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Der östliche Mittelmeerraum bildet einen zentralen Korridor für frühe Hominidenmigrationen nach Europa und ist daher entscheidend für das Verständnis der Hominiden-Ausbreitung während des Mittleren Pleistozäns. Die 2013 entdeckte archäologische Fundstätte Marathousa-1 (MAR-1) im Megalopolis Becken in Südgriechenland liefert einen wichtigen neuen Bezugspunkt in einer Region, in der Stätten vergleichbaren Alters außergewöhnlich selten sind. Die in einer klar geschichteten Sedimentabfolge erhaltenen archäologischen Überreste machen es notwendig, die Umweltbedingungen zu klären, die eine Besiedlung des Beckens ermöglichten. Ihre Lage in einer klimasensiblen Region, sowie ihre Entstehung während einer der kältesten Glaziale des Mittleren Pleistozäns, werfen zentrale Fragen zur lokalen Wasserverfügbarkeit, zur Umweltdynamik und zu den klimatischen Rahmenbedingungen auf, denen frühe Hominiden ausgesetzt waren. Vor diesem Hintergrund untersucht diese Dissertation die Sedimentaufzeichnungen des Megalopolis Beckens, um dessen Eignung als Paläoumwelt-Archiv zu bewerten, einen robusten chronologischen Rahmen für die wichtigsten Sedimentabfolgen zu erstellen und die Entwicklung von Umweltvariabilität, insbesondere in Bezug auf Wasserverfügbarkeit und Klima, im Verlauf der Zeit zu rekonstruieren.
Die erste Kernstudie (P1) konzentriert sich auf den Aufschluss bei MAR-1. Multiproxy-Analysen zeigen, dass der Standort während MIS 12 wiederholt zwischen flachem, stehenden Wasser, dicht bewachsenen Sumpfzonen und Phasen mit erhöhtem Flusseinfluss wechselte. Diese Veränderungen spiegeln Schwankungen in Wassertiefe und Küstenlage wider, die durch hydrologische Variabilität verursacht wurden und nicht direkt auf kalte oder warme klimatische Bedingungen zurückzuführen sind. Obwohl MIS 12 eine der schwersten Glaziale des Mittleren Pleistozäns war, blieb Süßwasser zugänglich, wodurch günstige Lebensbedingungen insbesondere für Hominiden bestanden.
Die folgenden Studien (P2–P3) erweitern die Rekonstruktion vom MAR-1-Aufschluss auf das gesamte Becken. Korrelationen zwischen Bohrkernen und Aufschlüssen zeigen wiederkehrende Wechsel zwischen flussbeeinflussten Überschwemmungsebenen, Sumpfgebieten und flachen Seen, geprägt durch Schwankungen in der Sedimentzufuhr, Änderungen der Wasserverfügbarkeit und klimatische Bedingungen, sowie gelegentlichen Massenbewegungen. Zusammen mit den lithologischen und geochemischen Daten zeigen die Ergebnisse, dass die in klastischen sowie organikreichen Einheiten dokumentierten Umweltveränderungen keine einheitlichen glazial-interglazialen Muster darstellen, sondern lokal variierende Reaktionen auf Klimafluktuationen widerspiegeln. Unabhängige paläomagnetische Analysen klären zudem die Position der Brunhes–Matuyama-Grenze innerhalb der Marathousa-Einheit, wodurch eine Integration in einen breiteren stratigraphischen Rahmen möglich wird. Die Anwendung und Bewertung verschiedener chronologischer Ansätze identifizierte ein orbital abgestimmtes Modell (MUBAWA) als die zuverlässigste Altersmodellierungsmethode für die lange und spärlich datierte Sedimentabfolge, was konsistente Korrelationen über das gesamte Becken ermöglicht.
Die detaillierten Paläoumwelt-Rekonstruktionen von MIS 18 bis MIS 12 verdeutlichen die Komplexität der Umweltentwicklung im Megalopolis Becken. Lokale Hydrologie und Umweltdynamik reagierten sensibel auf Klimaveränderungen, spiegelten jedoch nicht immer die regionalen Muster im Mittelmeerraum wider. Einige Intervalle, wie Teile von MIS 16, zeigen trotz kalter Bedingungen eine ausgeprägte Sumpfentwicklung, während MIS 14 verdeutlicht, dass Umwelttrends zwischen Südgriechenland und dem nördlichen Balkan aufgrund einer regionalen Klimagrenze auseinanderliefen. Diese Befunde unterstreichen die starke Rolle lokaler Faktoren, wie Wasserverfügbarkeit und Einzugsgebietsprozesse, bei der Entstehung und Erhaltung des Umweltsignals.
Insgesamt liefert diese Dissertation einen verfeinerten chronologischen Rahmen und eine der detailliertesten Umweltrekonstruktionen des Mittleren Pleistozäns für Südgriechenland. Durch die Integration von Multi-Proxy-Analysen mit regionalen Vergleichen verbessert sie das Verständnis der Umweltvariabilität im östlichen Mittelmeerraum und bietet einen neuen Kontext für die Interpretation der frühen Hominidenpräsenz im Megalopolis Becken während des Mittleren Pleistozäns.