in particular their motivation) in decision-making are explored and the content of rules of application is explained. It is demonstrated that the judge is more inclined to define an action as "unintended", as a result of an "extraordinary situation" and as "not thoroughly bad", to assess the defendant’s former life and his chances for conformity more favourable, to prefer a fine to imprisonment and to give a more lenient judgement, in general, if the defendant lives in "orderly" social conditions, for example: if he has a profession, if he works permanently without changing his employment, if he has a registered place of residence and if he lives with his family. (The dependence of judicial decision on his definition of the defendant’s social situation and social status is tested by introducing variables such as 'severity of the case being tried'; 'previous conviction of the defendant' amount of the damage'.) The influence of these factors on judgement is exemplified by typical processes of decision-making.

Das Dokument erscheint in: