Lebensführungsrisiko Aids: Problemwahrnehmung, rechtspolitische Reaktionen und Verrechtlichung in Dogmatik und Rechtsprechung

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Zitierfähiger Link (URI): http://hdl.handle.net/10900/181129
http://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-1811297
http://dx.doi.org/10.15496/publikation-122453
Dokumentart: Wissenschaftlicher Artikel
Erscheinungsdatum: 1992
Sprache: Deutsch
Fakultät: Kriminologisches Repository
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Inhaltszusammenfassung:

Die Wahrnehmung der AIDS-Problematik wird in der Rechtsprechung und in Teilen der Literatur durch Stereotype bezüglich der betroffenen Minderheiten bestimmt. Sie fordern demgemäß zur AIDS-Prävention harte staatliche Eingriffsmaßnahmen und strafrechtliche Sanktionen gegen verantwortungslose HIV- infizierte. Die Gegenmeinung setzt statt dessen auf Aufklärung und Entstigmati- sierung. Beide Konzepte fußen auf einem Kausalitätsdenken, das die Infizierten zu Tätern macht, die die Gesellschaft bedrohen. Die Verwerflichkeit nicht-monogamer Sexualität wird säkularisiert. Dieses Ursachendenken wird durch die Verstärkung von Vorurteilen mit rechtlichen Mitteln zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Eine Lösung des Problems liegt jedoch nicht in verstärkter gesellschaftlicher Kontrolle und dem Einsatz des Strafrechts gegen die betroffenen Minderheiten. Dem verfassungsmäßigen Verständnis des Menschen als eigenverantwortliches Individuum entspricht vielmehr die Aufklärung über bestehende Risiken und die Auseinandersetzung mit Ängsten und Vorurteilen.

Abstract:

The perception of thè AIDS-problem in juristdiction and parts of the jurisprudence is determined by stereotypes concerning the affected minorities. That is why they cali for severe interventions by the state and criminal sanctioning against irresponsible HIV-infected persons in Order to prevent AIDS. The opposite view relies on informing and destigmatization instead. Both concepts rest on the principle of causality that turn the infected into perpetrators endangering society. The reprehensibleness of non-monogamous sexuality is secularized. The principle of cause and effect becomes a self-fulfilling prophecy by intensifying prejudices with law. Intensified societal control and thè application of thè criminal law against the affected minorities is not thè solution to the problem. The constitutional understanding of the human being as an autonomous individual rather corresponds to informing about existing risks and the analysis of fears and prejudices.

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