Inhaltszusammenfassung:
Das hypothalamische Nonapeptid Oxytocin beeinflusst neben seiner allgemein
bekannten Wirkung im weiblichen Reproduktionstrakt psychosoziale Funktionen
und reguliert metabolische Prozesse. Insulinsensibilisierende Effekte nach intranasaler
OT-Gabe ließen sich bei gesunden, normalgewichtigen Männern, jedoch
nicht bei Probanden mit Adipositas (ohne Diabetes) zeigen. Unklar war die akute
glucoregulatorische Wirkung von OT auf eine langfristig gestörte Glucosetoleranz.
Vor diesem Hintergrund hatte die hier vorliegende Arbeit das Ziel, die akute
Wirkung von intranasalem OT auf die Glucosehomöostase bei Männern mit Typ-
2-Diabetes in einer randomisierten, doppelblinden, balancierten Cross-over-Studie
an 25 Versuchspersonen zu untersuchen. Dabei erhielten die nüchternen
Probanden am Vormittag eines Versuchstags intranasal 24 IE OT und am anderen
Versuchstag Placebo und durchliefen jeweils 60 Minuten später einen standardisiert
durchgeführten oGTT. Zur Bestimmung relevanter Blutparameter erfolgten
in regelmäßigen Abständen Blutentnahmen, die von Messungen kardialer
Parameter (Blutdruck, Puls) begleitet wurden. Zudem kamen indirekte Kalorimetrie
zur Messung des Energiehaushalts und Fragebögen zur Erhebung psychometrischer
Daten zum Einsatz. OT verbesserte trotz eines Anstiegs der peripheren
OT-Konzentrationen die Glucosetoleranz und Insulinsensitivität bei Männern
mit DMT2 nicht, senkte jedoch die Herzrate ab. Durchschlagende subjektive Effekte
und Veränderungen im Energiehaushalt blieben aus. Die Ergebnisse stehen
im Einklang mit den Beobachtungen an Probanden mit Adipositas, kontrastieren
hingegen mit den positiven glucoregulatorischen OT-Effekten bei normalgewichtigen
Männern. Das lässt vermuten, dass das Vorliegen von gestörter Glucosetoleranz
und Insulinresistenz den akut verbessernden Effekt von OT auf die
Glucosehomöostase aus Gründen, die in der vorliegenden Studie nicht erforscht
werden konnten, abschwächt. Mit Blick auf die hohe Prävalenz von Adipositas
und DMT2 sollte weiter untersucht werden, ob OT (z.B. in höheren Dosen, bei
wiederholter Gabe, bei Verabreichung von Analoga oder bei Frauen) eine langfristig
gestörte Glucosetoleranz positiv beeinflussen kann.