Inhaltszusammenfassung:
Lippen-Kiefer-Gaumenspalten gehören mit einer Inzidenz von ca. 1:500 – 1:700 Neugeborenen zu den häufigsten kraniofazialen Fehlbildungen. Aufgrund dieser Häufigkeit kommt der Untersuchung und wissenschaftlichen Aufarbeitung der Therapie von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten eine besondere Bedeutung zu.
Im Rahmen dieser Studie sollten zwei verschiedene Nahttechniken- und -materialien zur Korrektur der spaltbedingten Nasendeformität im Rahmen der Primäroperation der Lippenspalte verglichen werden. Dazu wurden 48 Kinder mit unilateralen Lippen-, Lippen-Kiefer-, und Lippen-Kiefer-Gaumenspalten eingeschlossen, jeweils 24 davon wurden mit einer der beiden Techniken operiert. Die Technik der Präparation der Nase sowie die Technik der Lippenspaltplastik nach Tennison-Randall waren dabei für alle Patienten identisch. Es wurden anhand von präoperativen Frontalaufnahmen matched pairs gebildet, welche sich in der Morphologie des Lippen-Nasen-Komplexes glichen, aber mit unterschiedlichen Nahttechniken operiert wurden.
Zur Auswertung wurden drei verschiedene Module verwendet: Es erfolgte eine anthropometrische Vermessung von postoperativen Frontalaufnahmen, ferner wurden Ausschnitte dieser Frontalaufnahmen von Mitarbeitenden der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Tübingen anhand einer 5-Punkt-Ordinalskala nach Asher McDate bewertet. Weiterhin erfolgte eine Telefonumfrage bei den Eltern zur Bewertung der Patientenzufriedenheit.
Die Ergebnisse der anthropometrischen Vermessungen ergaben keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Beide Gruppen zeigten im Vergleich zur Datenlage in der Literatur gute Ergebnisse bezüglich der postoperativen Symmetrie zur Gegenseite. Es konnte ein einzelnes signifikant besseres Ergebnis der mit Vicryl operierten Patienten bezüglich der Nasenform festgestellt werden (2,47 (±1,13) für PDS und 2,28 (±0,91) für Vicryl, p=0,03), bezüglich der Nasensymmetrie bestätigte sich dies allerdings nicht (PDS 2,52 (±1,1) und Vicryl 2,38 (±0,9), p=0,11). Daher bleibt die klinische Relevanz dieses Unterschieds fraglich. Bezüglich der Bewertung durch Mitarbeitende ergab sich kein signifikanter Bewertungsunterschied zwischen erfahrenen Chirurgen und jüngeren, weniger erfahrenen Kollegen. Die Telefon-umfrage ergab eine hohe Zufriedenheit der Eltern mit dem direkt postoperativen funktionellen Outcome. Einschränkend muss die lange Zeit zwischen dem Zeitpunkt der Operation und der Umfrage erwähnt werden. Insgesamt können die Ergebnisse dieser Untersuchung im Vergleich mit ähnlichen Studien in der Literatur als sehr gut betrachtet werden.
Als Ausblick in die Zukunft soll die 3D-Fotografie erwähnt werden, die die Evaluation des ästhetischen Outcome von Primäroperationen von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten sinnvoll ergänzen könnte.