Einfluss der Gesichtsfarbe auf die Wahrnehmung von emotionalen Gesichtsausdrücken und die audiovisuelle Integration von Mimik und Sprachmelodie

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/182055
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1820556
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-123369
Dokumentart: Dissertation
Erscheinungsdatum: 2026-08-04
Sprache: Deutsch
Fakultät: 4 Medizinische Fakultät
Fachbereich: Medizin
Gutachter: Kreifelts, Benjamin (Prof. Dr.)
Tag der mündl. Prüfung: 2026-07-16
DDC-Klassifikation: 500 - Naturwissenschaften
610 - Medizin, Gesundheit
Schlagworte: Farbe , Sozialangst , Emotionen
Freie Schlagwörter: Gesichtsfarbe
multimodale Integration
Lizenz: http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=de http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/doku/lic_ohne_pod.php?la=en
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Inhaltszusammenfassung:

Neben der Mimik und der Prosodie stellt auch die Gesichtsfarbe eine wichtige Informationsquelle für eine funktionierende zwischenmenschliche Kommunikation dar. Die Farbe und ihre Bedeutung für die emotionale Wahrnehmung ist stellt ein noch recht junges Forschungsfeld dar und wird auch in der hier vorliegenden Arbeit anhand verschiedener Fragestellungen untersucht. Anhand von dynamischen Stimuli wurde der Einfluss der Gesichtsfarbe auf die emotionale Wahrnehmung bei niedrig sowie hoch sozial ängstlichen Individuen untersucht, mit dem Ziel neue Erkenntnisse über das Vorliegen möglicher Farbeffekte auch in Abhängigkeit vom Ausmaß an sozialer Angst zu gewinnen. Des Weiteren wurde untersucht, ob eine die Mimik begleitende emotionale Prosodie den Einfluss der Farbe auf die Emotionswahrnehmung moderiert. An der Studie nahmen 40 Personen teil, 20 gehörten der Gruppe der niedrig sozial Ängstlichen und 20 der Gruppe der hoch sozial Ängstlichen an. In zwei computerbasierten Experimenten wurden den Teilnehmenden kurze Videos präsentiert. Diese zeigten Gesichter von Personen, die ein einzelnes Wort mit einem bestimmten emotionalen Ausdruck sprachen. Im ersten Experiment wurden die Emotionen Angst, Ärger und ein neutraler Ausdruck gezeigt, im zweiten Experiment die Emotionen Freude, Trauer sowie ein neutraler Ausdruck. Die Teilnehmenden sollten die jeweilige gezeigte Emotion klassifizieren und hinsichtlich ihrer wahrgenommenen Intensität auf einer neunstufigen Likert Skala zwischen den Emotionspolen Angst und Ärger (erstes Experiment) beziehungsweise Freude und Trauer (zweites Experiment) bewerten. Die Videos wurden jeweils farblich bearbeitet. Ausgehend von der Originalfarbe um zwei Intensitätsstufen in die rote und um zwei Intensitätsstufen in die weiße Farbrichtung (reduzierter Rotanteil). Die Ergebnisse zeigten, dass bei keiner der Emotionen die Gesichtsfarbe einen Einfluss auf die Intensitätsbewertung hat. Es zeigte sich eine signifikante Interaktion zwischen der Gesichtsfarbe und der sozialen Ängstlichkeit bei der Bewertung der ärgerlichen, neutralen und ängstlichen Gesichtsausdrücke. Vor allem die Differenzen der jeweils roten und weißen Farbstufen wurden von den beiden Gruppen deutlich unterschiedlich bewertet. In der Gruppe der hoch sozial Ängstlichen führten die roten Farbstufen zu einer Bewertung in Richtung der Emotion Ärger, die weißen Farbstufen zu einer Bewertung in Richtung der Emotion Angst. Es wurde weder ein signifikanter Effekt der sozialen Ängstlichkeit im Hinblick auf eine Interpretationsverzerrung in der emotionalen Wahrnehmung, noch ein Effekt der Farbe gefunden. Daher stellt sich bei der vorliegenden Interaktion dieser Faktoren die Frage, ob die soziale Ängstlichkeit den Moderator des Farbeffektes darstellt, oder ob umgekehrte Verhältnisse vorliegen. Gründe für diesen Effekt könnten darin liegen, dass unter der Verwendung möglichst naturalistischer dynamischer Stimuli die einzelnen Effekte der Gesichtsfarbe und der sozialen Ängstlichkeit aufgrund der großen Realitätsnähe mit einer moderaten Modulation der Gesichtsfarbe aufgrund der durch die Dynamik reduzierte Ambiguität, nicht ausreichend groß waren, die Kombination dieser allerdings schon. Hinsichtlich der Intensitätsbewertung der Gesichter als freudig zeigte sich weder ein Farbeffekt noch ein signifikanter Interaktionseffekt. Die Prosodie hatte im ersten Experiment keinen Einfluss auf den Farbeffekt. Im zweiten Experiment zeigte sich ein signifikanter Einfluss der Sprachmelodie auf die Interaktion zwischen sozialer Ängstlichkeit und Emotion. Hoch sozial ängstliche Individuen scheinen von der multimodalen Integration der verschiedenen Kommunikationskanäle bei traurigen und freudigen Ausdrücken verstärkt zu profitieren, da diese eine bessere Differenzierung dieser Emotionen zeigten. Ursächlich dafür könnte die Tatsache sein, dass hoch sozial Ängstliche aufgrund Ihrer Unsicherheit in sozialen Situationen einen höheren Benefit durch die Präsentation von mehreren emotionalen Signalen über verschiedene Kanäle haben als niedrig sozial Ängstliche Individuen. Zum anderen könnte es bei diesen im Vergleich zu der Gruppe der niedrig sozial Ängstlichen durch die audiovisuelle Integration zu einer Reduktion der Wahrnehmungsverzerrung bei der Emotion Freude als weniger positiv beziehungsweise freudig kommen. Diese Erkenntnisse bringen weitere wichtige Einblicke im Bereich der Emotionsforschung und könnten für zukünftige Forschungsvorhaben noch weiter und dezidierter aufgearbeitet und entschlüsselt werden.

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