Inhaltszusammenfassung:
Verstehende und interpretative Zugänge zur Institution Gefängnis sind gegenwärtig selten, erst recht im Hinblick auf Geschlechterperspektiven. Ein Rückblick auf die soziologischen Forschungstraditionen in diesem Feld lenkt den Blick, neben dem interaktionistischen Beitrag von Go.ffm an, auf strukturfunktionalistische Arbeiten, die in den 1950er und 1960er Jahren in den USA entstanden sind. Im Mittelpunkt der Forschung standen damals die Wirkung der geschlossenen Institution auf das soziale Handeln ihrer Mitglieder sowie die Frage nach der Funktionalität von abweichendem Verhalten für die Stabilität sozialer Ordnung. Der einseitige Handlungsdeterminismus dieses Ansatzes ist wiederholt kritisiert worden. Trotz dieser theoretischen Schwäche lohnt eine differenzierte Auseinandersetzung mit dieser Forschungsperspektive auf das Gefängnis, besonders mit der Studie „ The Society of Captives" von Gresham M Sykes. Seine Arbeit enthält wichtige Impulse für die gegenwärtige Gefängnisforschung, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung von Männlichkeit im Gefängnis. Dies wird anhand eigener Forschung zum Jugendstrafvollzug konkretisiert.