Inhaltszusammenfassung:
Zur Untersuchung der Frage, wie sehr und in welcher Form „Kriminalität“ unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen in der Öffentlichkeit diskutiert wird, schlagen wir ein theoretisches Modell mit folgenden Eigenschaften vor: Skandalisierung von „Kriminalität“ ist Bestandteil einer (jeweils phasenspezifisch geprägten) Politik der „Arbeitsmoral“. Sie ist eine mögliche Legitimation von sozialem Ausschluß und Ressource in öffentlichen (wie privaten) Moral-Diskursen. In der Geschichte der Bundesrepublik läßt sich eine Polarisierung von Integration und moralisch legitimiertem sozialem Ausschluß feststellen. Im Moral-Diskurs finden wir Übergänge von einer naiven Auffassung von „Kriminalität“ zu einer als „soziales Problem“, schließlich zu einer als „Gefahr für alle“. Das autoritäre Potential dieser ideologischen Entwicklung ist wahrscheinlich latent geblieben, weil sozialer Ausschluß faktisch vor allem a-moralisch (wirtschaftlich) geschehen ist.