Inhaltszusammenfassung:
Neben einer lauten Kontroverse zwischen ,,alter” und „junger” Kriminologie gibt es eine stille, unbeachtete und nichtsdestoweniger relevante Vereinnahmung der Labeling-Theorie durch die kriminalpolitische Wissenschaft. Der Charakter dieser Rezeption ist Gegenstand der folgenden Analyse. Es wird dabei deutlich gemacht, daß die traditionelle Kriminologie aufgrund von veränderten Problemen staatlicher Kontrollpolitik, aufgrund von Reformzwängen im Strafrechtswesen obsolet werden mußte. Die Labeling-Theorie hingegen entspricht eher einer andauernden Reformsituation und gestattet es, sie praktisch und ideologisch besser verarbeitbar zu machen.