Pilot-Studie zur Implementierung eines Standardsatzes von intensivmedizinischen Verlegungskriterien

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/182742
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1827422
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1827422
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-124056
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-08-27
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Riessen, Reimer (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-08-05
DDC-Klassifikation: 610 - Medizin, Gesundheit
Freie Schlagwörter: Intensivmedizin
Verlegungskriterien
Implementierung
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Hintergrund: Die Einschätzung der Verlegungsbereitschaft von Intensivpatienten erfolgt oft durch subjektive Beurteilungen unter zeitlichem Druck. Ein standardisierter Kriterienkatalog könnte diesen Prozess objektivieren und eine frühzeitige, sichere Verlegung unterstützen. Vor dem Hintergrund knapper intensivmedizinischer Ressourcen rückt deren effiziente und verantwortungsvolle Nutzung in den Fokus. In einem vorangegangenen Delphi- Prozess wurde ein Katalog aus patientenspezifischen und organisatorischen Verlegungskriterien entwickelt. Im Rahmen dieser Studie stand die Prüfung der klinischen Anwendbarkeit dieses objektiven Verlegungskriterienkatalogs im Vordergrund. Ziel war es, den Nutzen dieser Kriterien für ein proaktives Verlegungsmanagement von Intensivpatienten auf nachgeordnete Pflegestationen zu evaluieren. Methoden: In einer prospektiven, zweiphasigen Pilot-Studie auf der internistisch ausgerichteten Intensivstation 93 des Universitätsklinikums Tübingen wurde zunächst die bestehende Praxis der Bewertung von Verlegungsfähigkeit der Intensivpatienten analysiert. Anschließend wurde die Implementierung der Verlegungskriterien umgesetzt. In der Implementierungsphase wurde die Anwendung der Verlegungskriterien erfasst und Anwender-Feedback eingeholt. Zur Nutzenevaluierung wurden zusätzlich Key Performance Indikatoren zu Patientenfluss, Krankheitslast und Kapazitätsauslastung erhoben. Aufgrund der begrenzten Kohortenzahl erfolgte eine deskriptive Analyse. Ergebnisse: Während der Implementierungsphase wurde die Erfüllung der Verlegungskriterien zu zwei Zeitpunkten (Verlegungsoption und Verlegungsentscheidung) analysiert. Insgesamt wiesen dreizehn Verlegungskriterien eine Erfüllungsrate von über 80 % bei der Verlegungsentscheidung auf. Sieben Verlegungskriterien waren bei über 80 % der Verlegungsentscheidungen nicht anwendbar. Bei 45 % der verlegten Patienten wurden alle Verlegungskriterien zum Zeitpunkt der Verlegungsentscheidung erfüllt. Bei 55 % der Patienten wurde eine Verlegungsentscheidung getroffen, ohne dass alle Verlegungskriterien erfüllt 82 waren. Viele dieser Patienten wurden jedoch auf Stationen verlegt, die eine weiterführende Therapie ermöglichten. Bei 25 % der Patienten waren die Verlegungskriterien bereits erfüllt, bevor eine Verlegungsentscheidung getroffen wurde. Schlussfolgerung: Die Beurteilung der Verlegungsfähigkeit von Intensivpatienten erfordert objektive Kriterien, die sowohl die individuellen Patientenbedürfnisse als auch die organisatorischen Möglichkeiten berücksichtigen. In dieser Studie wurde ein konsentierter Katalog von 28 Verlegungskriterien implementiert und anhand ausgewählter Key Performance Indikatoren geprüft. Daraus konnte ein Kernset von 13 überwiegend patientenbezogenen Verlegungskriterien abgeleitet werden, welches sich für die routinemäßige Anwendung eignen könnte und eine sichere Identifikation stabiler Patienten für die Verlegung auf die Normalstation ermöglicht. Ergänzende organisationsspezifische Kriterien sowie Akuitätsscores könnten den Katalog situationsgerecht erweitern. Für eine dauerhafte Wirksamkeit ist eine Standardisierung des Verlegungs-Workflows mit automatisierter Dokumentation und Visualisierung notwendig. Allerdings bleiben Kapazitätsengpässe in den nachgelagerten Versorgungseinrichtungen der zentrale limitierende Faktor. Eine nachhaltige Verbesserung des Patientenflusses, der Behandlungsqualität und der Ressourcennutzung lässt sich nur durch die aktive Einbindung aller am Verlegungsprozess Beteiligten erreichen. Für die Zukunft erscheint es daher unerlässlich, standardisierte Verlegungskriterien flächendeckend in digitale Systeme zu integrieren, ihre Nutzung zu automatisieren und multizentrisch zu evaluieren. Nur so lässt sich der zeitkritische Zugang und die Nutzung intensivmedizinischer Ressourcen nachhaltig sichern und auf die strukturellen Herausforderungen der kommenden Jahre reagieren.

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