Inhaltszusammenfassung:
Ca. 3-4 % aller Kinder sind von einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) betroffen. Bei Kindern mit Vorerkrankungen wie z.B. dem Down-Syndrom oder kraniofazialen Anomalien liegt der Anteil sogar deutlich höher. Ein möglicher Therapieansatz bei einer leichten OSA stellen die topischen anti-inflammatorischen nasale Steroide (NaS) dar. Jedoch gibt es bislang nur wenig Evidenz in Bezug auf die Effektivität von NaS bei Kindern mit Komorbiditäten. Auch wurde noch nicht systematisch untersucht, aus welchen Gründen Familien eine empfohlene Therapie mit intranasalen Steroiden nicht durchführen oder abbrechen.
Ziel der Arbeit war es daher, den Nutzen einer Therapie mit NaS unter Berücksichtigung vorhandener Komorbiditäten, des Geschlechts, des Alters und des BMISDS evaluieren und Risikofaktoren für eine mangelhafte Therapie-Adhärenz zu identifizieren.
Es wurden insgesamt 245 Kinder in die Studie eingeschlossen, von denen 123 (50,2 %) im Schlaflabor ein zweites Mal untersucht worden waren. Das Alter im Median lag bei 6 [3-10] Jahren, 39,6% waren weiblich und 127 (51,8 %) wiesen Komorbiditäten (neuromuskuläre Störungen, Mittelgesichtsdefekte, komplexe Anomalien) auf. Bei 70 (28,6 %) der Kinder war eine NaS-Therapie erfolgt. Hier kam es zu einer signifikanten Verbesserung des OAHI im Median von 3,3 [2-5,7] Ereignisse pro Stunde vs. 1,6 [0,3-5,3] Ereignisse pro Stunde (p=0,006). Bei 28 (40 %) Patienten mit Therapieansprechen normalisierte sich der PSG-Befund. Patienten ohne Therapieansprechen, definiert als ein OAHI > 5 pro Stunde, hatten einen knapp nicht signifikant höheren BMISDS (-0,8 ± 1,8 vs. 0,1 ± 1,1; p=0,06) und tendenziell etwas häufiger Komorbiditäten (74 % vs. 61 %, p=0,25). Bei den 53 nachuntersuchten Kindern mit nicht-erfolgter oder abgebrochener NaS-Therapie normalisierte sich nur bei 15 (28 %) Kindern der PSG-Befund.
Als Gründe für eine nicht-erfolgte oder abgebrochene NaS-Therapie wurden im Telefoninterview (N=73) Angst vor der Behandlung mit Steroiden (58 %), eine HNO-Operation stattdessen (27 %), eine spontane Besserung (16 %), eine myofunktionelle Therapie stattdessen (15 %) und andere Gründe (14 %) angegeben. Intoleranz und vergessene Einnahme wurden mit jeweils 5 % selten aufgeführt.
Zusammenfassend geben unsere retrospektiven Daten Hinweise, dass eine NaS-Therapie auch bei Kindern mit Komorbiditäten wirksam ist. Die Therapie-Empfehlung wird allerdings oft nicht umgesetzt. Häufigster Grund war hier die Angst vor Steroiden („Corticosteroid Phobia“). Anscheinend ist nicht allen Familien bekannt, dass sich topische und systemische Steroide hinsichtlich ihrer Risiken deutlich unterscheiden. Hier sind die betreuenden Ärzte gefordert, Familien gut über das Nebenwirkungs-Spektrum und die Anwendung von NaS im Vergleich zu systemischen Steroiden aufzuklären.